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Mittwoch, 14.02.2018

Erhöht die Pille das Brustkrebsrisiko?

Eine Studie aus Dänemark hat neue Präparate untersucht. Doch die Ergebnisse werten Fachärzte unterschiedlich.

Von Stephanie Wesely

Das kräftige Zusammenquetschen der Brust gehört leider zur Krebsfrüherkennung per Mammografie dazu.
Das kräftige Zusammenquetschen der Brust gehört leider zur Krebsfrüherkennung per Mammografie dazu.

© Peter Endig/dpa

Viele Frauen, die Hormone nehmen, haben Angst vor Brustkrebs. Um zu ermitteln, wie hoch das Risiko durch die Pille wirklich ist, haben dänische Wissenschaftler die Krankheitsdaten von 1,8 Millionen Frauen unter 50 Jahren überprüft, wie die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (Hormonforschung) und der Bundesverband der Frauenärzte informieren. „Erstmalig wurden auch neuere Präparate untersucht, die seit 1995 auf dem Markt sind“, sagt Prof. Helmut Schatz, Sprecher des Endokrinologenverbandes. Von den beteiligten Frauen nahm ein Drittel die Pille, alle anderen gaben an, niemals hormonell verhütet zu haben.

Das Ergebnis: Pro Jahr bekamen 55 von 100 000 Frauen ohne Pilleneinnahme Brustkrebs. In der Gruppe mit Pille waren es 58 von 100 000, also drei mehr. Das Risiko erhöhte sich mit dem Alter. Den Hormonspezialisten zufolge bekamen in der Gruppe der Frauen ab 40 mit einer Pilleneinnahme von mehr als fünf Jahren 68 von 100 000 Brustkrebs, also 13 mehr als ohne hormonelle Verhütung.

Verglichen mit anderen Krebsrisiken, zum Beispiel dem Übergewicht, sei die Pille aber fast zu vernachlässigen, sagt Dr. Christian Albring, Präsident des Frauenärzteverbandes. Frauen mit Übergewicht haben Studien zufolge ein 30 Prozent höheres Krebsrisiko als Normalgewichtige. Fehlende körperliche Bewegung verstärke diesen Effekt noch, auch Alkohol und Nikotin. „Bis heute ist nicht klar, welche Faktoren für die Zunahme der Brustkrebs-Erkrankungen wirklich wesentlich sind“, so Albring. Es sei allerdings davon auszugehen, dass vorhandene hormonabhängige Zellen in der Brust unter bestimmten Bedingungen durch eingenommene Hormone stimuliert werden können. Für Albring ist die dänische Untersuchung allerdings kein Beweis dafür, dass hormonelle Verhütung das Brustkrebsrisiko erhöht, denn es seien nur statistische Zusammenhänge erfasst worden. Für einen ursächlichen Nachweis müssten placebokontrollierte und doppelblinde Studien erfolgen. Bei solchen Studien erhält eine Gruppe ein Scheinmedikament, die andere die Pille. Weder Arzt noch Studienteilnehmerin wissen, wer ein Placebo und wer die Pille nimmt.

Als neue Erkenntnis bezeichneten es die Hormonspezialisten, dass das Brustkrebsrisiko selbst fünf Jahre nach Absetzen der Pille noch erhöht war. Ein Vergleich zwischen Pille und in die Gebärmutter eingebrachten Verhütungsmitteln wie der Spirale zeigte keinen Unterschied im Krebsrisiko. Für die beiden Fachverbände ist damit klar, dass das Risiko somit nicht von der Darreichungsform der Hormone abhängt. Frauenärzte betonen bisweilen, dass bei Spiralen die Gefahr geringer sei.

Von den Pillen und Hormonspiralen, die derzeit auf dem Markt sind, gehen aber nicht die gleichen Risiken aus. Laut Frauenärzteverband besteht bei Verhütungsmitteln, die nur ein Hormon enthalten – zum Beispiel Gestagen – eine halb so große Gefährdung wie bei Präparaten mit einer Kombination aus Östrogen und Gestagen.

Die Frauenärzte wollen aber auch die positiven Wirkungen der hormonellen Verhütung hervorheben: Neben einer Normalisierung des Zyklus hätten Studien gezeigt, dass unter Pilleneinnahme das Risiko für Dickdarm- und Gebärmutterkrebs deutlich, bei Eierstockkrebs um fast die Hälfte abnimmt. Dieser Effekt halte auch Jahre nach Absetzen der hormonellen Verhütung noch an. Gerade Eierstockkrebs sei sehr bösartig und habe eine schlechte Prognose. Brustkrebs hingegen könne heute oft brusterhaltend operiert werden, und die Frauen hätten eine gute Lebensqualität. „Man tauscht also ein leicht erhöhtes Risiko eines gut behandelbaren Krebses gegen ein viel geringeres Risiko für einen hoch bösartigen ein“, betont Albring.

Das Fazit der Fachverbände: In die Überlegungen, ob eine hormonelle Verhütungsmethode für eine Frau geeignet ist, muss das Brustkrebsrisiko nur dann mit einbezogen werden, wenn in der Familie der Frau gehäuft ein hormonabhängiger Brustkrebs schon vor der Menopause aufgetreten ist. Ansonsten erhöhen Rauchen und Übergewicht das Brustkrebsrisiko deutlich mehr, als es die hormonelle Verhütung tut.

Doch es gibt auch Schwangerschaftsverhütungsmittel, von denen kein Krebsrisiko ausgeht. Dazu gehören neben Kondomen auch Spiralen, die durch Freisetzung von Kupferionen die Spermien an ihrer Beweglichkeit hindern. Diese Spiralen können jedoch die Monatsblutung verstärken und kommen nicht für jede Frau in Betracht. Eine gute Bewertung erhält auch die natürliche Verhütung mit Temperaturmessung und Selbstbeobachtung, die aber sehr sorgfältig praktiziert werden müsse.

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