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Dienstag, 22.08.2017

Zufällig entdeckt - Wie Medikamente wie Valium, Viagra oder Penicillin unsere Gesellschaft veränderten

Erfindungen wie das Rad oder die Dampfmaschine revolutionierten unsere modere Gesellschaft und trugen maßgeblich dazu bei, dass unsere heutige Welt ist, wie sie ist.

Foto: skeeze / USA
Foto: skeeze / USA

Doch auch die Entdeckung, Erfindung und gezielte Nutzung von Substanzen hat unsere Gesellschaft definiert. Viele Arzneimittel haben das Leben in der Gesellschaft stark verändert, vermutlich keines so drastisch wie die Einführung der Antibabypille - ein Mittel welches zur sexuellen Revolution der Frauen führte.

Aber noch viele andere Wirkstoffe haben das Leben der Menschheit nachhaltig beeinflusst. Mittel wie Penicillin, Aspirin oder Viagra. Obgleich die Wirkung dieser Arzneimittel teilweise nur zufällig entdeckt wurde, sind sie heute unentbehrlich geworden und stellen noch immer Meilensteine in der medizinischen Entwicklung da. Doch schauen wir etwas genauer hin.

Penicillin

Bereits im alten Ägypten wurden Schimmelpilzsporen von altem Brot benutzt, um Halsentzündungen zu heilen. In der Neuzeit entdeckte der Wiener Chirurg Theodor Billrot im Jahr 1874, dass der Pilz Penicillium das Bakterienwachstum verhinderte.

Allerdings wird die endgültige Entdeckung des Penicillin Alexander Flemming zugeschrieben. Er hatte Staphylokokken auf eine Agarplatte als Nährboden gegeben. Bei seiner Rückkehr entdeckte er in der Probe den Schimmelpilz Penicillium, in dessen Umgebung sich das Bakterium nicht vermehren konnte. Seine Untersuchungsergebnisse veröffentlichte er erstmals 1929 und nannte den Wirkstoff Penicillin. Zudem beschrieb er in seinen Forschungsergebnissen, dass dieser Wirkstoff neben Staphylokokken auch Pneumokokken und Streptokokken an der Ausbreitung hinderte. Gegen Salmonellenerreger erwies sich Penicillin jedoch als wirkungslos. Nachdem der Nachweis anhand von Kaninchen erbracht war, dass der Wirkstoff für Menschen unschädlich war, konnte er als Medikament verwendet werden.

Valium

Valium ist der Markenname für Diazepam und wurde von Leo Sternbach im Auftrag für das Pharmaunternehmen Hoffmann-La Roche erzeugt. Der erste taugliche Wirkstoff aus der Gruppe der Diazepame war das Chlordiazepoxid und wurde bereits 1960 unter dem Namen Librium in den deutschen Markt eingeführt. Aufgrund weiterer Forschungsarbeiten bevorzugte der Hersteller bald alle Verbindungen mit Lactamstruktur. Dazu gehört auch das ebenfalls von Leo Sternbach entwickelte Diazepam.

Der Arzneimittelhersteller Hoffmann-La Roche brachte diesen Wirkstoff im Jahr 1963 unter dem Namen Valium auf den Markt und erzielte einen durchschlagenden Erfolg. Deshalb wurde es bereits 1977 von der Weltgesundheitsorganisation in die Liste aller unentbehrlichen Medikamente aufgenommen. Bis ins Jahr 2005 war Diazepam das Benzodiazepin mit der höchsten Verschreibungsquote.

Viagra

Das Pfizer-Forschungsinstitut beauftragte zu Beginn der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein Team von Forschern damit, ein neues Mittel gegen Herzbeschwerden zu entwickeln.

Der von ihnen entwickelte Wirkstoff UK-92480 erwies sich als Enzym PDE-5 Hemmer und bereits die ersten Patientenversuche gaben Anlass zur Hoffnung. Allerdings berichteten einige männliche Probanden von mehreren Erektionen in den darauf folgenden Tagen nach der Einnahme. Zunächst sah der Leiter der Forschungsgruppe darin keinerlei Nutzungsmöglichkeit und der Hersteller Pfizer meldete den Wirkstoff Sildenafil Citrate 1991 als Patent an.

In weiteren Versuchen erwies sich das Medikament bei Herzbeschwerden jedoch als wirkungslos, weshalb die Wirkung auf die sexuelle Stimulierung genauer beobachtet wurde. In einer neu angelegten Studie in Frankreich, Schweden und England berichteten 90 Prozent der Probanden, dass durch den Wirkstoff eine verbesserte Erektionsfähigkeit entstehe und dabei weitestgehend keine oder nur milde Nebenwirkungen auslöse. 1998 bekam Pfizer die Genehmigung der US-Gesundheitsbehörde zur Freigabe von Viagra zur Behandlung von erektiler Dysfunktion. Das Potenzmittel erlangte daraufhin eine enorme Bekanntheit und zählt auch heute noch zu einem der bekanntesten Medikamente weltweit. Trotz ausgelaufenem Patent für den Wirkstoff Sildenafil macht Pfizer auch heute noch Milliardengewinne mit dem Medikament.

Ibuprofen

Stewart Adams entdeckte diesen Wirkstoff im Rahmen eines Forschungsprojekts des Herstellers The Boots Pure Drug Company Ltd. zwischen 1950 und 1960. Das eigentliche Ziel war ein Medikament gegen rheumatische Erkrankungen und nahm sich die Acetylsalicylsäure als Vorbild. Aber die ersten Versuche mit Phthalsäure- und Salicylsäure-Abkömmlingen erwiesen sich als überaus giftig und die Suche nach neuen Wirkstoffen wurde auf alternative Carbonsäureverbindungen ausgeweitet. 1958 zeigte sich eine Gruppe von Phenoxyalkansäuren als vielversprechend, was der Konzern aber ursprünglich als Herbizid entwickelt hatte.

Erste klinische Versuche schlugen zwar fehl, jedoch gelang 1961 John Nicholson der Durchbruch mit synthetisierter Phenylalkansäure. Von drei klinisch getesteten Substanzen, erwies sich Ibuprofen als wirkungsvoll und sicher.

Antidepressiva

Die stimmungsaufhellende Wirkung verschiedener Kräuter und natürlich vorkommenden Wirkstoffen wie Johanniskraut ist den Menschen schon sehr lange bekannt. Allerdings begründete der Psychiater Emil Kraepelin 1883 die moderne Psychopharmakologie, indem er die Wirkung von Medikamenten auf die Psyche genau beschrieb.

Er führte auch Versuche mit einer Placebo-Kontrolle durch und untersuchte die Auswirkungen von unterschiedlichen Dosierungen. Ein großer Durchbruch war auch die Einführung von Lithium mit seiner antimanischen Wirkung. Seit 1952 werden Psychosen mit Chlorpromazin behandelt und seit 1957 wird Imipramin gegen unipolare Depressionen verordnet. Im Jahr darauf folgte Haloperidol als neues Antidepressiva.

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