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Donnerstag, 10.08.2017 Herzenssache

Bitte keine Ratschläge

Was tun, wenn die Freundin des Enkelsohns depressiv ist und er die Beziehung beenden will? SZ-Partnerschaftsberater Christian Thiel antwortet.

Von Christian Thiel

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Depression ist nicht nur für Betroffene eine Herausforderung – auch für Angehörige, Freunde oder Partner.
Depression ist nicht nur für Betroffene eine Herausforderung – auch für Angehörige, Freunde oder Partner.

© dpa

Christian Thiel ist Partnerschaftsberater und schreibt regelmäßig in der SZ.
Christian Thiel ist Partnerschaftsberater und schreibt regelmäßig in der SZ.

„Wir haben zu unserem Enkel (22) ein sehr gutes Verhältnis, sodass er mit uns über sein derzeitiges Problem gesprochen hat. Seit 18 Monaten ist er mit einem gleichaltrigen Mädchen zusammen. Seine Freundin ist oft in depressiver Stimmung, was ihn belastet. Sie klammert sich sehr an ihn, da sie sonst keine anderen Freundschaften hat.

Er denkt nun darüber nach, die Beziehung zu beenden. Er hat dabei aber Befürchtungen, dass sie das nicht verkraftet und sich etwas antut.“

Christian Thiel: Das sind gleich zwei Probleme in einem. Das eine Problem hat Ihr Enkel. Er ist in einer Partnerschaft, die nicht so richtig zu passen scheint. Das passiert jungen Männern schnell – sie haben bei der Partnersuche in der Regel nur auf das Aussehen geachtet. Das zweite Problem haben Sie. Seinen Enkel in Liebesdingen zu beraten – das ist nicht empfehlenswert und kann zu einer Menge an Problemen führen.

Fangen wir mit dem Problem Nummer eins an. Ihr Enkel hat sich in eine Beziehung begeben – und nun ist er unglücklich. Wenn eine Beziehung nur noch aus Problemgesprächen besteht, dann ist das frustrierend. Für beide Seiten. Die Freundin Ihres Enkels sollte sich also dringend professionellen Rat suchen. Und Ihr Enkel sollte sie dabei unterstützen. Er ist ihr Freund – nicht ihr Therapeut.

Kommen wir zu Ihnen. Es ist sehr ungewöhnlich, dass Großeltern sich um das Liebesleben Ihrer Enkel kümmern. Ich kann Ihnen auch nicht raten, das zu tun. Hören sie ihm zu. Das ist Ihre Aufgabe. Sagen Sie: „Das ist ja blöd.“ Oder sagen Sie: „Das klingt sehr anstrengend für dich.“ Aber raten Sie ihm bitte nie, sich von seiner Freundin zu trennen. Das steht Ihnen nicht zu. Das Gleiche gilt selbstverständlich auch für Eltern. Auch die sollten das Liebesleben ihrer Kinder nicht mit Ratschlägen begleiten. Und das gilt auch dann, wenn die Kinder scheinbar ratlos sind. Besser ist es, Fragen zu stellen. Neugierige Fragen. Wieso ist die Freundin denn oft so niedergeschlagen? Was macht ihr Sorgen? Hat sie selber denn schon mal über professionellen Rat nachgedacht? Und wenn ja, über welchen?

Ihren Enkel bindet möglicherweise viel mehr an diese Frau, als Sie denken. Sie haben sich lieben gelernt. Sie haben Sex miteinander. Das alles bindet – auch wenn in den Gesprächen zwischen Ihnen und dem Enkel die Probleme dieser Partnerschaft vielleicht im Vordergrund stehen. Halten Sie sich also bitte zurück – auch wenn es Ihnen schwerfällt. Es ist besser so.

Single-, Partnerschaftsberater Christian Thiel kommt nach Dresden. Am 21.9., 18.30 Uhr stellt er im Haus der Presse, Ostra-Allee 20, sein Buch „Streit ist auch keine Lösung“ vor. Kartenvorbestellung (13 Euro/10 Euro mit SZ-Card) nur per E-Mail unter leben@redaktion-nutzwerk.de

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