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Montag, 20.02.2017

Zwischen Kängurus und Riesenbäumen

DA-Autor Eric Mittmann stürzt sich in ein Abenteuer: Ein Jahr Work and Travel in Australien. Ein Erfahrungsbericht.

Eric Mittmann bereist für ein Jahr Australien. Dabei hat er gleich zu Beginn im Blue Mountains Nationalpark riesige Bäume entdeckt. Auf seiner Tour will er nicht nur Land und Leute kennenlernen, sondern auch arbeiten.
Eric Mittmann bereist für ein Jahr Australien. Dabei hat er gleich zu Beginn im Blue Mountains Nationalpark riesige Bäume entdeckt. Auf seiner Tour will er nicht nur Land und Leute kennenlernen, sondern auch arbeiten.

© privat

Döbeln/Sydney. Schule, Studium, Beruf. Was für viele nach dem Masterplan fürs Leben klingen mag, sollte für mich im vergangenen Jahr zur absoluten Angst-Vorstellung werden. Ich wollte ausbrechen. Einen Umweg gehen und endlich herausfinden, was ich in Zukunft wirklich mit meinem Leben anstellen möchte.

Nun sitze ich in einer kleinen Hütte südlich von Sydney und versuche genau das. Nun, vielleicht nicht unbedingt das. Ich befinde mich mit 99 anderen Backpackern in einem Surfcamp nahe des wunderschönen Seven Mile Beach. Zwei Mal am Tag erhalten wir Surfunterricht, dazwischen spielen wir Karten, feiern am Strand und genießen Burger sowie andere hausgemachte Spezialitäten. Es ist ein Paradies, in das man sich für einige Tage begeben kann. Kein Internet, kaum Kontakt zur Außenwelt, dafür gute Musik, gutes Essen und surfen, surfen, surfen.

„Klingt doch super“, mag manch einer denken. Ist es auch. Allerdings ist das nur die eine Seite der Medaille, die das Backpacker-Leben darstellt. Die andere Seite ist die seit meiner Ankunft immer präsente Sorge um einen Job und ein festes Einkommen. Ich möchte für ein Jahr in Australien bleiben. Mein Erspartes reicht vielleicht noch für zwei bis drei Monate – aber nur für den Fall, dass ich nichts mehr unternehme.

Genau das ist allerdings fast unmöglich, denn Australien ist viel zu schön und bietet viel zu viel Sehenswertes, um für längere Zeit an einem Ort zu verweilen. Also gilt es, in den kommenden Tagen Arbeit zu finden, um weiter hier leben und reisen zu können. Doch welcher Job soll es sein? Werde ich auf einer Farm arbeiten? Soll ich in ein Restaurant gehen? Wer nimmt mich
denn überhaupt? Mit diesen Fragen muss man sich leider auch im Paradies herumschlagen. Und sie können einen ebenso fertig machen, wie Zuhause.

„Warum gehst Du denn da runter, wenn Du Dich nur beklagst?“, bin ich schon gefragt worden. Zum einen, weil Australien ein wunderschöner Kontinent ist. Die Städte, die Strände, der Regenwald. Ich bin seit sieben Tagen hier und habe mich nun schon mehrfach in diesen Ort am anderen Ende der Welt verliebt. Hinzu kommen die Menschen, die so freundlich, kontaktfreudig und hilfsbereit sind, wie man es sich kaum vorstellen kann. Egal, wo man sich befindet, irgendjemand scheint immer zum Plaudern aufgelegt zu sein. Und wenn man einmal eine Frage hat, haben sie definitiv eine Antwort parat – oder fragen jemand anderen, bis sie einem geholfen haben. Ich denke, man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Menschen in Australien sogar noch wunderbarer sind, als die Landschaft, die sie umgibt.

Darüber hinaus galt Australien für mich, bereits seit ich 18 Jahre alt war, als das gelobte Land, in dem man einfach man selbst sein, alle Sorgen ablegen und endlich zu sich finden kann. Zwar ist mir dies in den letzten Tagen nur bedingt gelungen, aber immerhin bleibt mir auch noch etwas Zeit.

Das nächste Ziel steht auf jeden Fall bereits fest: Perth. Nach dem Party-Backpacker-Leben an der Ostküste wird es Zeit, die Einsamkeit Australiens kennenzulernen – und endlich einen Job zu finden.

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