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Donnerstag, 15.02.2018

Bio wird billiger

Von Hanna Gersmann

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Garantiert Bio mit dem offiziellen EU-Siegel.
Garantiert Bio mit dem offiziellen EU-Siegel.

© David-Wolfgang Ebener/dpa

Fragt man Marktforscher oder Vertriebsexperten, ist Bio der erfolgreichste Trend der vergangenen Jahre. Die Deutschen haben im vergangenen Jahr so viel Geld wie nie zuvor für Biojoghurt, -gemüse, -fleisch und andere ökologische Nahrungsmittel ausgegeben: 116 Euro pro Kopf. So sind 2017 „mit Bio erstmals über zehn Milliarden Euro umgesetzt worden“, sagt Peter Röhrig, Geschäftsführer des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft, BÖLW. Sein Verband stellte am Mittwoch zum Start der weltgrößten Branchenmesse Biofach in Nürnberg die neue Marktdaten vor. Demnach wollen immer mehr Menschen „heimische Bauern, Klima und Artenvielfalt, artgerechte Tierhaltung und die Gesundheit ihrer Familien und der Umwelt stärken“.

Längst sind die Zeiten vorbei, in denen Bio in Läden verkauft wurde, die sich „Löwenzahn“ oder Haferstich“ nannten. Heute steht das Biomüsli in den Regalen großer Ökosupermärkte, aber auch bei Edeka, Rewe & Co. Rewe beispielsweise hat über 2 500 Öko-Artikel gelistet und will das Sortiment noch ausweiten – mit eigenen Marken. Auch Discounter wie Lidl, Aldi oder Norma haben ihr Angebot an Biolebensmitteln in den vergangenen Monaten deutlich erhöht. Die Naturkostläden steigerten ihren Umsatz im vergangenen Jahr zwar um 2,2 Prozent. Ihr Anteil am Biomarkt macht aber nur noch knapp 30 Prozent aus. Nur: Wo kaufe ich Bio am besten?

Fernsehköchin Sarah Wiener, die selbst einen Biobauernhof in Brandenburg betreibt, erklärt: „Wer sowieso immer zum Discounter geht, kann dort zu Bio greifen.“ Bio sei nicht unbedingt eine Frage des Geldes. Derzeit sind bei Lidl 1,5 Kilogramm Biokartoffeln für 1,69 Euro zu haben. Der 150-Gramm-Becher Bio-Joghurt pur in der Fettstufe 3,8 Prozent kostet 0,29 Euro. Da halten Bioläden nur schwer mit. Discounter nehmen größere Mengen ab und bekommen darum Rabatte.

Allerdings: Bei ihnen ist oft nicht ersichtlich, wo die Kartoffeln geerntet wurden und herkommen, zumindest nicht auf den ersten Blick. Das sei in den Ökosupermärkten oder auch bei Kauf am Hof anders, so Wiener. Diese böten viel mehr Produkte aus regionaler und saisonaler Herkunft an. Sie selbst bevorzugt saisonale Lebensmittel aus der Umgebung, um lange Transportwege, die das Klima belasten, zu vermeiden. Außerdem will sie so auch Arbeitsplätze vor Ort sichern.

Dafür, ob ein Produkt offiziell Bio genannt werden darf, ist es zunächst egal, ob es aus dem Discounter oder dem Ökoladen stammt: Prangt auf der Verpackung das sechseckige EU-Biolabel – es kann auch ein stilisiertes Blatt auf grünem Grund sein –, entspricht die Ware der EU Ökoverordnung 834/2007. Demnach verzichten die Produzenten zum Beispiel auf künstliche Pflanzenschutzmittel und Gentechnik, halten ihre Tiere artgerecht. Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und Farbstoffe sind tabu. „Das ist sozusagen die Mindestanforderung an ein Bio-Produkt“, erklärt BÖLW-Mann Röhrig.

Klebt ein Siegel von Bioland, Demeter oder Naturland auf den Produkten, müssten die Erzeuger deutlich strengere Vorgaben einhalten. Zum Beispiel bekämen die Schweine mehr Platz. Röhrig nennt das „Premium-Bio“. Dieses Premium-Bio ist im Ökoladen viel häufiger zu finden als im Discounter.

Wer den Preis für Bio zahlt, will freilich sicher sein, dass auch Bio im Produkt steckt. Darauf sei auch Verlass, meint Röhrig. Aber wird konventionelle Ware nicht auch zu Bio umdeklariert, findet sich nicht auch im Biogemüse mal ein Pflanzenschutzmittel? Sicher gebe es Betrüger, und jeder sei einer zu viel, sagt Röhrig: „Doch das sind Einzelfälle, die Zahl der Betrügereien liegt im Promillebereich.“ Ein Biobetrieb bekäme – über die amtliche Lebensmittelkontrolle hinaus – mindestens einmal im Jahr Besuch von einem Bio-Kontrolleur, unangemeldet.

Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD vereinbart, bis 2030 den Ökolandbau von rund acht auf 20 Prozent auszuweiten. Derzeit produziert etwa jeder 10. Hof in Deutschland nach Bio-Kriterien. Das wird laut Experten allerdings nicht reichen, um die Quote zu erfüllen.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Alexa

    Wenn man sich die Auslagen in den Suppermärkten anschaut bekommt man schon Zweifel am Bio-Angebot.Ich denke da an Bananen,Apfelsinen etc.Grün geerntet und nachgereift-ist das noch Bio?Wo sollten die Massen an Bio-Zwiebeln deutscher Herkunf angebaut werden?

  2. Guten Appetit

    Chinesische "Bio"-Bauern die für den deutschen Markt produzieren, essen ihr eigenes Gemüse nicht. Aber "Bio" ist es. Wird ja von chinesischen Überwachern kontrolliert. Mahlzeit.

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