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Freitag, 17.11.2017

Kaufrausch in Schwarz

In einer Woche ist „Black Friday“. Online-Shops locken dann mit hohen Rabatten – einige sogar schon früher. Der stationäre Handel zieht nach, auch in Sachsen.

Von Andreas Rentsch

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© Montage: SZ/Uwe Nitschke

Rekord-Rabatte und Milliarden-Umsätze – an nur einem Tag: Mit dem „Black Friday“ startet der Handel ins Weihnachtsgeschäft. Dieses Jahr fällt der Feiertag für Schnäppchenjäger auf den 24. November. Verbraucherschützer warnen jedoch vor übereilten Entscheidungen und dem Risiko, am „Schwarzen Freitag“ Betrügern auf den Leim zu gehen.

Woher kommt die Idee für den „Black Friday“?

Aus den Vereinigten Staaten. Es handelt sich dabei um den Freitag nach Thanksgiving. Da das amerikanische Erntedankfest immer auf den vierten Donnerstag im November fällt, machen viele Angestellte am Tag danach frei, um shoppen zu gehen. Erstmals als „Black Friday“ bezeichnet wurde die Rabatt-Aktion in den 1960er-Jahren in Philadelphia. Angeblich rührt der Name daher, dass die Menschenmassen auf den Straßen wie eine große schwarze Masse wirkten. Heute ist der Brückentag landesweit einer der umsatzstärksten im ganzen Jahr. Große Ketten wie Best Buy, Costco oder Walmart öffnen dafür bereits am Vorabend oder um Mitternacht. Dabei kommt es immer wieder zu Tumulten und Prügeleien unter Kunden.

Seit wann gibt es die Aktion in Deutschland?

Laut Fabian Spielberger vom Schnäppchen-Portal MyDealz läuft die Aktion hierzulande bereits zum zwölften Mal. Demnach hat Apple erstmals im November 2006 Sonderrabatt auf seinen MP3-Spieler iPod gegeben. Der in Dresden gegründete Elektronikhändler Cyberport ist laut Angaben seines Geschäftsführers Helmar Hipp bereits zum zehnten Mal vertreten.

In größerem Rahmen findet der „Black Friday“ in Deutschland erst seit fünf Jahren statt. Laut einer repräsentativen Umfrage von Statista im Auftrag von MyDealz wissen inzwischen 89 Prozent der Deutschen, dass es sich beim „Schwarzen Freitag“ um ein Shopping-Ereignis handelt. Zwei von drei Befragten planen für diesen Tag tatsächlich einen Einkauf. Gut 40 Prozent wollen allerdings nicht mehr als hundert Euro ausgeben. Wachsen die Umsätze insgesamt auf dem Niveau der vergangenen Jahre, könnte die Branche am „Black Friday“ und den folgenden drei Tagen um die 1,3 Milliarden Euro umsetzen.

Wie erfahre ich, wer welche Schnäppchen anbietet?

In den Anfangsjahren war der „Black Friday“ eine Domäne von Elektronikanbietern wie Cyberport. Das hat sich geändert: Heute sind auch Mode- und Drogerieketten, Baumärkte oder Lebensmittelhändler beteiligt. Webseiten wie blackfridaysale.de, black-friday.de oder mydealz.de bieten einen guten Überblick zu geplanten Rabatten oder informieren per Newsletter über Angebote. Inzwischen ist die Aktion auch nicht mehr auf einen Tag beschränkt: Saturn beispielsweise ruft vom 18. bis 26. November eine „Black Week“ aus. Amazon veranstaltet die „Cyber-Monday-Woche“, bei der Kunden ab Montag eine Woche lang Hunderte Artikel zu reduzierten Preisen ergattern können. Wer bei dem Versandriesen ein Prime-Abo abgeschlossen hat, ist im Vorteil: Dieser Kundenkreis erhält eine halbe Stunde früher Zugriff auf die ständig wechselnden Angebote.

Sind die beworbenen Rabattangaben realistisch?

Nicht immer. Stichproben von Verbraucherzentralen zeigen, dass sich die angepriesenen und tatsächlichen Rabatte oft erheblich unterscheiden. In den vergangenen Jahren wurde im Schnitt aus einem 50-prozentigen Nachlass ein Rabatt von weniger als 20 Prozent. Das sei unter anderem der Tatsache geschuldet, dass gern die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) des Herstellers als Ausgangsbasis herangezogen wird, sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Derlei „Streichpreisen“ sollte man daher besser keine Beachtung schenken, rät Nicole Berg vom Portal guenstiger.de. Besser ist es, sich auf Vergleichsseiten die Preishistorie für ein bestimmtes Produkt in den vergangenen sechs oder zwölf Monaten anzuschauen. Diese Daten helfen, das Sparpotenzial realistisch einzuschätzen.

