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Mittwoch, 25.01.2017

Zu Gast bei Freunden

Der ehemalige Bundestrainer Guidetti fühlt sich trotz jüngster Terrorakte in Istanbul sicher. Doch er warnt sein Team vor den Volleyballerinnen des DSC.

Von Michaela Widder und Alexander Hiller

Wiedersehen macht Freude. DSC-Libero Myrthe Schoot (l.) umarmt ihre Ex-Kollegin Kristina Mikhailenko. Die Weißrussin spielt seit 2016 in der Türkei und guckt sich das Gastspiel ihres Ex-Klubs in Istanbul an.
Wiedersehen macht Freude. DSC-Libero Myrthe Schoot (l.) umarmt ihre Ex-Kollegin Kristina Mikhailenko. Die Weißrussin spielt seit 2016 in der Türkei und guckt sich das Gastspiel ihres Ex-Klubs in Istanbul an.

© Matthias Rietschel

Alexander Waibl neigt dazu, den nächsten Gegner ein bisschen stärker zu reden, als er ist. Vor dem nächsten Spiel in der Champions League hat der 48 Jahre alte Trainer des deutschen Volleyball-Meisters Dresdner SC aber sicher nicht übertrieben. „Vakifbank ist eines der besten drei Teams der Welt“, betont er, „die Nationalmannschaften eingeschlossen.“

Vor dem dritten Duell in der Königsklasse schiebt der DSC dem Kontrahenten aus der Türkei nur allzu gern die Goliath-Rolle zu. Allein Vakifbanks chinesische Topangreiferin Zhu Ting soll ein Jahressalär von etwa einer Million Euro einstreichen. Das wäre die doppelte Summe dessen, was der DSC in dieser Saison für den gesamten Spieleretat vorgesehen hat. Der türkische Meister soll mit einem Budget von acht bis neun Millionen Euro planen, laut einer Pressemitteilung der Dresdner sogar mit 15 Millionen, der DSC mit 1,65 Millionen. Die nackten Zahlen spiegeln das sportliche Vermögen nicht realistisch wider, sondern eher die unterschiedlichen Nachfragewerte in beiden Ländern.

Der eigentliche Star im Team des zweifachen Königsklassensiegers sitzt auf der Bank: Giovanni Guidetti, von 2006 bis Januar 2015 Bundestrainer der deutschen Frauen. Der 44-jährige Italiener arbeitet seit 2008 für den – dank des staatlichen Geldinstituts – finanziell potenten Volleyballklub. Er ist seit 2013 mit der ehemaligen türkischen Nationalspielerin Bahar Toksoy verheiratet, im September 2016 wurde Tochter Alison geboren. Dass Guidetti auch die türkische Nationalmannschaft als Coach übernommen hat, macht das Familienglück perfekt. „Die Türkei hat mir die Möglichkeit gegeben, meinen Job zu machen und zwölf Monate lang mit meiner Tochter zusammen zu sein. Das war für mich eine super Motivation, die neue Doppelaufgabe anzunehmen“, erklärte Guidetti auf Anfrage der SZ. Zuvor hatte er Holland mit DSC-Libero Myrthe Schoot bei Olympia in Rio auf Rang vier geführt.

Der extrovertierte Weltbürger beurteilt die angespannte politische Lage in der Millionenmetropole seit dem Neujahrsanschlag auf einen Nachtklub eher nüchtern. „Natürlich ist es in Istanbul ein bisschen gefährlich, aber welche Großstadt ist das heutzutage nicht“, meint er. 39 Tote hatte es bei dem Terroranschlag gegeben. Das Auswärtige Amt hat jedoch derzeit keine Reisewarnungen für die Türkei herausgegeben. Auch Guidetti hält das für richtig.

„Ich will dennoch so leben, dass niemand mir vorschreiben kann, was ich mache. Ich fliege überallhin, ich gehe dorthin, wo ich gern hingehen möchte. Ich habe keine Angst“, bekräftigt er. „Natürlich weiß ich, dass immer etwas passieren kann. Aber passieren kann mir auch etwas, wenn ich im Wald laufe. Ich will immer 110 Prozent leben. Ich lasse mich dabei von niemandem stoppen.“

Dass er sportlich am Mittwochabend vom Dresdner SC gestoppt werden könnte, gilt als sehr unwahrscheinlich. Obwohl Vakifbank vor knapp einer Woche das türkische Pokalfinale gegen den Stadtrivalen Fenerbahce mit 0:3 verloren hat. „Gegen den DSC wird es kein leichtes Match. Meine Mannschaft ist ein bisschen niedergeschlagen wegen des Pokalfinals, und Dresden kann hier ganz befreit aufspielen“, sagt Guidetti. Sein Kollege Alex Waibl meint: „Die Frage ist nicht, was wir dort erreichen können, sondern was wir von so einem Team lernen können. Schon ein Satzgewinn wäre utopisch.“ Vielleicht hat der DSC-Trainer da mal nicht tiefgestapelt.

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