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Donnerstag, 19.10.2017

Gefährliche Albträume

Ein tiefer Sturz oder das Gefühl, gelähmt zu sein: Fünf Prozent der Bevölkerung werden regelmäßig von Albträumen geplagt. Was kann man dagegen tun? Unser SZ-Experte gibt Rat.

Von Dr. Johannes Wimmer

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© dpa

Dr. med. Johannes Wimmer ist Assistenzarzt aus Hamburg und bundesweit bekannt durch seine Sendung im NDR und Erklärvideos auf Facebook.
Dr. med. Johannes Wimmer ist Assistenzarzt aus Hamburg und bundesweit bekannt durch seine Sendung im NDR und Erklärvideos auf Facebook.

Seit einigen Wochen habe ich immer wieder Albträume, oft auch den gleichen. Wenn ich dann aufwache, rast mein Herz, und manchmal weine ich auch. Natürlich weiß ich, dass die Situation nicht real ist – angenehm ist es trotzdem nicht. Was kann ich tun, damit diese Albträume aufhören und ich endlich wieder ruhig schlafen kann?

Mitten in der Nacht mit klopfendem Herzen aufwachen, schweißgebadet – das erleben ungefähr fünf Prozent der Bevölkerung regelmäßig. Insgesamt hat aber vermutlich jeder in seinem Leben schon einmal diese Erfahrung gemacht. Die Rede ist von Albträumen.

Wir Ärzte sprechen dann von einem Albtraum, wenn die Patienten durch die im Traum ausgelösten stark negativen Gefühlen häufig aufwachen und sich danach sehr detailliert an das Geträumte erinnern können. Albträume treten meist in der Tiefschlafphase auf. Ein Sturz in die Tiefe, eine Flucht und das Gelähmtsein in einer gefährlichen Situation sind die drei häufigsten Situationen, die in Albträumen vorkommen.

Albträume können sich auch auf den Alltag der Patienten auswirken. Wahrscheinlich kennt jeder das Gefühl, am nächsten Morgen nach einem Albtraum wie gerädert zu sein. Das ist noch ein harmloses Symptom. Wenn die Albträume aber häufig vorkommen und über einen längeren Zeitraum andauern, können sie weitreichendere Auswirkungen haben. So kommt es vor, dass Betroffene ständig an die schrecklichen Situationen in ihren Albträumen zurückdenken und im schlimmsten Fall sogar Angst vor dem Schlafengehen oder Depressionen entwickeln. Von chronischen Albträumen sprechen wir Ärzte, wenn Sie über einen Zeitraum von ungefähr drei Monaten mindestens einmal pro Woche wegen immer gleich aussehender Horrorsituationen aus dem Schlaf schrecken.

Wenn Sie diese Situation auch bei sich feststellen, sollten Sie zunächst nach der Ursache forschen. Denn chronische Albträume werden häufig durch Traumata, die auch schon lange Jahre zurückliegen können, andere psychische Erkrankungen oder akuten Stress ausgelöst.

Betroffene sollten sich in keinem Fall scheuen, mit ihrem Problem zu einem Arzt zu gehen. Albträume sind als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt und können gut therapiert werden. Und den Anfang können Albtraum-Patienten sehr leicht selbst machen: Eine gute Schlafhygiene, also Verhaltensweisen, die einen gesunden Schlaf fördern, ist das A und O in der Bekämpfung von Albträumen. Man sollte vor dem Schlafengehen zur Ruhe kommen und entspannt einschlafen. So schafft man eine gute Ausgangssituation.

Wer Klarträume, auch Lucide Träume genannt, erlebt, kann die Situationen in seinen Albträumen lenken und beeinflussen. Diese Fähigkeit haben aber nur sehr wenige Menschen. Man kann sie zwar erlernen, das ist aber mit sehr viel Aufwand verbunden. Eine einfachere Methode ist die sogenannte Imagery Rehearsal Therapy (IRT). Sie gilt als besonders effektiv in der Behandlung von Albträumen und wird seit vielen Jahren angewandt. Dabei wird der Albtraum am nächsten Tag detailliert aufgeschrieben. Der angsteinflößende Teil wird dann so umgeschrieben, dass er weniger negative Gefühle hervorruft.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Pendlerin

    Klarträume sind was feines. Fliegen, auf nem Drachen reiten, oder eine geliebte verstorbene Person wiedertreffen, hab ich alles schon erleben können. Mir kommt es auch so vor, dass ich durch die Übungen zum luciden Träumen aus richtigen Albträumen leichter aufwachen kann.

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