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Mittwoch, 03.01.2018

Zurück in Dresden

Mit Neuzugang Marcel Franke startet Dynamo in eine kurze Vorbereitung – doch ein anderer ist nicht dabei.

Von Sven Geisler

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Zurück im Training: Die Dresdner Dynamos drehen im DDV-Stadion ihre Runden.
Zurück im Training: Die Dresdner Dynamos drehen im DDV-Stadion ihre Runden.

© Ronald Bonß

Mit einer 90-minütigen Einheit starteten die Fußballer von Dynamo Dresden ihre Vorbereitung auf die Rückrunde. Mit dabei: Rückkehrer Marcel Franke (6.v.l.)
Mit einer 90-minütigen Einheit starteten die Fußballer von Dynamo Dresden ihre Vorbereitung auf die Rückrunde. Mit dabei: Rückkehrer Marcel Franke (6.v.l.)

© Ronald Bonß

Einer fehlt unentschuldigt. Der Trainer hatte Eero Markkanen zwar in Aussicht gestellt, dass er Dynamo im Winter verlassen kann. Doch als der Finne am Mittwochvormittag nicht aus der Weihnachtpause nach Dresden kam, war auch Uwe Neuhaus überrascht. Allerdings wollte er über die Gründe nicht spekulieren, schließlich könne bei der Rückkehr aus einem Urlaub auf Kuba immer mal etwas schiefgehen, man einen Anschlussflug verpassen.

Es herrscht also Klärungsbedarf. Markkanen wird wohl nun direkt ins Trainingslager im spanischen Marbella fliegen. Die Mannschaft fuhr bereits am Abend nach Berlin und hebt am Morgen, 7.35 Uhr, von Schönefeld ab in Richtung Süden. Mit an Bord sind 26 Spieler, darunter die A-Junioren Vasil Kusej und Kevin Ehlers. Vor allem aber ein alter Bekannter als Neuzugang. Viereinhalb Jahre nach seinem schmerzlichen Abschied ist Marcel Franke zurück. „Dynamo ist mein Heimatverein, da brauchte ich nicht dreimal zu überlegen“, meint der 24 Jahre alte Dresdner.

Er war fünf, als ihn seine Oma zum Probetraining brachte, spielte im Nachwuchs ausnahmslos für die Schwarz-Gelben und schien schon auf dem Sprung zu den Profis zu sein. Im Dezember 2012 gab er sein Debüt, war beim 0:3 gegen Bochum laut SZ-Einzelkritik der einzige Lichtblick. Trotzdem wurde er danach nur noch einmal eingewechselt. Deshalb verlängerte er seinen Vertrag nicht, aber: „Damals waren andere Leute am Werk.“ Und Steffen Menze als Sportchef verantwortlich.

Jetzt ist es Ralf Minge, und er hat schon im Oktober mal bei dem einst verlorenen Talent nachgefragt, wie’s geht. Nach fünf Partien in der zweiten englischen Liga saß Franke bei Norwich City plötzlich draußen und oft auf der Tribüne. „Um ehrlich zu sein, waren ein, zwei Spiele dabei, in denen es für die Mannschaft, aber auch für mich persönlich nicht gut lief“, gibt der Verteidiger zu. „Dann hat der Trainer etwas geändert und wie das eben ist im Fußball: Du bist draußen, die Mannschaft bekommt einen Lauf, verliert zehnmal in Folge nicht. Das musst du akzeptieren, aber es ist das schlimmste Gefühl, nicht zum Stammpersonal zu gehören.“

Also hat er sich Gedanken gemacht über seine sportliche Zukunft. Die Gespräche mit Minge seien dann top gelaufen, sodass der Rückkehrer wohl auch finanzielle Einbußen in Kauf nimmt. „Ich komme über die Runden“, sagt er zu dem Thema mit einem breiten Grinsen.

Zunächst ist nur ein Gastspiel bis Saisonende geplant, eine Kaufoption, wie sie Dynamo wollte, hat Norwich abgelehnt. „Sie haben mich ja nicht einfach mal so geholt, weil sie Lust hatten, viel Geld für einen deutschen Innenverteidiger auszugeben.“ Drei Millionen Euro sollen die Engländer, bei denen mit Daniel Farke ein Deutscher Trainer ist, im vorigen Sommer an Greuther Fürth überwiesen haben. Die Franken waren Frankes zweite Station nach seinem Wechsel von Dynamo zum Halleschen FC.

Franke spricht von einem Umweg, der ihn vorangebracht hat. „Jetzt bin ich wieder da.“ Weshalb auch Neuhaus erleichtert ist. „Es wäre Wahnsinn gewesen, weiter mit zwei Innenverteidigern durch die Saison zu ziehen und zu glauben, dass es ausreicht“, erklärt der Chefcoach – und sagt damit indirekt auch, warum auf dem tiefen Rest Rasen im DDV-Stadion noch einer fehlt: Noah Awassi, der den Sprung aus der eigenen Jugend ins Zweitliga-Team nicht geschafft hat, soll bei einem anderen Verein Spielpraxis sammeln. Rückkehr nicht ausgeschlossen, ein weiterer Neuzugang im Winter ist aber unwahrscheinlich. Neuhaus sieht den Kader jetzt gut aufgestellt.

