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Dienstag, 23.01.2018

Zum Verrücktwerden

Chancen zuhauf, aber keine Treffer, dazu unnötige Gegentore – die Eislöwen stecken in der Krise.

Von Cornelius de Haas

Schon wieder ist die Scheibe vorbeigegangen: Eislöwen-Stürmer Martin Davidek setzt dem Puck nach, den Steelers-Keeper Ilya Shapirov fest im Blick hat.
Schon wieder ist die Scheibe vorbeigegangen: Eislöwen-Stürmer Martin Davidek setzt dem Puck nach, den Steelers-Keeper Ilya Shapirov fest im Blick hat.

© Thomas Kretschel

Es läuft im Moment einfach nicht, das gesteht auch Alexander Höller nach dem 0:4 am Sonntagabend gegen die Bietigheim Steelers ein. Mit seiner Einschätzung meint der Eislöwen-Stürmer mit dem Goldhelm des punktbesten Spielers eigentlich sein Team, doch sie trifft irgendwie auch auf den 33 Jahre alten Österreicher zu. Zwar lieferte Höller 2018 vier Torvorlagen, ein eigener Treffer blieb ihm aber bislang verwehrt. Und so lässt sich die Krise der Eislöwen auch an Höller festmachen.

Dabei sah es um den Jahreswechsel nach einem Aufschwung bei der Mannschaft von Trainer Franz Steer aus. Aus den Spielen in Bad Tölz und gegen Freiburg sowie Bad Nauheim holte sie die maximale Ausbeute von neun Punkten. Seither setzte es in vier Spielen aber vier zum Teil deutliche Niederlagen. Das lässt sich nicht mehr als Schwächephase abtun, sondern ist ein ernsthaftes Problem. Unter den Fans wird sogar schon das Schreckensszenario der Play-downs diskutiert.

Am 8. Dezember, die Eislöwen hatten gerade die Lausitzer Füchse mit 4:2 zurück nach Weißwasser geschickt, stand das Team in der Tabelle der DEL 2 mit 48 Zählern auf Platz vier. Es folgten 13 Partien, in denen nur noch zehn Punkte heraussprangen. Damit rutschten die Dresdner vor dem Aufeinandertreffen mit den Heilbronner Falken am Dienstagabend auf Rang acht ab. Noch beunruhigender wird es, reduziert man die Tabelle auf die Spiele seit besagtem Erfolgserlebnis im Advent – dann findet sich das Steer-Team auf dem vorletzten Platz, dem 13., wieder.

Die Gründe dafür kennen sowohl Trainer als auch Spieler: mangelhafte Chancenverwertung in der Offensive, individuelle Fehler in der Verteidigung. Bis zum Derby Anfang Dezember erzielten die Eislöwen im Schnitt 3,24 Tore pro Spiel, kassierten aber nur 2,64. Seitdem hat sich das Verhältnis auf 2,0:3,61 gedreht.

Die Frage nach dem Warum können die Beteiligten dagegen nicht so einfach beantworten. Steven Rupprich scheint deshalb der Verzweiflung nah zu sein: „Es ist zum Verrücktwerden. Ich kann hinschießen, wo ich will, die Dinger gehen einfach nicht rein. Und wenn ich versuche, dem Torwart die Sicht zu nehmen, werden die Schüsse geblockt. Kommt die Scheibe doch durch, bin ich zu spät, um sie vielleicht noch abfälschen zu können. Ich weiß manchmal auch nicht mehr, was ich noch machen soll. Aber es bringt nichts, wir müssen es einfach immer weiter versuchen.“

Als würde die Erkenntnis nicht schongenug schmerzen, legt Bietigheims Trainer Kevin Gaudet noch einmal den Finger in die Wunde, als er trotz des klaren Zu-null-Erfolgs die Defensivleistung seines Teams kritisiert: „Wir haben zu viele Chancen zugelassen.“ In der offiziellen Statistik tauchen 44:22 Torschüsse für die Eislöwen auf. Dennoch könne er seinen Spielern hinsichtlich des Willens keinen Vorwurf machen, erklärt Steer: „Wenn wir so auftreten wie heute, dann werden wir sicherlich unsere Punkte ziehen, da bin ich mir sicher. Denn so kann es ja nicht weitergehen.“

Auch Höller beschwört den Glauben an sich selbst: „Es klingt zwar blöd, aber wir müssen die positiven Dinge aus dieser Partie mitnehmen.“ Dazu zählten am Sonntag Einstellung, Laufbereitschaft und die herausgespielten Chancen. Eigentlich sollte das reichen, tut es aber im Moment nicht. „In so einer Phase fehlt einfach das gewisse Quäntchen Glück, das man eben auch braucht und das vielleicht auch den Kopf wieder frei macht“, sagt Höller und fordert: „Wir müssen über den Kampf und den Willen zurück in die Erfolgsspur finden.“

Deshalb hat Steer als Mutmacher die Geschichte seines Stiefsohns Gerrit Fauser erzählt. Der brauchte lange, um in dieser Saison in Schwung zu kommen, stand im November erst bei einem Tor. Kein Wunder also, dass Bundestrainer Marco Sturm ihn nicht für den Deutschland-Cup nominierte. Doch inzwischen hat der 28-Jährige von den Grizzlys Wolfsburg mit neun Treffern die meisten Überzahltore in der DEL erzielt. „Ich habe ihn gefragt: Was hast du geändert? Und er antwortete: Nichts, sie gehen jetzt halt rein“, berichtet Steer. „Es ist so. Wenn du dann wieder triffst, kommt das Selbstvertrauen zurück.“

Für die Eislöwen wird es Zeit, soll es mit der direkten Play-off-Teilnahme klappen.

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