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Mittwoch, 16.05.2018

Das hilft gegen Seitenstechen

Der Gesundheit schaden die krampfartigen Schmerzen nicht. Woher sie stammen - darüber gibt es verschiedene Theorien. Fest steht, was Sportler gegen die Stiche tun können.

Von Matthias Jung

Fast jeder Sportler hat es schon mal erlebt: Mitten im Lauftraining schießt plötzlich der Schmerz in die Flanke. Meist verschwindet das Seitenstechen nach kurzer Zeit wieder.
Fast jeder Sportler hat es schon mal erlebt: Mitten im Lauftraining schießt plötzlich der Schmerz in die Flanke. Meist verschwindet das Seitenstechen nach kurzer Zeit wieder.

© Christin Klose/dpa

Münster. Ob im Schulsport, im Vereinstraining oder bei Volksläufen: Immer wieder sind Sportler zu sehen, die das Gesicht schmerzhaft verziehen und sich an die linke oder rechte Seite des Bauches fassen. Fast jeder kennt Seitenstechen. Die Ursache allerdings ist wissenschaftlich bis heute nicht geklärt. Dafür lässt sich recht einfach vorbeugen und gegensteuern, wenn es doch plötzlich sticht.

Seitenstechen tritt nur unter Belastung auf. „Wenn man das Seitenstechen dann untersuchen will, ist es schon weg“, erklärt Prof. Klaus Völker aus Münster die fehlenden Erkenntnisse der Medizin. Klar sei aber, dass meistens Ausdauersportler unter den Schmerzen leiden, vor allem Läufer, sagt der Weiterbildungsbeauftragte der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP). „Eher selten kommt es auch beim Schwimmen oder Radfahren vor.“

Weil die Forschung bisher nicht abschließend nachweisen konnte, woher das Seitenstechen kommt, gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Die seiner Meinung nach wahrscheinlichste Hypothese hat mit der Umverteilung des Blutes während des Sports zu tun. Unter Belastung steige die Durchblutung der arbeitenden Muskulatur um das bis zu Zwanzigfache. Dagegen wird die von Leber und Milz reduziert, wodurch diese verformt werden.

Dadurch kommt es - so die Theorie - zum Zug auf die Briden, also die bindegewebsartigen Strukturen, an denen die Organe aufgehängt sind. Leber und Milz hätten außerdem empfindliche Kapseln. „Beides erzeugt wahrscheinlich die Schmerzen“, sagt Völker.

„Ein verklemmter Furz“

Ein anderer Ansatz, der überzeugend wirke, sei die Gasblasen-Theorie. Auf gut Deutsch „ein verklemmter Furz“, sagt Völker. Der Mensch produziert täglich etwa drei Liter Gas. Durch die Erschütterungen beim Laufen kann sich in den Ecken des Dickdarms eine Gasblase bilden, die den Darm ausdehnt und Schmerzen erzeugt.

Laut Daniel Lay von der Deutschen Sporthochschule in Köln könnte auch das Zwerchfell die Schmerzen verursachen. Dieser Atemmuskel wird unter starker Belastung zu wenig mit sauerstoffreichem Blut versorgt, was wiederum krampfartige Schmerzen verursachen könnte. Florian Bauder sieht die Ursache ebenfalls dort. Sei die umliegende Bauchmuskulatur nicht gut trainiert, könne sie unter hoher Belastung verkrampfen, erklärt der Landestrainer Mehrkampf der Leichtathletik Baden-Württemberg in Stuttgart. „Daher kann sich das Zwerchfell nicht mehr so frei bewegen.“

Ein weiterer Auslöser für Seitenstechen kann laut Lay eine schlechte Körperhaltung sein. Läuft der Mensch gekrümmt, kann beim Laufen Druck auf die Interkostalnerven - also auf die Nerven zwischen den Rippen - entstehen. Auch eine weitere mechanische Ursache klingt für Lay plausibel: Wer kurz vor dem Laufen isst, bei dem könnte der Magen gereizt werden. „Ich vermute, dass es eine Kombination aus mehreren Ursachen ist“, sagt Lay.

Fest steht: Gesundheitsgefährdende Auswirkungen sind nicht bekannt, Seitenstechen ist nichts Schlimmes. „Es geht nach dem Sport wieder weg und verursacht keine bleibenden Schäden“.

Gut aufwärmen

Häufiger tritt Seitenstechen auf, wenn Menschen schlecht trainiert sind oder eine längere Sportpause eingelegt haben, ergänzt Völker. Lay kennt zwar auch Spitzensportler, die gelegentlich von den Schmerzen betroffen sind, diese Fälle seien jedoch deutlich seltener als bei Freizeitsportlern. „Sie sind körperlich viel besser an die Belastung angepasst“, erklärt Lay.

Wer Seitenstechen vermeiden will, sollte das Sportprogramm also den eigenen Fähigkeiten anpassen - und sich nicht überfordern. Ebenfalls hilfreich: sich gut aufwärmen und die Belastung danach nur langsam steigern. Bauder rät auch dazu, die Rumpfmuskulatur mit gezielten Übungen zu stärken, um Verkrampfungen im Bauchbereich vorzubeugen.

Eine komplette Mahlzeit sollten Sportler spätestens etwa zwei bis drei Stunden vor dem Sport essen, um der Verdauung genügend Zeit einzuräumen. „Und man sollte weniger blähende Kost zu sich nehmen“, sagt Völker. Dann ist die Gefahr einer Gasblase geringer.

Schießt dann doch mal der Schmerz in die Seite, hilft es, einen Gang herunterzuschalten. Bauder rät, langsamer zu laufen oder kurz stehenzubleiben, um den Druck zu reduzieren und das Zwerchfell zu entlasten. Auch ein langes kontrolliertes Ausatmen kann schmerzlindernd wirken. Lay empfiehlt, die Arme nach oben zu strecken, den Körper in eine aufrechte Haltung zu bringen und die an der Atmung beteiligten Muskeln damit zu dehnen. (dpa)

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