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Freitag, 29.09.2017

Gute Milch gibt’s ab 68 Cent pro Liter

Die Stiftung Warentest hat 18 Vollmilchprodukte untersucht – und fast alle mit „Gut“ bewertet. Bei der Werbung wird manchmal zu viel versprochen.

Von Julia Kirchnerund Teresa Nauber

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Gesund – und meistens gut.
Gesund – und meistens gut.

© dpa

Ein Liter gute Milch ist für Verbraucher schon ab 68 Cent zu haben. Wer auf Bio-Qualität Wert legt, zahlt etwas mehr als einen Euro pro Liter. Fast jede länger haltbare frische Vollmilch ist hygienisch aber unbedenklich. Das zeigt eine aktuelle Stichprobe der Stiftung Warentest: 14 von 18 Produkten mit einem Fettgehalt von mindestens 3,5 Prozent wurden mit einem „Gut“ bewertet, eines war „befriedigend“, drei nur „ausreichend“. Die gute Nachricht für Verbraucher: In keinem der Produkte fanden die Tester Keime, Schadstoffe oder Rückstände von Antibiotika.

Die beste Bio-Milch kommt von Aldi Süd und kostet 1,09 Euro. Auch die konventionelle Variante, die die es sowohl bei Aldi Süd und Aldi Nord gibt, schaffte die Gesamtnote „Gut“. Sie kostet nur 68 Cent. Ebenfalls auf den vorderen Plätzen: die Biomilch von Arla (1,39 Euro), die Frischmilch von Rewe (0,89 Cent) sowie die Biomilch von der Gläsernen Molkerei (1,19 Euro) und Dennree (1,09 Euro). Bioprodukte von Arla, der Gläsernen Molkerei, Dennree und Berchtesgadener Land überzeugen in doppelter Hinsicht: Sie schneiden auch beim Engagement für Umwelt- und Tierschutz sowie fairen Erzeugerpreisen gut ab, die die Stiftung Warentest in einem zusätzlichen Test bewertete.

Dass Bio nicht zwangsläufig gut sein muss, zeigen zwei Produkte im hinteren Testfeld: Die „Milbona Bio Organic Frische Voll-Milch“ und die „Andechser Natur Bio Bioland Vollmilch“ bekamen jeweils nur ein „Ausreichend“. Einmal bemängelten die Tester einen leichten Kochgeschmack, ein anderes Mal enthält die geprüfte Milch sehr viel Jod: 52 Mikrogramm je hundert Milliliter. Erwachsenen rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, maximal 500 Mikrogramm täglich aufzunehmen. Das Zuviel an Jod können Verbraucher nicht erkennen. Eine hohe, dauerhafte Zufuhr kann bei Menschen, die vorbelastet sind, zu Schilddrüsenproblemen führen.

Ebenfalls kritisch sehen die Warentester die Werbeversprechen mancher Produkte. So wirbt ein Anbieter mit „ausschließlicher Verwendung von traditionellen Futterpflanzen“. Das erweckt den Eindruck, die Kühe würden nichts anderes fressen. Tatsächlich bekommen die Tiere aber auch viel Kraftfutter. Auf einem anderen Etikett steht eine Kuh auf einer Wiese – auch das entspricht nicht der Realität. Die Höfe, die Milch für das Produkt liefern, halten die Tiere das ganze Jahr im Stall.

Für Kinder sind Milch und Milchprodukte immer ein entscheidendes Grundnahrungsmittel. Ab dem zweiten Lebensjahr sei eine Menge von ein bis zwei Tassen pro Tag in Ordnung, sagt Koletzko. Danach dürfe es auch etwas mehr oder weniger sein, sagt Prof. Berthold Koletzko, Kinder- und Jugendmediziner am Münchner Universitätsklinikum.

Milch enthält wertvolles Eiweiß und vor allem Kalzium, das der Körper gut verarbeiten kann. Er braucht es, damit die Knochen stabil bleiben. Besonders für Menschen, die auf Fleisch und Fisch verzichten, ist Milch ein wichtiger Nährstofflieferant. Übermäßiges Milchtrinken – pro Tag einen halben Liter oder mehr – sei aber eher nachteilig, sagt Koletzko. „Man nimmt dann häufig zu viele Kalorien zu sich.“ Außerdem enthält Milch viele gesättigte Fettsäuren, von denen die Deutschen im Schnitt ohnehin zu viel zu sich nehmen. Dazu kommt, dass nicht jeder Mensch große Mengen des in der Milch enthaltenen Milchzuckers Laktose verträgt. Laktose-
intolerante sollten Maß halten, um ihren Darm nicht zu sehr zu belasten.

Laut Stiftung Warentest konsumiert jeder Bundesbürger im Schnitt fünfzig Liter Kuhmilch im Jahr. (dpa)

Stiftung Warentest hat ausschließlich ESL-Milch geprüft. ESL steht für Extended Shelf Life – frei übersetzt heißt das „länger haltbar“. Alle Ergebnisse: „Test“-Heft 10/2017.

Eine kleine Milchkunde

  • Rohmilch: unbehandelt, Fettgehalt zwischen 3,8 und 4,2 Prozent. Muss binnen 24 Stunden nach dem Melken verkauft und vor dem Trinken abgekocht werden. Beim Bauern erhältlich.
  • Vorzugsmilch: für den Handel abgepackte Rohmilch. Muss abgekocht und binnen 96 Stunden getrunken werden.
  • Traditionell hergestellte Frischmilch: pasteurisierte und homogenisierte Milch. Hält gekühlt sieben bis 10 Tage.
  • Länger haltbare Frischmilch (oder ESL-Milch): hält gekühlt drei Wochen.
  • H-Milch: wird wenige Sekunden bis auf 150 Grad erhitzt. 20 Prozent der Vitamine können verloren gehen. Bis zu fünf Monate haltbar.
  • Bio-Milch: muss hohen Anforderungen, etwa zur Viehhaltung, genügen.
  • Weidemilch: Begriff wird verwendet, wenn Kühe an mindestens 120 Tagen im Jahr für mindestens sechs Stunden pro Tag auf der Weide sind.
  • Heumilch: Kühe fressen hauptsächlich frisches Grünlandfutter, Getreide, Heu. Silage ist tabu.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Grüne Wiese

    Großes Fragezeichen - Wie ist es möglich im Endverbrauch nur 0,68€ pro Liter Milch zu zahlen? Was bekommen dann die Bauern, die Produktionsarbeiter, die Spedition, die Verkäuferin und all die Anderen, die an der Produktion beteiligt sind? Die Rechnung geht nicht auf - es geht eindeutig zu Lasten der Tiere - Massentierhaltung, Züchtungen von Kühen mit unnatürlich großen Eutern, Billig(Gen)futter, Kälber als Abfallproduckt, um nur einiges zu nennen. Eine tiefgründige Recherche zu dem Thema Milch wäre sinnvoll gewesen, denn die Annahme, dass Milch gut für die Knochen ist, ist längst wissenschaftlich widerlegt. Und traditionell hergestellte Milch ist nicht homogenisiert, sondern nur pasteurisiert!

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