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Donnerstag, 10.08.2017

Für wen lohnt sich die Diesel-Umtauschprämie?

Autoexperten über Rabatthöhen, Fristen und „Zukunftsprämien“ – und die Auswirkungen für Gebrauchte.

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Autohersteller locken Kunden, wenn sie ihren alten Diesel gegen einen neuen eintauschen.
Autohersteller locken Kunden, wenn sie ihren alten Diesel gegen einen neuen eintauschen.

© dpa

Nach dem Dieselgipfel bieten viele Autohersteller jetzt Prämien an, wenn ein Dieselauto mit der Abgasnorm Euro 4 oder schlechter gegen einen neuen Diesel eingetauscht wird. Betroffen sind bundesweit rund 6,4 Millionen Altdiesel. Interessenten sollten jedoch die Preise vor einem Kauf sehr gut vergleichen und nicht übereilt handeln, raten Branchenexperten.

Für wen lohnt sich der Umstieg auf einen neuen Diesel?

Die Prämie dürfte am lohnendsten für Fahrer einen alten Euro-1-, Euro-2- oder Euro-3-Diesels sein, die sowieso gerade den Kauf eines neuen Wagens erwägen. Dank der neuen Prämien lasse sich nun „vielleicht ein besseres Angebot bekommen als ohne diese Rabatte“, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Uni Duisburg-Essen. Zugleich rät der Experte, auf zusätzlichen Nachlass bei den Händlern zu pochen, der über die Kaufprämie hinausgeht. Denn die Prämie zahle der Hersteller ja neben dem, was der Händler als Einkaufspreis bekommt. „Natürlich ist da noch Spielraum“, sagt Dudenhöffer. Laut Erhebungen seines Instituts gab es im Vormonat durchschnittlich 20 Prozent Rabatt auf den Neuwagen-Listenpreis.

Meine Wunschmarke bietet bisher keine Prämie. Kommt da noch was?

Bisher bieten Volkswagen und seine Tochtermarken Audi, Skoda, Seat und Porsche, außerdem BMW, Daimler, Ford, Toyota und Renault Umtauschprämien an. Deren Höhe variiert je nach Hersteller zwischen unter 2 000 und 10 000 Euro. Bei vielen Konzernen gilt: Umso größer das Auto, desto höher der Rabatt. Es gibt aber auch noch einige Mitbewerber, die keinen Nachlass gewähren. Dazu zählen unter anderem Opel, Fiat, Chrysler, Citroën und Peugeot. In einem Interview mit dem Radiosender Antenne Bayern hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt die Importeure allerdings aufgefordert, „mit vergleichbaren Maßnahmen ihren Beitrag zur Reduzierung von Stickoxiden zu leisten“.

Wie lange laufen die Rabattaktionen der Hersteller?

Eine überschaubare Zeit. Am schnellsten will es wohl Renault hinter sich bringen: Dort muss man seinen Altdiesel bis Ende Oktober eingetauscht haben. Toyota plant vorerst den 15. November als Stichtag, Volkswagen, Skoda, Seat, Porsche und BMW wollen die Prämie bis Jahresende zahlen. Ford erklärt, das Programm sei „bis auf Widerruf gültig“. ADAC-Sprecher Christian Buric rät trotz dieser Fristen von überstürzten Kaufentscheidungen ab: Vor- und Nachteile eines Fahrzeugwechsels sollten genau geprüft werden.

Bin ich mit dem Kauf eines neuen Euro-6-Diesels auf der sicheren Seite?

Nicht unbedingt. Der Kauf eines neuen Selbstzünders sei derzeit kein Garant dafür, von drohenden Fahrverboten nicht betroffen zu sein, sagt Dudenhöffer. Bis zu 90 Prozent der Euro-6-Modelle seien Mogelpackungen, die „in der Realität nicht die Grenzwerte erfüllen“. Man müsse davon ausgehen, dass die Deutsche Umwelthilfe auch zu solchen Modellen Gerichtsverfahren anstoßen werde. „Und dann müssen die Gerichte entscheiden, ob selbst diese Euro-6-Autos noch in die Städte dürfen.“

Wer einen Diesel kaufen will, sollte darauf achten, dass dieser auch im realen Betrieb niedrige Stickoxid-Emissionen aufweist, betont ADAC-Experte Stefan Gerwens. „Das ist bei Einhaltung der ab September für neue Modelle vorgeschriebenen neuen Euro-6d-TEMP-Norm oder der ab dem Jahr 2020 gültigen Euro-6d-Norm der Fall.“ Eine gute Orientierung bieten laut ADAC die Ergebnisse des hauseigenen Eco-Tests, bei dem strenger gemessen wird als es die Hersteller und die Behörden tun. „Empfehlenswert sind aus unserer Sicht nur Autos, die im Test vier oder fünf Sterne erreichen“, sagt Christian Buric.