Manche Anbieter versuchen allerdings, diese Recherchezeit künstlich zu verknappen. Von virtuellen Countdowns und ähnlichen „Foltermethoden“ solle man sich jedoch nicht unter Druck setzen lassen, empfiehlt Georg Tryba. Gelegenheiten, einen Schnapp zu machen, gebe es immer.

Woran erkenne ich unseriöse Angebote?

Dubiose Händler machen sich viel Mühe, um Schnäppchenjäger am „Black Friday“ abzuzocken. Ein beliebtes Werkzeug sind Fake-Shops, also seriös wirkende Verkaufsplattformen, über die man zu vermeintlich unschlagbar günstigen Preisen einkaufen kann. Deren Betreiber bieten allerdings nur Vorkasse als Bezahloption an – und liefern später keine Ware. Vor einem solchen Fake-Shop warnte vor wenigen Tagen das Portal Futurezone: Demnach kursieren derzeit E-Mails mit Hinweisen auf einen „Black-Friday-Deal“ aus Ungarn, der E-Roller betrifft. Interessenten sollten sich aber besser nicht von der in Aussicht gestellten Ersparnis von mehr als tausend Euro locken lassen, rät Futurezone.

Wer beurteilen möchte, ob ein Online-Shop seriös ist oder nicht, sollte unbedingt die möglichen Bezahloptionen prüfen, sagt Georg Tryba. „Entscheidend ist: Kann ich per Rechnung, Lastschrift oder gegebenenfalls mit PayPal bezahlen?“ Ebenfalls wichtig: die verschlüsselte Datenübertragung beim Bestellvorgang. Die ist bei vielen Browsern am Kürzel „https“ und einem grünen Haken oder Bügelschloss-Piktogramm in der Adresszeile zu erkennen.

Beteiligt sich der stationäre Handel am „Black Friday“?

Teilweise, mit steigender Tendenz. So veranstaltet beispielsweise die Dresdner Altmarktgalerie nächsten Freitag einen „Black Price Day“, an dem 90 Läden mit unterschiedlich hohen Rabatten locken. Auch in anderen Einkaufszentren, etwa der Centrum-Galerie, dem Elbepark oder der Galerie Roter Turm in Chemnitz, nehmen ausgewählte Geschäfte an der Aktion teil. Hinter vorgehaltener Hand klagt aber manch ein Branchenvertreter über die immer kürzeren Pausen zwischen den Rabatt-Aktionen. „Die Kunden akzeptieren den Normalpreis gar nicht mehr“, sagt ein Center-Manager, der nicht namentlich genannt werden möchte. Tatsächlich dürften manche Geschäfte und Center in der Adventszeit ab Anfang Dezember schon wieder mit Sonder-Nachlässen werben.

Beeinflusst der „Black Friday“ das Weihnachtsgeschäft?

Im stationären Handel spielen spezielle Verkaufstage wie der „Black Friday“ nur eine untergeordnete Rolle. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Deloitte planen nur knapp über zwei Prozent der Befragten, an einem dieser Tage Geschenke zu kaufen. Jeder Vierte will sich dagegen Anfang Dezember auf den Weg machen.

Im Onlinehandel dagegen gehen die Verkaufserfolge am „Black Friday“ und „Cyber Monday“ zunehmend auf Kosten des Weihnachtsgeschäfts. Wie aus einer Umfrage des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) bei Internet-Marktplatzbetreibern hervorgeht, befürchten viele Anbieter, durch die Rabattrausch-Tage Ende November keine zusätzlichen Umsätze zu erzielen. Um nachhaltig vom „Black Friday“ zu profitieren, brauche es mehr als kurzfristige Preisnachlässe, resümieren die IFH-Forscher. Händler sollten vor allem in guten Service und andere Kundenbindungsmaßnahmen investieren.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. Fritz

    Die Menschheit ist krank. Ich wünsche allen ein ganz ruhiges , Stress freies , Stau freies und nachdenkliches Weihnachten.

  2. Al

    #1: das ist sie, das war sie, und das wird sie immer sein. Amen

  3. Marc Brossmann

    "Dabei kommt es immer wieder zu Tumulten und Prügeleien unter Kunden." Herrliche Aussichten und wieder eine Gelegenheit für den depperten Einfaltspinsel seine Beschränkungen jedermann öffentlich kundzutun.

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