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Donnerstag, 21.09.2017

Krebs – selbst schuld?

Ärger, Enttäuschungen oder Verluste können Krankheiten wie Krebs begünstigen. Das glauben zumindest viele Menschen, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. In der Wissenschaft ist das Thema aber umstritten.

Von Stephanie Wesely

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Häufig traurig, wenig Selbstwertgefühl – bekommen diese Menschen eher Krebs? Manche glauben daran.
Häufig traurig, wenig Selbstwertgefühl – bekommen diese Menschen eher Krebs? Manche glauben daran.

© TK

Diagnose Krebs: Mehr als 26 000 Patienten traf die Erkrankung vergangenes Jahr allein in Sachsen. Das ist für jeden ein harter Schlag, und viele fragen sich: „Warum gerade ich?“

Als Ursachen werden schnell Stress und falsche Gedanken verantwortlich gemacht, sagt Birgit Hiller vom Krebsinformationsdienst, der Betroffene und Angehörige berät. „Viele meinen sogar, am Krebs selbst schuld zu sein, die falschen Gedanken oder das falsche Leben gehabt zu haben.“ Zudem bekämen sie Druck von allen Seiten, sie sollten kämpfen und positiv denken. Denn das erhöhe die Chancen gegen den Krebs. Doch ist das wirklich so? Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat im Juli und August mehr als 2 000 Menschen mit drei Aussagen zum Thema Psyche und Krebs konfrontiert, um zu erfahren, wo Betroffene und Außenstehende Zusammenhänge sehen.

1. Die „Krebspersönlichkeit“

Menschen, die zur Melancholie neigen, angepasst sind, wenig Widerstand leisten und Gefühle schwer ausdrücken können, sollen ein höheres Risiko für eine Krebskrankheit haben. In der Umfrage stimmte aber nur etwa ein Viertel dieser Aussage zu. Von den aktuell an Krebs erkrankten Patienten sowie Angehörigen und Freunden von Betroffenen sahen ebenfalls 25 Prozent einen Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und Krebsrisiko.

2. Stress als Krebsauslöser

Bei der Rolle seelischer Probleme als Auslöser für eine Krebserkrankung sieht die Sache schon ganz anders aus. 61 Prozent stimmten dieser Behauptung zu. Die Antworten von Männern und Frauen unterschieden sich dabei kaum. Selbst aktuell Erkrankte sehen im Stress einen Auslöser ihrer Krankheit. Von ihnen stimmten rund 54 Prozent der Aussage zu, bei den Angehörigen waren es 65 Prozent.

3. Die Rolle positiven Denkens

Mit 84 Prozent Zustimmung waren sich die Befragten über alle Gruppen hinweg einig, dass eine kämpferische und positive Herangehensweise an die Krankheit und deren Behandlung die Überlebenschancen erhöht. Von den aktuell von Krebs Betroffenen waren sogar mehr als 90 Prozent davon überzeugt.

Die 991 Männer und 1 032 Frauen im Alter von 14 bis über 70 Jahren, die für die Befragung ausgewählt wurden, repräsentieren einen Querschnitt der deutschen Bevölkerung.

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Dresdnerin

    Es wäre interessant, inwieweit diese Mythen unter Ärzten verbreitet sind. Diese haben nämlich zur Folge, dass unschuldig kranke Menschen in psychosomatischen Behandlungen auch noch massive Schuldgefühle vermittelt bekommen und dann erst recht depressiv werden.

  2. SP

    Hier geht es um Patienten mit gesicherter Krebsdiagnose. Ärzte respektive Schulmediziner bestreiten , vermutlich zurecht, die Existenz einer sog Krebspersönlichkeit. Nicht desto trotz berichtet eine nicht unerhebliche Zahl von (ehemaligen) Krebspatienten zB in Foren von negativem Stress oder traumatischen Ereignissen im Vorfeld ihrer Erkrankung. Diese Feststellung hat ausdrücklich nichts mit "selbst schuld" zu tun.

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