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Donnerstag, 07.12.2017

Zündstoff vor DFB-Bundestag

Wie soll in Zukunft der Aufstieg aus den Regionalligen in die 3. Liga geregelt werden? Dieses Thema sorgt seit Jahren für Streit und soll am Freitag beim DFB-Bundestag endlich entschieden werden. Es überlagert sogar den geplanten Millionen-Bau der neuen DFB-Akademie.

Von Sebastian Stiekel und Arne Richter

© Bernd Thissen/dpa (Symbolfoto)

Frankfurt/Main. Waldhof Mannheim. Kickers Offenbach. Bayern München II. Das sind nur die drei namhaftesten Vereine, die in den vergangenen Jahren in den umstrittenen Aufstiegsspielen der Fußball-Regionalligen gescheitert sind. Nach jahrelanger Kritik soll diese Regelung am Freitag beim Außerordentlichen Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes endlich reformiert werden.

Doch es passt zur momentanen Verfassung des DFB, dass auch dieser Prozess nicht ohne heftige Auseinandersetzungen und nicht ohne Gefeilsche hinter den Kulissen abläuft. Dafür aber mit einer Verbandsspitze, die viel versucht, aber nur selten etwas in den Griff bekommt. Das war schon beim Thema Videobeweis und beim Grundlagenvertrag so. Und das könnte nun am Freitag in Frankfurt zu einer Kampfabstimmung über gleich mehrere Reformvorschläge führen.

DFB-Präsident Reinhard Grindel ist für ein vermeintliches Konsens-Modell: Danach soll es bei fünf Regionalliga-Staffeln bleiben, aber künftig vier statt bisher drei Aufsteiger geben. Die Meister der mitgliederstarken Regionen im Westen und Südwesten sollen jedes Jahr direkt aufsteigen, der dritte Aufstiegsplatz nach einem Rotationsmodell an den Erstplatzierten aus dem Norden, Nordosten oder Bayern gehen und der vierte nach zwei Playoff-Spielen zwischen den Meistern der beiden übrig gebliebenen Staffeln vergeben werden.

Grindel hält das für eine „gerechte Lösung“. Sie hätte den Vorteil, dass die neuen Bundesländer ihre eigene Regionalliga behalten könnten. Sie wäre jedoch sportlich ungemein kompliziert.

Deshalb gibt es auch gleich mehrere Ideen, künftig nur noch vier Regionalligen zu betreiben, deren Meister direkt aufsteigen. Die Landesverbände des DFB sind sich jedoch nicht einig, wo sie bei einem solchen Modell die Grenzen ziehen sollen. Der Osten pocht allein aus historischen Gründen auf eine eigene Staffel. Im Westen und Südwesten argumentiert man: Wir haben doch viel mehr Vereine.

Noch am Mittwochabend traf sich Grindel mit Vertretern aller Landesverbände, um einen Konsens zu finden oder zumindest eine Kampfabstimmung während des Bundestages zu vermeiden. Insider berichteten von langwierigen und komplizierten Diskussionen.

Allein die Notwendigkeit dieses Termins zeigt: Es wird am Ende eine Entscheidung geben, bei der sportpolitische Fragen ein stärkeres Gewicht haben als sportliche Kriterien. Auch Grindels komplizierte Wunschlösung ist ein Versuch, es allen irgendwie recht zu machen.

Der DFB-Präsident wird außerdem noch dafür kritisiert, das Thema unbedingt an diesem Freitag beim Bundestag durchpeitschen zu wollen. Ausgerechnet der langjährige DFB-Generalsekretär und jetzige Karlsruher-SC-Geschäftsführer Helmut Sandrock sagte dem „Kicker“: „Der zeitliche Druck muss raus. Das ist besser, als nun ein unausgegorenes Modell zur Abstimmung zu stellen.“

Der Streit um die Aufstiegsregelung passt zur Situation, in der sich der größte Sportfachverband der Welt zurzeit befindet: Überall gibt es Baustellen, die selbst verschuldet sind. Die chaotische Umsetzung des Videobeweises und der große Streit im Schiedsrichter-Wesen sind nur zwei Beispiele dafür. Die Aufregung um den Grundlagenvertrag zwischen dem DFB und der Deutschen Fußball Liga gehört auch dazu.

Eigentlich regelt dieser Vertrag, dass die DFL dem Verband jedes Jahr drei Prozent ihrer Medien- und Ticketeinnahmen überweist. Im Frühjahr wurde jedoch eine geheime Zusatzvereinbarung bekannt, die diese Zahlungen deckelt. Am Freitag soll den insgesamt 263 Delegierten des DFB-Bundestages diese Zusatzvereinbarung offengelegt werden.

Das einzige, wofür der Verband nie etwas konnte, waren die immensen Verzögerungen beim Prestigeprojekt DFB-Akademie. Zahlreiche Gerichtsverfahren des bisherigen Rennbahnbetreibers sorgten dafür, dass der DFB den geplanten und mittlerweile 123 Millionen Euro teuren Bau eines Leistungs- und Verwaltungszentrums auf dem Gelände der Frankfurter Galopprennbahn erst an diesem Freitag zur Abstimmung stellen kann. Die Verbandsspitze rechnet mit einer Zustimmung für das Projekt. „Wir benötigen einen neuen Impuls in der Nachwuchsarbeit. Wir sind in den europäischen Clubwettbewerben aktuell nicht so erfolgreich, wie wir uns das wünschen“, sagte DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius der „Frankfurter Rundschau“. „Es wäre ein großer Fehler, wenn wir uns auf den Erfolgen ausruhen würden.“ (dpa)

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