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Freitag, 08.12.2017

Mit einer Fliege fängt Mann Blicke

Raus aus dem Alltag – rein in festliche Kleidung. Zwei SZ-Leser haben den Mut zur Veränderung. Wir zeigen, wie es geht.

Von Susanne Plecher

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Dietmar Strobel (62, links) aus Plauen ist offen für neue Modeimpulse. Er trägt Konfektionsgröße 48/50 und braucht ein festliches Outfit für Oper und Theater. Unzufrieden ist er mit seiner Frisur. Vorher: Hemden und Stoffhosen trägt Dietmar Strobel auch in seiner Freizeit gern. Sein Stil ist sportlich-elegant. Nachher: Sakko, Hose, Weste von Windsor,ca. 800 Euro. Krawatte: Hemley, 89,90 Euro. Hemd: Van Laack, 189,90 Euro.Siegfried Ernst (59) aus Dohna hat Konfektionsgröße 54 und wünscht sich mehr Würze in seinem Kleidungsstil. Er sucht nach einem eleganten Anzug für seinen runden Geburtstag. Vorher: Siegfried Ernst greift in der Regel zur Jeans und kombiniert sie mit Hemd oder T-Shirt. Sein Stil ist leger. Nachher: Anzug Dressler, ca. 600 Euro, Fliege: Ascot, 79,50 €. Hosenträger: Trico, 89,90 €. Hemd: Silbermann, 129,50 Euro.
Dietmar Strobel (62, links) aus Plauen ist offen für neue Modeimpulse. Er trägt Konfektionsgröße 48/50 und braucht ein festliches Outfit für Oper und Theater. Unzufrieden ist er mit seiner Frisur. Vorher: Hemden und Stoffhosen trägt Dietmar Strobel auch in seiner Freizeit gern. Sein Stil ist sportlich-elegant. Nachher: Sakko, Hose, Weste von Windsor, ca. 800 Euro. Krawatte: Hemley, 89,90 Euro. Hemd: Van Laack, 189,90 Euro. Siegfried Ernst (59) aus Dohna hat Konfektionsgröße 54 und wünscht sich mehr Würze in seinem Kleidungsstil. Er sucht nach einem eleganten Anzug für seinen runden Geburtstag. Vorher: Siegfried Ernst greift in der Regel zur Jeans und kombiniert sie mit Hemd oder T-Shirt. Sein Stil ist leger. Nachher: Anzug Dressler, ca. 600 Euro, Fliege: Ascot, 79,50 €. Hosenträger: Trico, 89,90 €. Hemd: Silbermann, 129,50 Euro.

© Jürgen Lösel

Wer schön sein will, muss erstmal entspannen.
Wer schön sein will, muss erstmal entspannen.

© Jürgen Lösel

Die kleine platte Stelle am Hinterkopf wurde geschickt kaschiert.
Die kleine platte Stelle am Hinterkopf wurde geschickt kaschiert.

© Jürgen Lösel

Ein wenig Puder versteckt auch beim Mann dunkle Augenringe.
Ein wenig Puder versteckt auch beim Mann dunkle Augenringe.

© Jürgen Lösel

Ob ihm geblümte Hemden stehen, will Dietmar Strobel wissen. Der Plauener ist zwar modebewusst, hat sich an florale Muster aber noch nicht herangetraut. Auch Siegfried Ernst aus Dohna im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hat Lust auf Veränderung. „Ich suche das gewisse Extra, auch mal einen farblichen Tupfer oder eine gewagte Machart“, sagt er. Dietmar Strobel und Siegfried Ernst sind zwei von knapp 200 Lesern, die sich mit Hilfe der SZ beraten lassen und für einen festlichen Anlass schick machen möchten. Partner waren dabei die Friseure und Stylisten des Salons Brockmann & Knoedler in Dresden und das Modehaus Silbermann in Dresden.

