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Montag, 13.11.2017

Durch die Bank weg teuer

Seit Kurzem kann jeder ein Konto eröffnen – auch ohne Gehalt. Doch ein Test zeigt: Die Gebühren dafür sind oft zu hoch.

Von Tobias Hoeflich

Laut „Finanztest“ sind für ein normales Girokonto 60 Euro Jahresgebühr akzeptabel.
Laut „Finanztest“ sind für ein normales Girokonto 60 Euro Jahresgebühr akzeptabel.

© Angelika Warmuth/dpa

Was lange nur auf Freiwilligkeit der Banken beruhte, ist seit Juni 2016 gesetzlich garantiert: ein Konto für jedermann. Auch für jene, die über kein Gehalt oder geregeltes Einkommen verfügen, etwa Asylbewerber oder Obdachlose. Für diese Menschen soll das Gesetz die Teilnahme am bargeldlosen Zahlungsverkehr sichern: Überweisungen, Daueraufträge, Kartenzahlungen. Nun legt eine Untersuchung der Verbraucher-Zeitschrift Finanztest aus der am heutigen Dienstag erscheinenden Dezember-Ausgabe nahe, dass etliche Banken dieser gesetzlichen Pflicht nur widerwillig nachkommen. Viele der 108 getesteten Geldinstitute verlangen teils enorme Gebühren. Fast durchweg sind sie höher als bei herkömmlichen Girokonten.

Die Rechtslage: Basiskonto unterliegt Mindeststandards

Anspruch auf ein Basiskonto hat jeder über 18 Jahren, der sich rechtmäßig in der EU aufhält – auch Asylbewerber, Geduldete, Austauschstudenten und Menschen ohne festen Wohnsitz. Das Konto ablehnen können Banken nur unter besonderen Umständen, wenn der Betroffene etwa in der Vergangenheit eine Straftat gegen eine Bank begangen hat.

In dem Zahlungskontengesetz ist genau geregelt, was ein Basiskonto leisten muss und was nicht. So bekommt der Inhaber zum Beispiel eine Girocard, kann das Konto aber nur auf Basis seines Guthabens führen. „Er kann es also nicht überziehen“, erklärt Finanztest-Projektleiterin Stephanie Pallasch. Auch gibt es keinen Anspruch auf eine Kreditkarte. Bei der Frage, was ein solches Basiskonto kosten darf, blieb der Gesetzgeber aber ungenau: „Schwammig heißt es, dass der Preis angemessen sein müsse, sich an den marktüblichen Entgelten und dem Nutzerverhalten orientieren sollte“, so Pallasch.

Der Test: 108 Banken angefragt – nicht jede antwortet

Für die Untersuchung hat Finanztest einen Modellkunden ohne regelmäßigen Geldeingang erdacht, der im Jahr mehrere Überweisungen tätigt, regelmäßig Bargeld abhebt und Kontoauszüge drucken lässt. Von 108 bundesweit angefragten Banken haben sieben nicht geantwortet. „Ihr Interesse an Kunden mit regelmäßigem Gehaltseingang ist wohl größer“, mutmaßt Pallasch über das Mauern der Geldinstitute. Ein sächsisches war nicht darunter.

Das Ergebnis: Hohe Gebühren sollen wohl abschrecken

Bei den verlangten Gebühren unterscheiden sich die Geldinstitute enorm. Die Spanne reicht von 0 bis über 300 Euro im Jahr. Klar ist jedoch: „Die meisten Basiskonten sind teurer als die üblichen Gehalts- und Rentenkonten“, lautet Pallasch‘ Fazit. Dafür seien 60 Euro Gebühren im Jahr akzeptabel. Gerade einmal neun getestete Banken unterschritten diese Grenze.

Dass viele Institute solche hohen Gebühren verlangen, legt eine Vermutung nahe: „Sie versuchen, Kunden durch hohe Preise abzuschrecken.“ Banken begründen das freilich anders, etwa mit hohem Aufwand, der bei Basiskonten entstehe. So dauere es zum Beispiel länger, die persönlichen Daten der Betroffenen zu prüfen. „Ob das rechtfertigt, gerade von Menschen ohne regelmäßiges Einkommen höhere Preise zu nehmen, ist zumindest fraglich.“

Der Expertenrat: Auf Recht pochen, Regionalbanken bevorzugen

Gerade Großbanken wie Commerz-, Targo- oder Deutsche Bank zählen zu den Teureren. „Basiskonten für unter 100 Euro gibt es meist bei den Regionalbanken“, sagt Pallasch. Darunter fällt unter anderem auch die in Dresden ansässige Ostsächsische Sparkasse (94,80 Euro). Mit der Leipziger Sparkasse (82,80 Euro) schafft es ein weiteres sächsisches Geldinstitut in die Gruppe jener Banken mit Jahresgebühren von unter 100 Euro für ein Filialkonto.

Weiterer Tipp der Finanztest-Experten: Bei vielen Banken ist ein Onlinekonto zum Teil erheblich günstiger als ein Filialkonto. Lehnt es ein Geldinstitut ab, ein Basiskonto zu eröffnen, sollten Betroffene auf ihr Recht pochen, indem sie sich zum Beispiel an den Ombudsmann des jeweiligen Bankenverbands wenden. Hilft auch das nicht, ist laut Pallasch ein Verfahren bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eine Option.

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