Die Vorbereitung ist kurz, in drei Wochen geht es im Heimspiel gegen den FC St. Pauli schon wieder um Punkte. Deshalb waren die Laufpläne für die freien Tage nicht nur Bewegungstherapie, sondern wichtige Grundlage. „Wir haben das so gestaltet, dass wir gleich mit dem normalen Training beginnen können“, sagt Neuhaus. Für Marco Hartmann, Sascha Horvath und Aias Aosman gilt das jedoch nicht. Sie trainieren nach auskurierten Infekten zunächst individuell.

Franke dagegen ist gesund und entschlossen, sich im Dreikampf mit Florian Ballas und Jannik Müller einen der zwei Plätze im Abwehrzentrum zu verdienen. Dabei helfen ihm seine Erfahrungen mit dem englischen Stil. „Dort gibt’s im Luftkampf kein Abpfeifen, kannst du den Gegenspieler auch mal beiseiteschieben, ohne dass der gleich fällt“, berichtet er. „Körperlich ist das etwas anderes, aber ich denke, dass wir hier in der zweiten Liga einen Tick mehr Fußball spielen.“

Wenn er mit Dynamo aus dem Trainingslager zurückkommt, wird auch seine Frau Jenna in die neue Wohnung in Dresden ziehen. Kennengelernt haben sie sich über das Internet; solche Liebesgeschichten gibt es also tatsächlich. Sie fanden sympathisch, was der andere schreibt, also haben sie sich eines Tages getroffen – und am 8. Oktober geheiratet. Ob sie nach den fünf Monaten zurückgehen auf die Insel, lässt Franke offen. „Ich muss erst mal hier Leistung bringen, dann beschäftigen wir uns im Sommer damit.“ In Norwich steht er bis 2020 unter Vertrag, theoretisch könnte er ein weiteres Jahr auf Leihbasis in Dresden bleiben – zu Hause eben.


Mit dabei war dafür Neuzugang Marcel Franke. Der Rückkehrer soll Dynamos personelle Probleme in der Innenverteidigung lösen. „Ich bin überglücklich wieder hier zu sein. Ich hoffe, dass wir eine erfolgreiche Rückrunde spielen und ich meinen Beitrag dazu leisten kann“, sagte Franke nach dem Training. Der 24-Jährige begann seine Profikarriere bei den Schwarz-Gelben und spielte zuletzt für den englischen Zweitligisten Norwich City FC. Er bleibt auf Leihbasis bis zum Saisonende.

Ab dem 4. Januar bestreitet der Tabellen-Elfte ein zehntätiges Wintertrainingslager im spanischen Marbella. Dort sind unter anderem drei Testspiele gegen den VfL Wolfsburg, den FC Groningen und die U23 des SV Werder Bremen geplant. Die Partien werden live und kostenlos auf dem Youtube-Kanal der Sportgemeinschaft übertragen. Das erste Rückrundenspiel ist am 25. Januar gegen St. Pauli. (dpa, szo/hoe)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

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  1. 555

    Schade, den Noah Awassi hätte ich gerne erst einmal im Wettkampfbetrieb gesehen, ehe man ihn nicht für 2.-Liga-tauglich befindet. Er ist allerdings auch schon anderthalb Jahre im Kader, ohne dass er wohl richtig als Alternative heran gereicht hätte.

  2. FloKati

    Ich habe Noah Awassi im letzen Trainingslager beobachten können. Ich fand ihn gut. Da ich aber nicht hinter die dynamischen Fassaden gucken kann, kann ich die Entscheidung nicht beurteilen. Ist trotzdem schade, ihn gehen zu sehen.

  3. dyndre53

    Awassi: Verarsche Hoch3, Herr Minge! Fehleinkäufe nicht zu wenige, Talenten keine Chance geben.....Von mir gibts in den Dynamo-Nachwuchs-Eimer keinen Cent mehr!

  4. Leser

    Wenn Noah Awassi eine Halbserie ausgeliehen wird, um ein wenig Spielpraxis zu sammeln, ist doch alles ok. Erst einmal abwarten, wie und wie lange er die SGD verlässt.

  5. Mal ne Anmerkung

    Da isser wieder der "Cheftrainer und Sportdirektor"@3dyndre53 ! Meckern ,dummes Zeugs hier ablassen ,die "Kommentare" aus 2017 setzen sich fort! Warum soll der Junge nicht in einem anderen Verein Spielpraxis sammeln ? Scheinbar hat der "dyndre53" einen teifen Einblick in die Gedanken und Vorstellungen der sportlichen Leitung der SGD ,um hier sein "Wissen und seine Ansprüche" zu formulieren. Wenden sie sich doch einfach mal an den Trainer und Herrn Minge und zeigen die Fehler der sportlichen Leitung auf.

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