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Freitag, 08.12.2017

Zwei Stunden für den perfekten Baum

Jedes Jahr verkauft Burkhard Wien am Riesapark Tannen und Fichten. Mancher Kunde hat besondere Ansprüche.

Von Stefan Lehmann

Seit fünf Jahren verkauft Burkhard Wien jeden Dezember für die Baumschule Gerwin Weihnachtsbäume. Die Baumschule aus Rügen kommt bereits seit 27Jahren in der Vorweihnachtszeit an den Riesapark.
Seit fünf Jahren verkauft Burkhard Wien jeden Dezember für die Baumschule Gerwin Weihnachtsbäume. Die Baumschule aus Rügen kommt bereits seit 27 Jahren in der Vorweihnachtszeit an den Riesapark.

© Sebastian Schultz

Riesa. Der Wind pfeift kalt über den Parkplatz am Riesapark, doch Burkhard Wien macht das nichts aus. „Heute ist doch schön“, sagt er und schaut in den Himmel. „Am Wochenende, der Nieselregen, das war schlimmer.“ Wirklich ins Frieren kann Wien sowieso nicht kommen. Das mag auch an dem dicken Pullover, seiner Mütze und der winddichten Hose liegen – vor allem aber an der ständigen Bewegung. Schließlich vergehen keine fünf Minuten, bis wieder jemand durch den Eingang des mit Bauzäunen abgesteckten Weihnachtsbaum-Verkaufs tritt. Schon von Weitem begrüßt der Strehlaer dann die Kundschaft, eilt von einer Ecke in die nächste – immer auf der Suche nach dem perfekten Baum.

Den zu finden, das ist gar nicht so einfach. Jedenfalls nicht für jeden. Ein Pärchen mittleren Alters schaut sich zwei Tannen an und verlässt nach nicht einmal fünf Minuten mit einem Baum den Parkplatz. Andere brauchen da länger – allein schon, weil sie genaue Vorstellungen davon haben, wie ihr Weihnachtsbaum auszusehen hat. Matthias Walter etwa sucht nach einem Exemplar, das unten an einer Seite nicht ganz so üppig gewachsen ist. Am Riesapark kauft er zum zweiten Mal überhaupt ein, heute kombiniert der Oschatzer die Suche nach dem Baum mit dem Einkauf. „Als die Kinder noch klein waren, haben wir auch mal eine selbst geschlagene Fichte ins Wohnzimmer gestellt“, erzählt er. Gegen die wild gewachsenen Bäume sei natürlich jeder einzelne aus der Baumschule perfekt. Aber mit den Möglichkeiten wächst eben auch der Anspruch. Kurz vor dem Bezahlen verzieht Walter beim Blick auf den Baum das Gesicht. So richtig gefallen will ihm das Exemplar dann doch noch nicht. „Legen wir den kurz zurück und schauen noch mal einen anderen an.“ Die nächste Nordmanntanne genügt schließlich seinen Ansprüchen. Burkhard Wien und sein Kollege können damit umgehen, wenn es etwas länger dauert. „Es gibt auch welche, die sich 20 Bäume zeigen lassen. Ein Ehepaar war am Wochenende zwei Stunden hier“, erzählt er. Am Ende seien sie abgezogen, mit den Worten „Wir schauen noch mal“. Er bleibe auch dann freundlich, auch wenn er keine Zeit habe, sich die ganze Zeit nur um einen Kunden zu kümmern. „Bis vor ein paar Tagen war ich hier alleine.“ Erst wenn das Geschäft in den nächsten Wochen richtig zu brummen anfängt, werden bis zu sieben Mitarbeiter die Kunden abfertigen.

Nachdem Matthias Walter seinen Baum gefunden hat, geht’s noch zum Bezahlen. „Die Spitze werde ich wohl abschneiden müssen“, flachst der Oschatzer, „Da gibt’s doch bestimmt noch einen Euro Rabatt?“ Burkhard Wiens Kollege schüttelt nur den Kopf und grinst. „Sie können die Spitze ja unten wieder dran machen.“ Ein bisschen Spaß muss eben sein, findet auch Burkhard Wien. „Ich weiß schon, bei wem ich sowas machen kann.“ Am Ende sei das auch, was ihm an der Arbeit so gefällt. „Ich bin ja nur durch Zufall hierhergekommen, weil ich jemanden kannte, der hier gearbeitet hat.“ Nun verdient er sich mittlerweile im fünften Jahr schon etwas zur Rente dazu. „Mittlerweile kenne ich schon viele Leute. Ich würde sagen, 90 Prozent von denen kommen jedes Jahr wieder.“ Der Umgang mit den Menschen wiege auch auf, dass es schon eine schwere Arbeit ist. Manchmal sei er von 8 bis 19 Uhr auf den Beinen. „Das merke ich abends schon in den Knochen.“ Und es sei heute eben auch nicht mehr so leicht, zuverlässige Helfer zu finden.

Zu guter Letzt wird Matthias Walters Baum noch transportfertig gemacht. Mit ein paar geschickten Handgriffen schnürt Burkhard Wien ein weißes Netz um die Äste, bindet es an der Spitze zu und wünscht zum Abschied noch ein schönes Weihnachtsfest. Den Vormittag des 24. Dezembers wird er auch noch am Riesapark verbringen, sagt er. Erfahrungsgemäß werden selbst dann noch einzelne Bäume verkauft.

Auf dem Parkplatz vor dem Riesapark verkauft die Baumschule Gerwin Nordmann-, Nobilis-, und Korktannen für 16 Euro pro Meter, Blaufichten für 12 Euro pro Meter und Rotfichten für 8 Euro pro Meter.

Die Baumschule Saathainer Mühle verkauft in Saathain (bei Elsterwerda) und in Seerhausen Nordmanntannen, Colorado- und Nobilis-Tannen, Blaufichten, Rotfichten und Kiefern für 20 bis 55 Euro. Eine zwei Meter hohe Nordmanntanne kostet zum Beispiel etwa 40 Euro. Alle Bäume wurden frisch in Sachsen oder Sachsen-Anhalt geschlagen.

Die Baumschule Franke in Moritz verkauft Nordmanntannen und Blaufichten, der Preis richtet sich dabei nicht allein nach der Größe, sondern auch nach Schönheit. Die Gärtnerei ist trotz Baustelle an der B 169 über Glaubitz zu erreichen.

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