• Einstellungen
Montag, 11.09.2017

Manchmal kommen sie wieder

Abschiedsumtrunk, Abschlusszeugnis - und dann auf Nimmerwiedersehen. Eine Trennung von Arbeitgeber und Arbeitnehmer war früher oft eine Trennung für immer. Doch immer häufiger kehren Berufstätige heute an ihre alte Wirkungsstätte zurück: als sogenannte Bumerang-Mitarbeiter.

Von Tobias Hanraths

Karriereplanung per Bumerang: Zum alten Arbeitgeber zurückzukehren, war früher eine Seltenheit - heute kommt das dagegen deutlich öfter vor.
Karriereplanung per Bumerang: Zum alten Arbeitgeber zurückzukehren, war früher eine Seltenheit - heute kommt das dagegen deutlich öfter vor.

© dpa

Mannheim/Hamburg. Am Ende gab es zu viel Streit. Über die Strategie, über Produkte, über Umgangsformen. Der Gründer des Unternehmens warf die Brocken hin und gründete eine neue Firma. Doch weder für das neue noch für das alte Unternehmen lief es gut - und so kehrte er nach zwölf Jahren im Exil zurück in die alte Heimat. Zehn Jahre später präsentierte Steve Jobs in San Francisco das iPhone. Der Rest ist Erfolgsgeschichte.

Der verstorbene Apple-Gründer ist vermutlich der bekannteste Bumerang-Mitarbeiter. Ein Einzelfall ist sein kurviger Karriereweg aber nicht: 2015 veröffentlichte der amerikanische Think Tank The Workforce Institute eine Studie, nach der viele Unternehmen ehemalige Mitarbeiter inzwischen mit offenen Armen begrüßen - selbst solche, die früher ausdrückliche Regeln gegen Rückkehrer hatten. Und auch Berufstätige können sich oft sehr gut vorstellen, später noch einmal an einer alten Wirkungsstätte zu arbeiten, allen voran die junge Generation der Millenials.

In Deutschland ist der Bumerang-Mitarbeiter ebenfalls kein Unbekannter. „Das ist ein Dauerthema“, sagt Frank Schabel von der Personalberatung Hays. Ein Grund dafür sei die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt. „Ich kann mir vorstellen, dass der Fachkräftemangel bei manchen Unternehmen dafür sorgt, dass diese eher auch ehemalige Kollegen ansprechen“, so der Experte. „Deshalb gibt es auch Berufsgruppen, wo das vielleicht mehr Sinn macht - IT-Fachkräfte oder Ingenieure etwa.“

Für den Arbeitgeber hat die Rückkehr ehemaliger Fachkräfte mehrere Vorteile: Erstens entfällt die oft kosten- und zeitintensive Einarbeitung. Und zweitens weiß er meistens ziemlich genau, welche Leistung und Qualität er vom neuen alten Kollegen erwarten kann. Das gilt umgekehrt auch für den Rückkehrer: Missverständnisse sind bei einem Comeback in der Regel ausgeschlossen.

Es gibt aber noch weitere Vorteile: „Manche stellen vielleicht erst fest, wenn sie woanders sind, dass es auf der alten Position doch nicht so schlimm war“, sagt die Hamburger Karriereberaterin Svenja Hofert. Der Abstecher zu einem neuen Arbeitgeber kann so dabei helfen, neue Gelassenheit und neue Perspektiven zu finden. Und in der Zwischenzeit sind vielleicht auch die alten Gründe für den Weggang verschwunden - schwierige Kollegen etwa, schlechte Stimmung oder eine Blockade auf der Karriereleiter.

Größter Vorteil ist aber, dass die Rückkehr in den alten Job häufig nicht über reguläre Bewerbungsverfahren läuft. Stattdessen sprechen Personaler oder Mitarbeiter ehemalige Kollegen meist direkt an. „Da bin ich dann schon in einer lukrativen Verhandlungsposition“, sagt Hofert. So sieht es auch Frank Schabel: „Sie werden ja gewollt, und das ist für Verhandlungen einfach immer eine bessere Position.“

Rückkehr also nur dann, wenn es mehr Geld oder eine bessere Position als vorher gibt? Teilweise schon, sagt Svenja Hofert - vor allem, wenn der Wunsch nach einem Aufstieg damals der Grund für einen Abgang war. Und gerade in etwas konservativeren Branchen oder Unternehmen sind gradlinige Karrierewege oft gerne gesehen. Wer sich dort mit einem Lebenslauf voller Bumerang-Kurven bewirbt, gerät eventuell in Erklärungsnot. „Die Arbeitswelten sind aber verschieden“, sagt die Beraterin. „Es gibt auch Jobs und Branchen, wo Positionen und Titel gar nicht mehr so wichtig sind.“

„Wenn jemand eine Rückkehr in seinem Lebenslauf stehen hat, würde ich das nicht als negativ bewerten“, sagt Frank Schabel. Nachfragen würde er aber schon. „Denn die Antwort verrät ja auch, wie viel Reflexion bei jemandem dahintersteckt.“ Und ein Hinweis auf gute Umgangsformen ist eine erfolgreiche Rückkehr auch: Denn sie zeigt, dass jemand bei seinem ersten Abgang keine Brücken hinter sich abgebrannt hat.

„Ein guter Wiedereinstieg beginnt mit einem guten Abschied, das ist eine absolute Grundvoraussetzung“, sagt Schabel. Das Klischee „Man sieht sich immer zweimal“ stimmt oft tatsächlich. Selbst wer nicht zurückkehrt, begegnet den ehemaligen Kollegen oder Chefs vielleicht anderweitig wieder, als Kunde oder Kooperationspartner.

Deshalb lohnt es sich, eine mögliche Rückkehr zumindest mitzudenken - auch und gerade dann, wenn man sie sich aktuell gar nicht vorstellen kann. „Sinnvoll ist auf jeden Fall in Kontakt mit dem alten Arbeitgeber zu bleiben“, sagt Schabel. „Wenn ich zum Beispiel Kollegen auf Kongressen begegne oder privat mit Kollegen vernetzt bleibe.“ (dpa)

Desktopversion des Artikels