Die Frisur

Siegfried Ernst: Sein grau melierter Bart ist etwas zu lang, die welligen Haare schneidet er sich selbst mit der Maschine. Als Erstes bekommt er eine warme Nackenkompresse, danach massiert ihm Salonleiter Daniel Thomas die Kopfhaut. Das entspannt. „Herr Ernst hat viele, kräftige Haare, gleichzeitig am Oberkopf aber eine Stelle, an der sie sich leicht ausdünnen“, diagnostiziert der Friseur, während sein 59-jähriger Kunde behaglich in die Polster sinkt.

Um das volle Haar beneiden ihn viele, sagt Ernst. Aber auch den Ärger mit der sich lichtenden Stelle können etliche Männer nachvollziehen. Viele versuchen, sie zu verstecken, indem sie umliegende Haare darüber kämmen. Das kann schnell lächerlich wirken. Expertentipp: Lässt sich nichts mehr kaschieren, hilft nur kurz schneiden oder komplett rasieren. Bei Siegfried Ernst sorgt der Friseur für Struktur, indem er vor allem an den Seiten die Haare auf unterschiedliche Längen kürzt. Das lenkt den Blick von der sich ausdünnenden Partie. Ein Stylingprodukt wie Wachs oder Gel benötigt Siegfried Ernst nicht.

Dietmar Strobel: Sitzt im Sessel gegenüber und schaut skeptisch in den Spiegel. „Richtig zufrieden bin ich mit meiner Frisur schon lange nicht mehr“, sagt er. Der 62-Jährige hat feines Haar, das ihm leicht in die Stirn fällt. Friseur Martin Ansbach arbeitet die Seiten sauber aus, lässt das Deckhaar aber länger. Dadurch wirkt der Schnitt lässiger. Den Scheitel setzt er etwas tiefer an, ein Trick für Männer mit langen Gesichtern und prägnanten Kinnpartien. Wer ein rundes Gesicht hat, kann ihn weiter in der Mitte platzieren. So verlängert der Scheitel optisch das Gesicht. Strobels Blick hellt sich auf. Endlich gefällt er sich wieder.

Eine leichte Creme gibt seinen Haaren Halt, kleistert sie aber nicht zu. „Das Styling darf sich nicht schwer ins feine Haar legen. Es sollte beweglich sein, wenn man mit den Fingern durchfährt“, so Ansbach. Generell rät er bei feinem Haar von Gel und Wachs ab: Gel bündelt die Haare, so dass die Kopfhaut sichtbar wird. Wachs wirkt schnell fettig.

Der Bart

Friseur Daniel Thomas trägt selbst einen Bart. Damit können Männer ihr Äußeres relativ unkompliziert verändern. Gefallen sie sich dann doch nicht, ist die Entscheidung sehr schnell rückgängig zu machen. Vollbart, Backenbart, Schnauzer – Trend ist, womit sich der Mann wohlfühlt.

Doch ein schöner Bart kostet seinen Träger viel Zeit. Denn auch das Haar an Kinn und Wange muss regelmäßig gepflegt werden. Wer ihn vernachlässigt, wirkt schnell ungepflegt. Für die Wäsche reicht schon ein einfaches Shampoo aus. Spezielle Bartöle oder Pomaden halten Haut und Haar geschmeidig und pflegen trockene Stellen.

Siegfried Ernst trägt seinen Bart seit über 20 Jahren. Ohne Bart sei er nicht er, sagt der pensionierte Polizist. Er trimmt ihn mindestens einmal pro Woche. Heute übernimmt das der Profi.

Daniel Thomas rasiert die Konturen, kürzt an den Wangen und lässt den Kinnbart länger stehen. Das lässt das Gesicht etwas schmaler wirken. Friseur und Kunde sind mit dem Ergebnis zufrieden. „Jetzt sehen Sie mindestens sieben Jahre jünger aus!“, scherzt Daniel Thomas. „Beim Frisör können die Leute jünger, schmaler und länger werden, ohne dass sie sich dafür plagen müssen“, meint er. Ein bisschen Klappern ist erlaubt. Es gehört zum Handwerk.

