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Mittwoch, 27.12.2017

Zu viel Pech mit den Verletzungen

Auch Dynamos Trainer glaubt nicht an einen Zufall und findet bei der Suche nach den Ursachen einen simplen Fehler.

Von Daniel Klein

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Nach 25 Minuten war die Hinrunde für Pascal Testroet schon wieder vorbei, womöglich sogar die ganze Saison. Bei einem Zusammenprall mit Duisburgs Schlussmann zieht sich der Stürmer einen Kreuzbandriss zu.
Nach 25 Minuten war die Hinrunde für Pascal Testroet schon wieder vorbei, womöglich sogar die ganze Saison. Bei einem Zusammenprall mit Duisburgs Schlussmann zieht sich der Stürmer einen Kreuzbandriss zu.

© Robert Michael

Sören Gonther schleicht vom Platz und ahnt, dass er länger ausfällt.
Sören Gonther schleicht vom Platz und ahnt, dass er länger ausfällt.

© Robert Michael

Die Trefferliste ist mehr als umfangreich. Wer in einer Internet-Suchmaschine die Stichworte „Verletzung“ und „Dynamo Dresden“ eingibt, und den Zeitraum auf das vergangene halbe Jahr beschränkt, muss Zeit haben, um sich die Ergebnisse anschauen zu können. Mehr als 400 sind es – nur bei den relevanten Treffern. Natürlich ist das eine Spielerei, doch sie bestätigt ein ungutes Gefühl: Es waren auf jeden Fall zu viele Ausfälle.

Die Historie der Verletzungen beginnt bereits am ersten Spieltag mit dem Kreuzbandriss von Pascal Testroet und endet am 18. mit einem Muskelfaserriss von Marco Hartmann. Auch dazwischen können die Mannschaftsärzte, Physiotherapeuten und Athletiktrainer nicht über mangelnde Beschäftigung klagen. Ein Rekonvaleszent kam bei Dynamo in dieser Zweitliga-Hinrunde selten allein.

Besonders häufig vertreten war der Muskelfaserriss, Kapitän Hartmann fiel deshalb gleich zweimal aus – erst schmerzte es im Gesäß, dann im Oberschenkel. Bei Aias Aosman war das linke Hüftgelenk betroffen, bei Philip Heise ebenfalls der Oberschenkel, bei Manuel Konrad meldeten sich die Adduktoren.

Das ist alles ein bisschen viel, um nur Zufall zu sein – findet auch Uwe Neuhaus. „Es gibt Muskelverletzungen, die kann man erklären“, sagte der Trainer kurz vor seiner Abreise in den Weihnachtsurlaub. „Aber diese Serie bereitet uns Sorgen, weil teilweise Regionen betroffen sind, die normalerweise nicht kaputtgehen.“ Gemeint sind Gesäß und Hüfte – Körperpartien, die bisher nicht unter Verdacht standen, bei Fußballern besonders anfällig zu sein. Ein zweiter Fakt, der stutzig macht: Häufig verletzten sich die Spieler im Training. Dort sind die Belastung und Beanspruchung in der Regel nicht so hoch wie gegen Ende eines 90-minütigen Spiels.

Bei der Ursachensuche übte Neuhaus erstaunlich offene Selbstkritik. „Wir müssen definitiv unsere Arbeitsweise verbessern und verfeinern“, erklärte er und schloss dabei das gesamte Betreuerteam, „das interne Netzwerk“, ein. „Alle Informationen müssen auch zu jedem gelangen, damit der Austausch noch besser funktioniert.“ Anders formuliert: Es mangelte an Kommunikation und Absprachen. In solchen Fällen gibt es selten einen Schuldigen allein, versagt wurde offensichtlich an mehreren Stellen.

Analysiert wurde die Verletzungshäufigkeit laut Neuhaus innerhalb des Trainerstabes und der medizinischen Abteilung. Das Ergebnis: Nicht immer passten die Einheiten in der zeitlichen Abfolge aufeinander. „Nach einem maximalen Krafttraining kann man definitiv keine Spielformen mit hoher Intensität und Belastung machen“, nannte der 58-Jährige ein Beispiel. „Dann macht der Muskel irgendwann nicht mehr mit.“ Erstaunlich wäre, wenn dies bei Dynamo tatsächlich so passiert sein sollte. Schließlich zählt dies zu den Kardinalfehlern der Trainingssteuerung.

Allerdings passen längst nicht alle Verletzungen in dieses Schema. Dazu gehören die beiden Kreuzbandrisse. Testroet zog sich seinen bei einem unglücklichen Zusammenprall mit Duisburgs Torhüter Mark Flekken zu, Sören Gonther bekam im Spiel gegen Arminia Bielefeld einen Schlag gegen das Gelenk, in dem bereits eine Plastik als Bandersatz eingesetzt war. Beides gehört in die Kategorie: kann passieren. Das gilt wohl ebenso für den Meniskuseinriss bei Ersatzkeeper Patrick Wiegers und die langwierige Verletzung von Niklas Hauptmann, die ihren Anfang in den Adduktoren nahm, dann in die Wade zog.

Bei der Fehleranalyse kam auch der Personalschlüssel zur Sprache. Neuhaus findet, dass Dynamo da prinzipiell „gut aufgestellt“ sei. „Aber wenn man uns mit vielen anderen Vereinen vergleicht, sind wir schon noch ein Stückchen hintendran.“ Noch fehlen würden ein „Osteopath, der permanent bereitsteht“ sowie „ein Mentaltrainer. Das wäre eine Aufstockung, die wir irgendwann mal anstreben müssen. Ob das zum jetzigen Zeitpunkt notwendig und auch finanzierbar ist – das lasse ich mal dahingestellt.“ Vorerst muss es ohne gehen. Eine bessere Trainingssteuerung und Kommunikation könnten schon helfen.

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