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Freitag, 11.08.2017 Sprechstunde

Impotent durch Medizin

Von Dr. Johannes Wimmer

Schön, wenn‘s klappt.
Schön, wenn‘s klappt.

© dpa-tmn

„Ich bin Mitte 50 und habe die große Liebe gefunden. Bis vor Kurzem schliefen mein Partner und ich noch sehr häufig miteinander. Als er dann aber ein blutdrucksenkendes Medikament einnehmen musste, wurde der Sex weniger – ebenso andere Zärtlichkeiten. Es funktioniert einfach nicht mehr.“

Der Liebesakt hat viele positive Eigenschaften. Er steigert nicht nur unser Wohlbefinden, sondern beugt ganz nebenbei auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor, sorgt für einen erholten Schlaf und stärkt unser Immunsystem. Fehlende Intimität kann eine Beziehung belasten – vor allem dann, wenn die Lust nach Zärtlichkeiten ungleich verteilt ist. Vor genau dieser Herausforderung stehen Sie nun.

Blutdrucksenker können zu einer erektilen Dysfunktion führen. Im Volksmund wird auch von Erektionsstörung, Potenzstörung oder Impotenz gesprochen. Gemeint ist eine Sexualstörung, bei der es beim Mann in der Mehrheit der versuchten Fälle nicht zu einer Erektion des Penis kommt.

Um nun zu verstehen, wie Blutdrucksenker und Erektionsstörungen zusammenhängen können, ist an dieser Stelle ein kleiner Exkurs in Sachen Blutdruck notwendig: Unser Herz pumpt ständig Blut durch unseren Körper – dadurch werden alle unsere Organe versorgt. Beim Pumpen wird Druck ausgeübt, das macht sich in unserem Pulsschlag bemerkbar. Wenn sich Blutgefäße verengen, hat die gleiche Menge Blut weniger Platz und es entsteht ein größerer Druck in den Blutgefäßen. Das bezeichnen Ärzte dann als Bluthochdruck. Während einer Erektion wird der Penis besonders gut durchblutet – anders ist die Erektion nicht möglich. Wenn nun blutdrucksenkende Mittel verschrieben werden, reicht der Blutdruck im männlichen Glied häufig nicht aus für eine Erektion.

Blutdrucksenkende Medikamente werden entsprechend ihres Wirkmechanismus in verschiedene Arzneimittelgruppen eingeteilt, die unterschiedliche Auswirkungen auf das Sexualleben haben können. Aktuelle Studien zeigen, dass besonders sogenannte Diuretika, also entwässernde Mittel, und Beta-Blocker die Sexualfunktion beeinträchtigen. Anders ist es mit neueren Medikamenten, beispielsweise aus der Arzneimittelgruppe der Sartane. Patienten, die diese Blutdrucksenker einnehmen, erfreuen sich häufig eines regen Sexuallebens.

Mein Tipp ist daher: Lassen Sie sich ausführlich von ihrem Hausarzt oder sogar von einem Facharzt beraten. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, etwas gegen Bluthochdruck zu unternehmen. Und vieles können Sie durch ausreichende Bewegung und eine gesunde Ernährung auch selbst bewerkstelligen. Mit der richtigen Behandlung muss die schönste Nebensache der Welt trotz Bluthochdruck nicht zu kurz kommen.

Dr. med. Johannes Wimmer ist Assistenzarzt aus Hamburg und bundesweit bekannt durch seine Sendung im NDR und Erklärvideos auf Facebook. Haben auch Sie eine Frage an ihn? Schreiben Sie an die SZ, Nutzwerk, 01055 Dresden oder Mail an expertentipp@redaktion-nutzwerk.de

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