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Dienstag, 02.01.2018

Zwischen Euphorie und Träumerei

Der Großenhainer FV hat ein grandioses Jahr hinter sich. Jetzt ist sogar ein Durchmarsch möglich. Doch der Verein will davon (noch) nichts wissen.

Von Thomas Riemer

Grund zum Jubel hatte die 1. Männermannschaft des Großenhainer FV im vergangenen Jahr ausgiebig. Im Sommer gelang – ungeschlagen – der Aufstieg in die Landesliga. Dort holte sich das Team um Sylvio Schwitzky (rechts) den Herbstmeistertitel.
Grund zum Jubel hatte die 1. Männermannschaft des Großenhainer FV im vergangenen Jahr ausgiebig. Im Sommer gelang – ungeschlagen – der Aufstieg in die Landesliga. Dort holte sich das Team um Sylvio Schwitzky (rechts) den Herbstmeistertitel.

© M. Kost

Großenhain. In der Fußball-Oberliga Süd wäre der Großenhainer Fußballverein zurzeit auf dem vierten Platz – gemessen an den Zuschauerzahlen bei den Heimspielen in der Röderstadt. 227 Fans kamen im Durchschnitt. Seit die Röderstädter in der Landesliga Sachsen spielen, sind die Werte stetig nach oben gegangen. Das Highlight: 749 zahlende Besucher erlebten im August das Derby gegen Stahl Riesa. Beim 2:3 kassierten die Schützlinge von Trainer Andreas Jachmann zwar eine von ganzen zwei Punktspielniederlagen im vergangenen Jahr. Doch Tabellenplatz Eins zum Jahreswechsel – und das als Aufsteiger – spricht eine klare Sprache: Auf der Jahnkampfbahn ist 2017 Sensationelles passiert.

„Wir freuen uns, den Zuschauern hier guten Fußball geboten zu haben“, lässt Coach Andreas Jachmann seit dem Aufstieg in die Sachsenliga fast wöchentlich in die Notizblöcke der Journalisten notieren. Der Erfolg hat System: Mit einem gesunden Mix aus erfahrenen Spielern und jungen Akteuren – viele davon haben Fußballspielen schon als Steppke beim GFV gelernt – hat sich da im Verlauf der letzten zwei Jahre etwas „zusammengebraut“.

Ein funktionierendes Team aus Vereinsführung, Trainern, Betreuern und Fans hat die Mannschaft geformt. Die spielt modern, effektiv – und eben erfolgreich und weckt damit zum Beispiel auch das Interesse außerhalb Großenhains. Längst ist das „Team Rabenfront“ mit seinen Kameras und Mikrofonen Stammgast beim GFV.

Guter Sport, ein funktionierendes Umfeld und Erfolg – das nährt freilich auch Träume. Längst diskutieren Anhänger des Vereins am Rande des Spielfeldes den Fall, wenn das Jachmann-Team den „Platz an der Sonne“ behalten und Sachsenmeister werden würde. Was gleichbedeutend mit dem Aufstiegsrecht in die Oberliga wäre. Und das acht Jahre nach dem „tiefen Fall“ in die Kreisliga!

Im Mannschaftsumfeld wird darüber zumindest offiziell (noch) nicht gesprochen. Immerhin bliebe für den „Fall der Fälle“ bis zum 30. April Zeit, sich dazu zu erklären. Für Trainer Jachmann jedenfalls ist es „illusorisch“, von Aufstieg zu sprechen. Sich in der Landesliga zu etablieren, in der laufenden Saison Punkt für Punkt zu holen, um einen einstelligen Tabellenplatz zu sichern – das war sein Credo vor der Saison – und so ist es auch jetzt noch.

Auch Vereins-Vize Andreas Vogel freute sich nach dem letzten Heimspiel im Dezember über die „grandiose“ Saison. Ansonsten tritt auch er auf die Euphorie-Bremse. Sicher nicht zu Unrecht. Denn ein Aufstieg zöge Herausforderungen nach sich. Vor allem logistische, wohl auch bauliche und nicht zuletzt finanzielle. Das alles abzuwägen und durchzurechnen, wird Sache des Vereins sein.

Und die Spieler? Die haben sichtlich Spaß an der Situation. Kapitän Sylvio Schwitzky etwa, der die Frage nach einem eventuellen Platz Eins in der Tabelle zum Saisonende jüngst so beantwortete: „Dann wären wir Sachsenmeister, würden das gebührend feiern und Party machen. Und danach würden wir, da bin ich mir ganz sicher, in den Flieger steigen und als Mannschaft nach Malle fliegen. Den Rest entscheidet die Vereinsführung.“

So einfach kann Fußball sein.