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Mittwoch, 09.08.2017 Kolumne: Kinder, Kinder!

Keine Angst vorm Arzt

Von Prof. Veit Rößner

Eine Teddyklinik-Ärztin untersucht in der Teddyklinik mit einem kleinen Jungen dessen Kuscheltier am Ultraschallgerät. Die Teddyklinik soll Mädchen und Jungen helfen, die Angst vor Ärzten und Krankenhäusern zu verlieren.
Eine Teddyklinik-Ärztin untersucht in der Teddyklinik mit einem kleinen Jungen dessen Kuscheltier am Ultraschallgerät. Die Teddyklinik soll Mädchen und Jungen helfen, die Angst vor Ärzten und Krankenhäusern zu verlieren.

© dpa

Meine Kinder (vier und sechs Jahre alt) haben Angst vorm Kinderarzt. Da ich selbst große Angst vor Arztbesuchen habe, fürchte ich, dass ich meine Angst weitergebe. Wie kann ich meine Kinder gut auf diese Termine vorbereiten?

Eine gewisse natürliche Unruhe vor einer Untersuchung verspüren auch nicht wenige Erwachsene. Handelt es sich bei Ihnen um eine länger andauernde, in der Intensität eher ansteigende Angst mit Einschränkungen im Alltag, sollten Sie eine psychotherapeutische Unterstützung aufsuchen, bevor sich auch bei Ihren Kindern eine Angststörung manifestiert hat. Bis dahin sollten Sie versuchen, Ihre Kinder davon möglichst wenig spüren zu lassen. Denn Ihrer Ängstlichkeit signalisiert Ihrem Kind eine in seinen Augen gerechtfertigte Bedrohlichkeit des Arztbesuches. Beziehen Sie daher ruhig Ihren Partner oder auch Großeltern unterstützend ein, solange Sie noch selbst an der Überwindung Ihrer eigenen Angst arbeiten. Nehmen Sie unbedingt, wenn nötig auch in Begleitung, alle Routineuntersuchungen für sich und Ihre Kinder wahr. Schieben Sie diese auch wegen Ihrer Vorbildpflicht gegenüber Ihren Kindern nicht auf. Erklären Sie Ihrem Kind altersgerecht die Bedeutung von Vorsorgeuntersuchungen und „Reparaturen“.

Versuchen Sie innerhalb Ihrer Familie medizinische Themen generell in einem positiven Licht zu betrachten. Zu Hause sind vorbereitende Rollenspiele zum Beispiel mit Arztkoffer aus der Apotheke geeignet, um Kindern spielerisch die Angst vorm Arztbesuch zu nehmen. Auch gibt es eine Vielzahl guter Kinderbücher zum Thema Arztbesuch und Abläufe im Krankenhaus.

Verhalten Sie sich im Vorfeld anstehender Arztbesuche möglichst entspannt. Sorgen Sie für eine angenehme Atmosphäre und Kleidung und planen Sie ausreichend Zeit ein. Versprechen Sie vorab keine Belohnungen. Diese signalisieren, dass etwas Großes, Herausforderndes bevorsteht, und können Unbehagen beim Kind hervorrufen. Betonen Sie ruhig das Positive, wie die Freundlichkeit des Personals, Ihren Stolz auf Ihr besonnenes Kind oder die Harmlosigkeit des Arztbesuches. Loben Sie, wenn Ihr Kind gut mitgemacht hat. Bleiben Sie möglichst gelassen, auch wenn es nicht ganz so gut gelaufen ist. Hat Ihr Kind eine eher schmerzhafte Untersuchung oder Impfung hinter sich gebracht, erklären Sie ihm, warum der Eingriff nötig war und wie gut ein kleiner Schmerz aushaltbar ist.

Verschieben Sie notwendige Blutentnahmen oder Impfung bei beginnenden Problemen im Arzttermin jedoch niemals auf einen Folgetermin. Dies bringt zwar eine kurzfristige Entlastung für Ihr Kind und Sie, bringt Sie aber in Kürze in eine noch schwierigere Lage und verstärkt nur die Angst Ihres Kindes. Eine tolle und unterhaltsame Ergänzung sind glücklicherweise in den meisten größeren Städten mittlerweile die sogenannten „Teddykrankenhäuser“. In Dresden wird dieses in der Regel Anfang April jeden Jahres von Medizinstudenten organisiert (www.teddykrankenhaus-dresden.de). An einigen Tagen können die Kinder ihre erkrankten Stofftiere in die Teddy-Sprechstunde im Universitätsklinikum bringen. Die Teddy-Eltern erleben dabei eine Arzt-Patienten-Situation in einem echten Krankenhaus, ohne selbst betroffen zu sein. Angehende junge Ärzte untersuchen, impfen, röntgen und verbinden die Kuscheltiere auf spielerische und liebevolle Art und Weise. Vielleicht ist das auch für Sie und Ihre Kinder eine interessante Möglichkeit, ihnen nicht nur die Angst vor dem Arzt zu nehmen, sondern auch Interesse und Vertrauen in die Medizin zu wecken.

Haben Sie eine Frage an den Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Veit Rößner vom Dresdner Uniklinikum? Schreiben Sie an die Sächsische Zeitung, Nutzwerk, 01055 Dresden oder an expertentipp@redaktion-nutzwerk.de

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