Was ist mit Anreizen zum Umstieg auf alternative Antriebe?

Die gibt es, fraglich ist nur, ob sie groß genug sind. So zahlen Audi, VW, Skoda und Seat zusätzlich zum Wechselbonus eine sogenannte Zukunftsprämie, wenn sich ihr Kunde ein Erdgas-, Erdgas-, Hybrid- oder Elektroauto anschafft. Für Erdgas-Fahrzeuge (CNG) sind das 1 000 Euro, für Hybridmodelle 1 785 Euro und für Elektroautos 2 380 Euro. Auch Skoda und Audi fördern die Anschaffung von Erdgas-Autos mit jeweils 1 000 Euro zusätzlich, Konzernschwester Seat mit 2 000 Euro.

Wie wird sich die Wechselprämie auf den Gebrauchtmarkt auswirken?

Hinter den Preisnachlässen verbirgt sich eine Abwrackprämie auf Konzernkosten: Entscheidet sich ein Kunde für den Rabatt, lassen die Hersteller dessen alten Wagen in den meisten Fällen verschrotten. Ob damit tatsächlich der Verkaufswert gebrauchter Diesel stabil gehalten wird, wie es ein führender VW-Vertriebsmanager am Dienstag angekündigt hat, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Wie geht es mit Euro-5- und älteren Euro-6-Modellen weiter?

Beim Dieselgipfel vor einigen Tagen hatten Volkswagen, Daimler, BMW und Opel „umfassende und zügige“ Updates an der Steuersoftware von etwa 5,3 Millionen Autos mit diesen Schadstoffnormen zugesagt. Der Effekt ist allerdings umstritten. Angesichts der angekündigten Umtauschprämie haben unter anderem die Grünen ihre Kritik erneuert. Ihre Forderung: Volkswagen solle lieber in eine kostenlose Hardware-Umrüstung von Euro-5- und Euro-6-Dieseln investieren. (dpa/rnw/are)

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 8 Kommentare

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  1. Fritz

    VW gewährt die Umweltprämie, sofern ein Neuwagen mit der Schadstoffklasse 6 gekauft wird. Egal, ob Benziner oder Diesel. Sehr geehrte SZ, Ihre Aufgabe ist es die Leserschaft aufzuklären und nicht weiter zu verunsichern!

  2. ausDD

    In der Praxis gibt es diese "Prämien" schon länger, sie werden als Tageszulassung bezeichnet. Die meisten Fahrzeuge im Privatverkauf werden über diese verkauft, den eigentlichen Herstellerpreis zahlt eh fast niemand mehr.

  3. Franz

    Na dann viel Spaß mit dem neuen Diesel der Euro-6-Modelle. Da das, wie auch im Artikel vermerkt ist, Mogelpackungen sind, mein Beileid all denen, die mit ihrem neuen hübschen Diesel dann nicht in die Städte dürfen (wegen Fahrverbote für Diesel).

  4. schulmeister

    Wem es nutzt? Nur der Industrie. Welch eine Verschwendung von Ressourcen! Und alles nur wegen einer Hysterie. Denn wissenschaftlich ist das ganze Drama schon lange nicht mehr zu diskutieren. Oder soll man sagen: Wegen Grünenpoulismus?

  5. Ad Blue

    Prämie dürfte am lohnendsten für Fahrer einen alten Euro-1-, Euro-2- oder Euro-3-Diesels sein, die sowieso gerade den Kauf eines neuen Wagens erwägen. Genau einen Neuwagen! Und dann noch einen Diesel am besten... nach all diesen Nachrichten um den doch so bösen Diesel. Den Reibach selbst danach machen die gleichen selbst.

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