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Mittwoch, 14.02.2018

Zwei Großbrände am frühen Morgen

In Ullendorf brennt ein Bauernhof, in Brockwitz ein Gartenmarkt. Ein Feuerwehrmann wird bei Löscharbeiten verletzt.

Von Ines Scholze-Luft und Udo Lemke

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Unglaubliche Zerstörung. Das Feuer im Dehner-Gartencenter in Coswig-Brockwitz hat einen Teil des Marktes vernichtet.
Unglaubliche Zerstörung. Das Feuer im Dehner-Gartencenter in Coswig-Brockwitz hat einen Teil des Marktes vernichtet.

© Norbert Millauer

Auch das Nebengebäude eines Vierseithofes in Ullendorf brannte in der gleichen Nacht.
Auch das Nebengebäude eines Vierseithofes in Ullendorf brannte in der gleichen Nacht.

© Roland Halkasch

Während der Löscharbeiten hatte ein Feuerwehrmann Kreislaufprobleme bekommen. Er musste durch den Rettungsdienst versorgt werden.
Während der Löscharbeiten hatte ein Feuerwehrmann Kreislaufprobleme bekommen. Er musste durch den Rettungsdienst versorgt werden.

© Roland Halkasch

Klipphausen/Coswig. Fassungslos stehen Mitarbeiter des Dehner-Gartencenters im Coswiger Ortsteil Brockwitz am Mittwochvormittag neben ihrem Markt. Im mittleren Teil auf der Ostseite des Gebäudekomplexes an der Dresdner Straße klafft eine große Brandwunde. Verbogene Rahmen der Hallenkonstruktion, verkohlte Gartenmöbel – Tische, Stühle, Regale. Bis weit in das Marktinnere hinein reichen die Spuren des Feuers.

Das ist am Morgen kurz nach Mitternacht ausgebrochen, wie Polizei und Feuerwehr mitteilen. Die automatische Brandmeldeanlage des Hauses reagiert. Alarm für die Feuerwehr. Dass es sich diesmal nicht um einen Fehlalarm handelt – was bei solchen Anlagen immer mal wieder vorkommt –, merken die Feuerwehrleute gleich bei der Anfahrt. Denn es raucht aus dem Glasdach des Mittelbaus. Schnell werden weitere Kräfte angefordert.

Schließlich sind 60 Feuerwehrleute aus Coswig, Weinböhla und Radebeul vor Ort, dazu Rettungsdienst und Polizei. Mit insgesamt etwa 20 Fahrzeugen. Die Brandbekämpfer müssen sich einiges einfallen lassen, um der hell lodernden Flammen Herr zu werden. Von mehreren Seiten rücken die Kameraden gegen das Feuer vor. Um es auch von oben bekämpfen zu können, kommen Hubarbeitsbühnen, auch Gelenkmasten genannt, zum Einsatz. Doch die eisige Witterung mit Temperaturen bis minus fünf Grad stellt sie noch vor ein anderes Problem. Durch die Gefahr gefrierenden Löschwassers.

So lange das Wasser in Bewegung ist, kann nichts passieren, sagt der Coswiger Wehrleiter Andreas Schorbogen. Dann könne auch bei hohen Minusgraden gelöscht werden, gut versorgt durch einen Hydranten wie am Dehner. Doch Gefahr entsteht, wenn das Wasser auf Gehwege fließt, beispielsweise herunter vom Dach. Das wird einem Feuerwehrmann am frühen Mittwochmorgen zum Verhängnis. Er stürzt auf dem Eis, verletzt sich, kommt ins Krankenhaus. In den sozialen Netzwerken gibt es auf diese Information hin Genesungswünsche. Zum Glück ist das Mitglied der Coswiger Wehr am selben Tag wieder zu Hause, sagt Andreas Schorbogen.

Glück haben auch die zahlreichen Tiere von den Vögeln bis zu den Kaninchen, die im Gartenmarkt zu erwerben sind. Da sie sich im vorderen Marktteil befinden, werden sie verschont, die Feuerwehr – sie kann gegen 6.45 Uhr wieder einrücken – musste keines retten, sagt der Wehrleiter. Auch dank der Brandschutzwand, die noch schlimmeren Schaden verhindert.

Bestätigt wird das durch das Unternehmen selbst. Die im bayerischen Rain im schwäbischen Landkreis Donau-Ries ansässige Dehner Holding GmbH & Co. KG teilt in einer Stellungnahme zum Brand mit: „Aufgrund des nächtlichen Brandausbruchs waren keine Kunden im Markt und es wurden weder Mitarbeiter noch Tiere verletzt.“ Das Unternehmen bittet um Verständnis, dass es sich aufgrund der laufenden Ermittlungen zur Sachlage nicht weiter äußern kann.

Der Markt blieb am Mittwoch geschlossen und wird auch am Donnerstag nicht öffnen, sagt Marktleiter Rother auf Nachfrage. Dann soll sich auch entscheiden, wie es mit dem Markt weitergeht. Immerhin ist der Dehner in Brockwitz der Einzige seiner Art im Umkreis. Der Nächste findet sich auf der Washingtonstraße in Dresden-Kaditz.

Wie die Polizei mitteilt, zerstörte das Feuer eine Ausstellungshalle. Die Höhe des entstandenen Sachschadens könne noch nicht beziffert werden. Die Kriminalpolizei der Polizeidirektion Dresden habe die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Der blaue Bus der Brandermittler steht am Vormittag vor dem Markt. Die Arbeit direkt am Einsatzort kann im Laufe des Tages abgeschlossen werden, heißt es aus der Pressestelle der Polizeidirektion. Und: Es wird weiter ermittelt, mit Verdacht auf Brandstiftung.

Gebrannt hat es in der gleichen Nacht auch in Ullendorf in der Gemeinde Klipphausen. Gegen drei Uhr stand der Dachstuhl vom Nebengebäude eines Bauernhofes in Flammen. Als die Feuerwehr eintraf, schlugen bereits Flammen aus dem Dach. Personen befanden sich nicht im Gebäude. Ein Feuerwehrmann bekam Kreislaufprobleme und musste durch den Rettungsdienst versorgt werden. Die Feuerwehr hatte mit gefrierendem Löschwasser in den Schläuchen und auf der Fahrbahn zu kämpfen. Die Staatsstraße war wegen der Löscharbeiten gesperrt. Zur Höhe des entstandenen Sachschadens liegen derzeit noch keine Angaben vor. „Wir ermitteln zur Brandursache in alle Richtungen“, so Thomas Geithner von der Pressestelle der Polizeidirektion Dresden. Geprüft wird deshalb auch, ob es einen Zusammenhang zwischen den beiden Großbränden gibt, die sich in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang ereigneten.

Thomas Siegl, der Eigentümer des Hofes, ist bestürzt: „ In dem Gebäude läuft seit 18 Jahren ein Stückholzheizkessel tadellos. Ich kann das Haus derzeit auch nicht betreten. Am Donnerstag kommen noch einmal die Brandermittler für weitere Untersuchungen. Eigentlich wollte ich im kommenden Jahr die Sanierung des Hauses abschließen, aber daraus wird nun nichts. Es gibt ja viele Menschen, die von solchen Schicksalsschlägen getroffen werden - da heißt es aufstehen und weiter gehen.“

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