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Montag, 27.01.2014

Vernetzt und alleine - Warum Facebook einsam machen kann

So vernetzt wie heute war noch keine Generation. Freunde, Bekannte und Kontakte sind immer nur einen Klick entfernt. Trotzdem fühlen sich viele Jugendliche irgendwie einsam. Wie kann das sein?

Von Philipp Laage, dpa

Rausgehen und Freunde treffen: Das ist bei vielen Jugendlichen in Zeiten von Facebook selten geworden. Foto: Diagentur
Rausgehen und Freunde treffen: Das ist bei vielen Jugendlichen in Zeiten von Facebook selten geworden. Foto: Diagentur

Smartphones gehören für junge Menschen zum Alltag. Noch nie wurde so viel angeklickt, geschrieben und geteilt. Und doch fühlen sich immer mehr Kinder und Jugendliche allein, weiß Anna Zacharias von der «Nummer gegen Kummer» in Wuppertal. «Einsamkeit und depressive Verstimmung, diese Themen nehmen zu bei unserem Jugendtelefon.»

Es gibt offenbar einen Widerspruch: Fast jeder ist in eine große virtuelle Gemeinschaft eingebunden - doch das Gefühl dazu passt nicht. Das zeigen auch neuere Studien über das größte soziale Netzwerk Facebook, die zunehmend kritischere Ergebnisse liefern. Wissenschaftler um den Psychologen Ethan Kross von der University of Michigan fanden zum Beispiel heraus, dass die Nutzung von Facebook das subjektive Wohlbefinden junger Menschen eher reduziert als steigert - obwohl das Netzwerk ja eigentlich das Grundbedürfnis nach Austausch und Kommunikation befriedigen müsste.

Auch der langjährige Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier sieht die Rolle von sozialen Netzwerken in zwischenmenschlichen Beziehungen kritisch: «Das Ego steht im Mittelpunkt und nicht die Beziehung zu anderen. Es dreht sich alles ums eigene Ich», sagt der Gründer des Instituts für Jugendkulturforschung in Wien. Auf Facebook sei man aber nicht man selbst, sondern reduziere sich auf ein angelegtes Profil, das immer verzerrt ist.

Schwierig wird diese Inszenierung dadurch, dass man sein eigenes Profil ständig mit dem von Freunden und Bekannten vergleichen kann - die scheinbar alle richtig tolle Dinge tun. «Gleichzeitig sitzt man alleine vor dem Bildschirm. Am Ende des Tages bleibt die eigene Defiziterfahrung», sagt Heinzlmaier.

Jugendliche säßen also vor ihrem Gerät und warteten auf ein Feedback zum eigenen Leben, sagt Heinzlmaier. «Viele versuchen, über die virtuellen Kontakte all das zu bekommen, was man nur in der risikoreichen Welt da draußen bekommen kann.» Und manche verlieren sich dann in diesem Bemühen, stets einen Eindruck hinterlassen zu wollen. «Sie wissen am Ende des Tages gar nicht, wer sie sind.» Mit echtem Austausch und richtiger Kommunikation hat das wenig zu tun.

Aus Sicht von Heinzlmaier darf man ein Netzwerk im Internet nicht mit einer Gemeinschaft in einer Clique verwechseln: «In der Gemeinschaft überwindet man das Nutzenprinzip. Man unterstützt andere, ohne selbst einen Vorteil zu haben. Ein Netzwerk ist immer sehr nutzenorientiert.»

Heinzlmaier rät nun aber nicht, sich gleich von Facebook abzumelden und das Smartphone in die Schublade zu stecken. «Es geht nicht darum, sich aus den Sozialen Netzwerken zu verabschieden, sondern möglichst schnell von einer virtuellen zu einer realen Beziehung zu kommen.»

Ähnlich sieht das Anna Zacharias: «Es geht darum, sich mehr Zeit zu nehmen für Situationen, die außerhalb der medialen Welt stattfinden», sagt die Jugendberaterin. Wer wie selbstverständlich mit dem Internet aufwächst, müsse sich selbst disziplinieren und Auszeiten schaffen. «Je mehr andere Aktivitäten mit Kommunikation und Freundschaft zu tun haben, desto mehr rückt die exzessive Nutzung des Internets in den Hintergrund.» Es könne auch sinnvoll sein, bei einer Verabredung eine Vereinbarung mit der Freundin oder dem Kumpel zu treffen: «Man sagt, das Handy wird für die nächsten zwei Stunden nicht genutzt.»

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Studie der University of Michigan (eng.)