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Montag, 12.02.2018

Zahl der Grippe-Fälle verdoppelt

Die Hochburg im Landkreis ist Görlitz. Aber auch den Süden und den Norden hat‘s erwischt.

Von Daniela Pfeiffer

Nach wie vor ist Tamiflu das Mittel Nummer eins, wenn einen die echte Grippe niedergestreckt hat. Claudia Werner von der Mohren-Apotheke in Görlitz und ihre Kolleginnen verkaufen in diesen Tagen aber auch jede Menge Hustensaft, Nasensprays und Halstabletten.
Nach wie vor ist Tamiflu das Mittel Nummer eins, wenn einen die echte Grippe niedergestreckt hat. Claudia Werner von der Mohren-Apotheke in Görlitz und ihre Kolleginnen verkaufen in diesen Tagen aber auch jede Menge Hustensaft, Nasensprays und Halstabletten.

© Nikolai Schmidt

Region. Sich nicht anzustecken scheint derzeit eine Kunst – zumindest an großen Einrichtungen in Görlitz. Ziemlich ausgedünnt hat die Erkältungs- und Grippewelle in den letzten Tagen unter anderen Schulen wie das Joliot-Curie-Gymnasium, aber auch das Städtische Klinikum.

Wie das Gesundheitsamt des Landkreises mitteilte, haben sich die bestätigten Influenza-Fälle in der vergangenen Woche im Vergleich zur Woche davor noch einmal verdoppelt. Das könne zwar auch daran liegen, dass mehr Diagnostik durchgeführt werde. Trotzdem bestätigt zumindest die gefühlte Wahrnehmung, dass zurzeit irgendwie jeder krank zu sein scheint. Eindeutiger Schwerpunkt im Kreis sei Görlitz, heißt es aus dem Gesundheitsamt. Hier besonders ein Krankenhaus – mit Häufungen auf den Stationen und beim Personal. Konkrete Angaben macht das Amt nicht, aber Katja Pietsch, Sprecherin des Städtischen Klinikums, bestätigt, dass das Haus doch ziemlich von der Grippe- und Erkältungswelle betroffen ist. Die Grippepatienten seien verstreut auf allen möglichen Stationen. Verschärft werde die Situation diesmal durch hohen Personalkrankenstand. Ob das alles Grippefälle sind, lasse sich allerdings nicht sagen, da es generell nicht üblich ist, dem Arbeitgeber den Grund für eine Krankschreibung mitzuteilen. Aktuell laufe der Betrieb aber wieder weitgehend regulär. „Wir haben zügig durch Isolierung und Umverlegung von erkrankten Patienten sowie eingeschränkter Durchführung von geplanten Eingriffen eine Ausbreitung verhindert“, sagt Katja Pietsch. Vorsicht sei weiterhin geboten, da die Zahlen deutschlandweit noch steigen und das Hoch der Grippewelle noch nicht erreicht sei. Händedesinfektion vor und nach Betreten des Zimmers sei deshalb besonders wichtig. Nicht nur wegen der Influenza, sondern auch, um sich keinen lästigen Husten oder Schnupfen zu holen.

Zwar sagt das Gesundheitsamt, dass die Erkältungszahlen derzeit noch unter denen des Vorjahres liegen, trotzdem: Wen es erwischt, der hat buchstäblich die Nase voll. Und wie Gisela Steckel von der Görlitzer Mohren-Apotheke beobachtet, betrifft das zurzeit sehr viele Görlitzer. „Die Grippewelle merken wir noch nicht so, aber Antibiotika, Hustensaft, Nasenspray gehen zurzeit viel raus.“ Bei der richtigen Grippe sei nach wie vor Tamiflu das Mittel der Wahl, das vor allem für Kinder oft verschrieben werde. „Es ist nicht ganz unumstritten, aber das handhaben die Ärzte unterschiedlich“, sagt sie.

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Wenn auch den Zahlen nach Görlitz der Grippeschwerpunkt ist – verschont bleibt der restliche Landkreis nicht. „Auch am Klinikum Oberlausitzer Bergland ist ein Anstieg der Patientenzahlen und dabei eine Häufung von Infekten zu erkennen. Bestätigte Influenzafälle sind aktuell jedoch die Ausnahme“, so Steffen Thiele vom Klinikmanagement. Ohne jede Beeinträchtigung lief bislang der Krankenhausbetrieb in Niesky ab, wo es bislang nur einen Influenza-Patienten gab. Auch personell gab es bislang keine Krankheitsausfälle.

Von der Dramatik des letzten Winters ist der Landkreis also noch ein gutes Stück entfernt. Und doch sind bereits zwei Grippetote zu beklagen. Zum Vergleich: 13 Tote gab es in der vergangenen Saison, weit über 1 000 gemeldete Influenza-Fälle – und schätzungsweise eine noch deutlich höhere Dunkelziffer, wie Amtsarzt Christoph Ziesch damals sagte. Impfen lassen kann man sich nach wie vor, heißt es aus dem Gesundheitsamt. Vor allem chronisch Kranke sowie ältere Menschen sollten das tun, und zwar mit dem sogenannten tetravalenten Impfstoff – der enthält zwei Influenza-A- und zwei Influenza-B-Stämme. Nachimpfungen mit diesem Stoff erfolgen im Gesundheitsamt jedoch nicht. Wer will, kann sich vom Arzt ein Rezept dafür holen, ihn in der Apotheke besorgen und wiederum vom Arzt impen lassen.

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