Die Kleidung

Dietmar Strobel ist es gewohnt, Sakkos und Stoffhosen zu tragen. Als Maschinenbauingenieur berät er Firmen und muss schon aus beruflichen Gründen auf sein Äußeres achten. Einen guten Anzug hält er sich aber für besondere Anlässe zurück. „Meine Frau und ich gehen oft aus. Da ziehe ich mich gern schick an“, sagt er.

Für den festlichen Anlass haben ihm die Bekleidungsprofis von Silbermann einen nachtblauen Dreiteiler herausgesucht. Was für eine Erscheinung! „Schwarz wäre für seinen Teint und die Haarfarbe zu streng“, erläutert Heike Fiedler. Kombiniert wird der Anzug mit einem blau-weiß gestreiften Hemd und einer geblümten Krawatte. In ihr findet sich das dunkle Blau des Anzugstoffes wieder. Auch ein gemustertes Hemd mit einfarbiger Krawatte ließe sich dazu tragen. Gürtel und Schuhe sind farblich auf den Dreiteiler abgestimmt. Weil Dietmar Strobel leicht abfallende Schultern hat, hat eine Schneiderin dünne Polster in das Sakko eingearbeitet. So sitzt es perfekt.

Siegfried Ernst hat Karohemd und Jeans gegen einen steingrauen Einreiher getauscht. Der Stoff glänzt seidenmatt. Er kombiniert ihn mit einem zart blauen Hemd und schwarzen Halbschuhen. Obwohl er solche Sachen im Alltag nicht trägt, stellt er sich darin selbstbewusst zur Schau. Sie sehen aus, wie für ihn gemacht. „Ich fühle mich nicht verkleidet. Im Gegenteil“, sagt er. Auch Heike Fiedler ist zufrieden. „Schick!“, lautet ihr Urteil. Generell rät sie Bauchträgern zu Anzügen mit Weste. „Die streckt“, sagt sie. Kleinere Männer sollten keinen Hosenaufschlag tragen, denn er lässt Beine kürzer aussehen. Bei ihnen sollte das Sakko zudem nur knapp über den Po reichen. Große Männer dürfen gesäßbedeckende Sakkos tragen. Wichtig für alle: „Den unteren Knopf immer offenlassen“, sagt sie mit Nachdruck.

Die modischen Details

Siegfried Ernst hat sich bislang nicht getraut, eine Fliege umzubinden. Der rot-blau-karierten aber, die Heike Fiedler ihm empfiehlt, kann er nicht widerstehen. Sie lockert die Optik auf, wirkt nicht so streng wie eine Krawatte. Und sie hat einen weiteren Vorteil: Man muss sie nicht binden. Ein anderes unkonventionelles Detail sind Hosenträger in den gleichen Farben. Die Kombination aus beidem lässt Siegfried Ernst lässig und fröhlich aussehen. Kein Wunder: Am Bauch drückt nichts mehr. „Ich fühle mich frei. Ein Gürtel engt viel mehr ein“, sagt er. Im Allgemeinen sollten Männer darauf achten, zu einem gediegenen Anzug schwarze Kniestrümpfe zu tragen. „Es sieht schöner aus, wenn das behaarte Bein nicht durchblitzt, sobald sich der Mann setzt“, so Heike Fiedler. Bei Anzug oder Frack Hände weg von bunten Socken: Die passen eher zu einem sportlichen Outfit.

Eine Frage ist noch zu klären: Kann Dietmar Strobel nun geblümte Hemden tragen? „Ja, er kann. Kombiniert mit lässigem Sakko und Chino ist das sehr modern“, ermuntert ihn Heike Fiedler. Dann mal los, der Schrank wird blumig.

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