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Mittwoch, 14.02.2018

Zebrastreifen statt Ampeln

Über 50 neue Fußgängerüberwege wünschen sich Dresdner. Die Stadtverwaltung will sich die Vorschläge anschauen.

Von Sandro Rahrisch

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Am Altmarkt würde sich ein 3-D-Zebrastreifen doch ganz chic auf der sonst faden Wilsdruffer Straße machen und den Fußgängern mehr Sicherheit bieten.
Am Altmarkt würde sich ein 3-D-Zebrastreifen doch ganz chic auf der sonst faden Wilsdruffer Straße machen und den Fußgängern mehr Sicherheit bieten.

© Rene Meinig / dpa Montage SZ

Dresden. Die Landeshauptstadt besitze ein Zebrastreifen-Defizit, findet Rot-Grün-Rot und fordert, noch in diesem Jahr 20 neue Fußgängerüberwege einzurichten. So soll einer zum Beispiel über die Bayrische Straße hinterm Hauptbahnhof führen. Das wäre schon mal ein Anfang. Und der Rest? SZ-Leser machten dazu über 50 Vorschläge, die wir in der interaktiven Karte markiert haben.

Wo wünschen sich Dresdner neue Zebrastreifen?

Fast 60 Vorschläge sind in den letzten Tagen bei der SZ eingegangen. So wird sich auf der Freiberger Straße in Höhe der alten Schwimmhalle ein Zebrastreifen gewünscht. Auch vor der Montessori-Schule an der Pirnaer Landstraße in Leuben wird ein Fußgängerüberweg gefordert. Gleich zweimal taucht das Käthe-Kollwitz-Ufer in den Leserzuschriften auf. Ein Streifen wird zwischen Albert- und Waldschlößchenbrücke in Höhe Bundschuhstraße vorgeschlagen, ein zweiter in Richtung Blaues Wunder an der Schubertstraße. Auch die Stauffenbergallee wird mehrmals genannt. Sowohl in Höhe des Zollamtes als auch an der Kreuzung Hammerweg wünscht man sich eine sichere Überquerung der Straße. Auf der Wilsdruffer Straße sollen Zebrastreifen die Ampeln ersetzen, die für Spaziergänger zwischen Alt- und Neumarkt gedacht sind. Alle bisherigen Vorschläge haben wir auf der untenstehenden Karte zusammengefasst.

Will die Stadt überhaupt mehr Zebrastreifen einrichten?

Das ist zumindest das erklärte Ziel. Durch den verstärkten Einsatz von Zebrastreifen und Mittelinseln sollen Fußgänger sicherer über die Straße kommen, heißt es im aktuellen Verkehrsentwicklungsplan. Die rot-grün-rote Ratsmehrheit hat dieses Ziel in ebenfalls ihre Kooperationsvereinbarung aufgenommen.

Was passiert mit den Zebrastreifen-Vorschlägen?

Das Straßen- und Tiefbauamt wird die Vorschläge aus Politik und Öffentlichkeit jetzt prüfen, sagt Amtsleiter Reinhard Koettnitz. Noch in diesem Jahr sollen mehrere, teils gefährliche Stellen sicherer werden. So ist unter anderem eine Mittelinsel am Käthe-Kollwitz-Ufer im Bereich Goetheallee/Prellerstraße geplant. Außerdem seien Planungen für eine Mittelinsel am Markusplatz in Pieschen sowie für Übergänge in Eschdorf und am neuen Schulcampus in Pieschen im Gange, so Koettnitz.

Wie viele Zebrastreifen gibt es schon in Dresden?

„Wie viele Fußgängerüberwege und Mittelinseln wir in Dresden haben, ist statistisch nicht erfasst“, so Koettnitz. Vor fünf Jahren gab es noch Zahlen. Damals teilte Verwaltung auf eine Stadtratsanfrage mit, dass es 19 Zebrastreifen gibt.



Dürfen überall Zebrastreifen auf die Straße gemalt werden?

In Spitzenstunden müssten mindestens 200 Autos und 50 Fußgänger unterwegs sein, um einen Überweg zu rechtfertigen. Das regelt eine Richtlinie. Außerdem dürfen Zebrastreifen nur auf Straßen eingerichtet werden, auf denen es eine Autospur je Richtung gibt. Auch zwei Fußwege pro Straßenseite sind eine Voraussetzung – und zwar nur Fußwege. Teilen sich Fußgänger und Radfahrer den Weg, ist ein Zebrastreifen schon ausgeschlossen.

Untersagt sind Überwege auch auf Strecken, auf denen die Ampeln mittels Grüner Welle abgestimmt sind. Darüber hinaus dürfen die Wege nicht über Busspuren sowie Straßenbahngleise führen, die auch von Autos befahren werden. Fährt die Tram über einen eigenen Gleiskörper wie auf der Wilsdruffer Straße, sieht die Sache anders aus. Allerdings müssten die Schienen dann mit einem versetzten Geländer abgeschrankt werden.

Wie viele Menschen werden beim Überqueren der Straße verletzt?

Insgesamt 289 Unfälle führte die Polizei 2016 auf falsches Verhalten von Fußgängern selbst und gegen Fußgänger fest. In fast 90 Prozent der Fälle wurden Unfallbeteiligte verletzt, darunter 48 Kinder. Wie viele Unfälle an Ampeln, Mittelinseln oder Zebrastreifen passierten, ist unklar. Das wird von der Stadt nicht gezählt.

