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Samstag, 18.11.2017 Kolumne: Mimik.Macht.Meinung.

Kommunikationsfehler

Die Frau auf dem Beifahrersitz sagt: „Es ist rot!“ Die Frage ist nur: Was hat das zu bedeuten?

Von Robert Körner

© dpa

Das Auto als Wahrzeichen von Geschwindigkeit, Mechanik und Risiko stellt einen integralen Bestandteil männlicher Identifikationskultur dar. Autofahren ist für Männer wie Sport. Der Wettkampf zählt. Jeder Mann ist für sich sein eigener Asphaltkönig – wenn auch einige eher im Stillen! Von diesem eisernen Thron darf den PS-Propheten so schnell keiner holen. Auch nicht das Beifahrerweibchen. Das Problem dabei: Die Kommunikation zwischen Mann und Frau kommt manchmal einem Beinahe- und wesentlich öfter einem Frontalcrash gleich.

Männer und Frauen kommunizieren oft und viel. Frühere Studien behaupteten zwar, dass die Frauen wesentlich mehr Wörter am Tag von sich geben. Neuere Ergebnisse deuten allerdings durch die Bank daraufhin, dass kaum signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen. Wichtiger erscheint mir aber, dass zwischen Männlein und Weiblein gern verschiedene Deutungsebenen der Kommunikation genutzt werden. Das kann schnell zu Missverständnissen führen. Friedemann Schulz von Thun entwickelte dazu sein berühmtes Kommunikationsquadrat:

Stellen Sie sich ein Pärchen auf der Sonntagsfahrt vor. Er sitzt hinterm Lenkrad, während sie aufmerksam den Verkehr von der Co-Pilotenposition aus beobachtet. Das Vehikel nähert sich einer Ampel. Die farbenaffine Beifahrerin erwähnt: „Schatz, es ist rot.“ Er hat jetzt gleich mehrere Möglichkeiten diese Aussage zu deuten.

Zunächst könnte der emotional Unbeteiligte die Information auf der Sachebene beurteilen. Stimmt die Aussage, oder ist sie unzutreffend? Zahlen, Daten, Fakten werden nüchtern in Betracht gezogen. Die zweite Interpretationsoption stellt die „Selbstoffenbarung“ dar, also was die Sozia mit dieser Information von sich preisgibt. Sie hat erkannt, dass die Ampel rot ist. Nicht mehr und nicht weniger.

Soweit der sachliche Part. Öfter jedoch überwiegt in der zwischenmenschlichen Kommunikation die Beziehungsebene. Gerade bei Freunden oder dem Partner hört man genauer hin und bewertet, wie der Sender meint, zum Empfänger zu stehen, und was er von ihm hält. Die Späherin suggeriert auf dieser Ebene: „Du bist unaufmerksam. Ich bekomme mehr mit.“ Als vierte Möglichkeit könnte die Beifahrerin auch unterschwellig einen Appell formuliert haben: „Jetzt halte endlich an!“ So was kann Knatsch geben. Die beiden letzten Möglichkeiten bieten nämlich genügend Zündstoff für ein komplett gebrauchtes Wochenende. Gerade wenn es sich um männliche Fahrkünste dreht – da sind wir sensibel.

Informationen sind nicht gleich Informationen, es kommt auf die Perspektive an. Zwei Museumsbesucher werden in einem Gemälde auch nie dasselbe sehen. Um keine vorschnellen Schlüsse zu ziehen, müssen Sie sich zwei Fragen stellen: Welche der vier Ebenen wollte der Sender nutzen und welcher Subtext ist letztlich bei Ihnen angekommen? Ansonsten kann schnell ein kommunikativer Spagat entstehen, der im eben genannten Frontalcrash endet. Entscheidend für die richtige Schlussfolgerung ist die Beobachtung der nonverbalen Kommunikation. Mimik, Gestik und Stimme sind Kommunikationsschiedsrichter. Sie definieren, welche der vier Ebenen letztlich bedient wurde. Seien Sie entsprechend aufmerksam. Auch mit Ihrer Kommunikation. Denn die Botschaft macht am Ende immer der Empfänger!

Robert Körner ist Kommunikationscoach aus Pirna. Er schult, mimische Signale zu entschlüsseln und Persönlichkeitstypen zu identifizieren.

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