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Donnerstag, 16.11.2017

Ab wann ist der Blutdruck zu hoch?

In den USA wurde der Grenzwert deutlich gesenkt. Deutsche Ärzte reagieren zurückhaltend.

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© Symbolfoto: dpa

In den USA sind die medizinischen Richtlinien für Bluthochdruck geändert worden. Damit haben Menschen schon ab einem Wert von 130 (systolischer Druck) zu 80 (diastolischer Druck) einen behandlungsbedürftigen Bluthochdruck. Zuvor hatte der Grenzwert bei 140/90 gelegen. Entwickelt wurden die neuen Richtlinien von einer Expertengruppe des American College of Cardiology und der American Heart Association. Sie geht vor allem auf die sogenannte „Sprint“-Studie zurück. Diese wurde vor zwei Jahren in den USA veröffentlicht und kam zu dem Ergebnis, dass der Zielwert für den oberen systolischen Blutdruck sogar von 140 auf 120 gesenkt werden sollte. Folgeerkrankungen wie Herzschwäche oder Herz-Kreislauf-Tod seien auf diese Weise besser vermeidbar.

Viele Experten kritisierten die Ergebnisse jedoch und warnten davor, dass eine zu starke Blutdrucksenkung zu Nierenversagen und vorzeitigem Tod führen könne. Ärzte in Deutschland orientieren sich an den Leitlinien der Deutschen Hochdruckliga, die aber nur empfehlenden Charakter haben. Würde der systolische Zielwert von bislang 140 auf 130 gesenkt werden, hätte dann nicht mehr jeder dritte, sondern jeder zweite Deutsche Bluthochdruck. Das Altern, aber auch körperliche Betätigung können zu einer natürlichen Erhöhung führen.

Man werde die neuen US-Richtlinien sehr genau prüfen, erklärte Bernhard Krämer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga. „Persönlich gehe ich davon aus, dass man in Deutschland und in Europa der Vorgehensweise nicht eins zu eins folgen wird.“ Krämer verwies darauf, dass Menschen mit einem sogenannten hochnormalen Blutdruck, der zwischen 130 und 140 liegt, durch Änderungen im Lebensstil wie Sporttreiben und Abnehmen viel erreichen könnten. Blutdrucksenkende Medikamente hätten Nebenwirkungen.

Bluthochdruck steigert das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche, Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Nierenversagen und sogar Demenz. Begünstigt wird er durch häufigen Alkoholkonsum, Rauchen, zu wenig Bewegung, salz- und fleischreiche Ernährung, aber auch durch die Einnahme von Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Paracetamol. (dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 7 Kommentare

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  1. Der Schweißer

    Damit dürften ja fast alle Menschen Bluthochdruck haben. Die Hersteller und Vertreiber von Blutdrucksenkern wird es freuen, auch die Behandler der Nebenwirkungen und den Staat mit 19% Mwst. auf Medikamente. - Na also alles ist gut :-(

  2. Marcus

    Lobbyarbeit und nix anderes. Das alles treibt nur den Verkauf von blutdrucksenkenden Mitteln in die Höhe.

  3. Etwin Stange

    Welchen Blutdruck haben die Profisportler? Das Geschäft der Pharmaindustrie wird durch immer mehr Studien unterstützt. Was interessiert denen mehr als der Profit. Die scheißen doch auf die Gesundheit der Menschen. Was brachten uns die Diät-Pprodukte, was die Light-Produkte? Bio-Produkte sind kaum besser und diene der Gewinnmaximierung? Bio-Bananen, Bio-Honig, Bio-Wein, Bio-Wurst und das wird uns mit hohen Preisen angeboten. Das können sich die Diäten-Empfänger leisten, aber nicht der Mini-Verdiener und Rentner.

  4. Volker W.

    Ab wann ist der Blutdruck zu hoch? Wenn man solche Artikel liest? War schon mal mit 160 knuppelgesund. Jetzt mit 140 schon dem Tod geweiht?

  5. entejens

    Ja, natürlich hat die Pharmaindustrie wohl was davon, wenn die Werte geändert werden. Nur - ein Senken der Werte heißt noch nicht, daß zwingend Medikamente verschrieben werden (das liegt auch in der Verantwortung des Arztes): "Krämer verwies darauf, dass Menschen mit einem sogenannten hochnormalen Blutdruck, der zwischen 130 und 140 liegt, durch Änderungen im Lebensstil wie Sporttreiben und Abnehmen viel erreichen könnten. Blutdrucksenkende Medikamente hätten Nebenwirkungen." Durch eine neue Deklaration könnten vielleicht auch mehr Menschen dazu motiviert werden, mit den genannten Änderungen im Lebensstil medikamentlos bessere Werte zu erreichen - jetzt ist man ja noch normal, wenn auch hoch.

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