Wie sieht es mit 3D-Zebrastreifen in Dresden aus?

Braunschweig will als erste deutsche Stadt dauerhaft einen dreidimensional erscheinenden Zebrastreifen einrichten. Durch seine schwebende Wirkung hat der Autofahrer den Eindruck, er fahre jeden Moment gegen die Blöcke. Er bremst ab, so der Plan. Für Dresden käme dieser Zebrastreifen durchaus infrage, sagt Stadtrat und SPD-Verkehrsexperte Hendrik Stalmann-Fischer. Kritiker bezweifeln allerdings, dass solche Fußgängerüberwege die Sicherheit erhöhen. Schließlich würden Autofahrer erschrecken und könnten versuchen, hastig auszuweichen, so die Begründung.

Wie oft sind die Dresdner zu Fuß unterwegs?

Auf kurzen Strecken kommt es für viele Dresdner nicht infrage, Auto, Bus oder Bahn zu nehmen. Knapp 80 Prozent laufen lieber, wenn der Weg kürzer als ein Kilometer ist, wie aus der Mobilitätsbefragung hervorgeht. Selbst auf Strecken bis drei Kilometer bevorzugen noch 26 Prozent der Dresdner die Beine. Am häufigsten sind die Menschen in den Ortsämtern Altstadt, Plauen und Pieschen zu Fuß unterwegs, am seltensten die Leubener und Klotzscher.

Welche Alternativen gibt es zum Zebrastreifen?

Klarer Konkurrent ist die Fußgängerampel. Auf diese will und kann Dresden auch in Zukunft nicht verzichten. An mehrspurigen Straßen zum Beispiel gibt es kaum Alternativen. Allerdings will Dresden verhindern, dass Fußgänger davor oder dahinter über die Straße rennen. Das soll geschafft werden, indem sich die Wartezeiten an den Ampeln verkürzt. Außerdem möchte die Verwaltung prüfen, ob sich in Dresden Countdown-Displays lohnen, welche die restliche Wartezeit anzeigen. Auch Ampeln, die auf Tastendruck aktiviert werden und sonst dunkel bleiben, sollen laut Verkehrsentwicklungsplan erprobt werden.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 32 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Adrian

    Die Querung vom Altmarkt in die Schlossgasse auf der Wilsdruffer ist sehr sinnvoll. Hier dürfen die Autos eh nicht mehr als 20 fahren. Zudem habe ich den Sinn der Ampeln da noch nie verstanden. Für die Radfahrer gibt es eine Ampel über die Schienen, aber nicht über die Straße. Für die Fußgänger ist es genau umgekehrt. Das verwirrt mich jedes Mal wieder.

  2. Xy

    Der Zebrastreifen am Zollamt müsste bitte auf Höhe Hartmut-Dost-Straße verschoben werden, da sich dort für Fußgänger ein Durchgang dorthin befindet. Oder man macht dort zusätzlich noch einen hin.

  3. DDler

    Zebrastreifen an Stellen wie der Wilsdruffer Straße sowie hinter dem Hbf auf der Bayrischen Straße finde ich sehr sinnvoll. Die Ampeln auf der Wilsdruffer Straße empfinde ich als Makulatur. Eigentlich wäre hier ein verkehrsberuhigter Bereich, in dem Autos geduldet werden aber langsam fahren müssen, viel sinnvoller.

  4. P. H.

    Hier meine vorläufige Liste aller derzeit vorhandener Fußgängerüberwege in der Landeshauptstadt Dresden: 1. Marienberger Str. Höhe Konsum-Ausbildungsmarkt 2. Prohlis, Gamigstr. Nähe Kreisverkehr 3. Prohlis, Gamigstr. Höhe Jacob-Winter-Platz 4. Prohlis, Prohliser Straße Höhe Hülßestraße 5. Räcknitzhöhe im Bereich Gymnasium 6. Altkaitz, Boderitzer Str. 7. Dobritz, Zamenhofstr., Höhe Neundorfer Str./Birkwitzer Weg 8. Caspar-David-Friedrich-Str. Höhe Schurichtstr. 9. Cossebaude, Bahnhofstr. 10. Cossebaude, Hauptstr. 11. Müller-Berset-Str., Ecke Heubnerstr. 12. Clara-Zetkin-Str., Ecke Dölzschener Str. 13. Berggartenstr./Oehmestr./Voglerstr. (fünfarmiger Kreisverkehrsplatz) 14. Langebrück, Dresdner Str., Am Bahnhof 15. Gorbitz, Hirtenstr. 16. Fritz-Meinhardt-Straße Höhe Altnickern Die Zahl 19 kann also hinkommen.

  5. P. Hartmann

    Die Ampeln auf der Wilsdruffer Straße sind hinsichtlich der viel zu langen Grünphasen für Fußgänger schon schlimm genug. Wenn dort jetzt noch Zebrastreifen hinkommen, dann gehen dort die Fußgänger in einem niemals abreißenden Strom über die Straße und man kommt mit dem Auto gar nicht mehr durch! Gerade wenn auf dem Altmarkt irgendein Weihnachts- /Herbst- / Frühlings- Winter- oder was weiß ich für ein "Markt" stattfindet, muss man ohnehin schon aufpassen, dass man keinen betrunkenen Besucher aufgabelt. Entlang des Marktes gehört ein Geländer als Absperrung hin, damit das nicht passieren kann! Dann kann auch das unsinnige Tempo 20 wieder aufgehoben werden und man kann den Bereich wieder zügig passieren!

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