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Donnerstag, 28.12.2017

Wolfsvideos erregen Aufsehen

Zwei Amateurfilme zeigen den Wolf zwischen Neudorf und Streumen. Experten halten die Aufnahmen für authentisch.

Von Antje Steglich

Das Bildmaterial ist zwar unscharf und verwackelt – trotzdem sind sich Experten relativ sicher, dass es sich bei dem Tier um einen Wolf handelt. Der kleine Film ist wie auch ein zweiter vor wenigen Tagen zwischen Neudorf und Streumen aufgenommen wurden, der Urheber ist unbekannt.
Das Bildmaterial ist zwar unscharf und verwackelt – trotzdem sind sich Experten relativ sicher, dass es sich bei dem Tier um einen Wolf handelt. Der kleine Film ist wie auch ein zweiter vor wenigen Tagen zwischen Neudorf und Streumen aufgenommen wurden, der Urheber ist unbekannt.

© Screenshot SZ/Facebook

Zeithain. Morgens kurz nach sieben. Es wird gerade erst hell zwischen Streumen und Neudorf, die Fahrzeuge auf den kleinen Straßen haben noch Licht an. Aus dem Autoradio plärrt die MDR Jump Morning-show, während auf dem wackeligen, wahrscheinlich mit einem Handy aufgenommenen Video am rechten Rand ein Tier auftaucht. Das Auto fährt langsam weiter, zwei Männer unterhalten sich – und der Vierbeiner läuft weiter übers Feld in Richtung Straße. Als das Tier nun plötzlich über die Straße rennt, muss auch das entgegenkommende Fahrzeug abbremsen. Es rollt erst langsam weiter, als das Tier in Richtung Windrad davonrennt. Ein älterer Mann mit Mütze schaut aus dem Auto herüber. Dann stoppt das Video. Es ist eine knappe halbe Minute lang.

Der kleine Film kursiert zurzeit bei Facebook und WhatsApp. Wird geteilt und weitergeschickt und ist in aller Munde. Zwar war der Urheber trotz intensiver Recherche bislang nicht zu ermitteln, über die Echtheit gibt es aber kaum einen Zweifel. Es soll erst vor wenigen Tagen entstanden sein – und dürfte eines der ersten echten Wolfsvideos aus der Region sein.

„Gemäß Bewertung durch Lupus handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Wolf“, sagt der Wolfbeauftragte des Landkreises Torsten Peters auf Nachfrage der SZ und bezieht sich auf Aussagen des Wildbiologischen Büros in Spreetal bei
Hoyerswerda. Das Video ist Torsten Peters bereits bekannt. Er verweist allerdings darauf, dass es unscharf und stark verwackelt ist, und sich dadurch nicht alle Details erkennen lassen. Ungewöhnlich sei eine Aufnahme von einem Wolf für ihn allerdings nicht mehr, schließlich ist die Gohrischheide nur wenige Hundert Meter entfernt. Dort lebt dort ein Rudel mit wahrscheinlich bis zu zehn Wölfen. Dass es noch ein zweites Video gibt, dürfte deshalb nicht erstaunen. – Dieses ist nahezu zur selben Zeit und ganz in der Nähe zum ersten Video entstanden und zeigt den Wolf, wie er erst parallel zur Betonstraße außerhalb der Dörfer rennt, dann die Piste vor einem Auto quert und schließlich in Richtung Umspannwerk Streumen übers grüne Feld davonrennt.

Tiere meiden den Menschen

„Es sieht aus, als hätte er was im Maul“, sagt der für die Gohrischheide zuständige Revierförster Stefan Müller nach dem Studium des Videos. Das könnte ein kleiner Hase oder ein anderes Beutetier sein, vermutet er. Und vielleicht sei das auch der Grund, warum der Wolf überhaupt noch so spät unterwegs war. Normalerweise jagen die Tiere nämlich zwischen dem späten Nachmittag und dem Morgen und legen dabei täglich im Durchschnitt 40 Kilometer zurück. Tagsüber ziehen sie sich dagegen an einen ruhigen Platz zurück. Denn die Tiere sind normalerweise sehr scheu, sagt Stefan Müller. „Er ist dieses Mal einfach zu spät nach Hause gekommen. Und man sieht auch, dass er in Panik ist und Scheu zeigt.“ Umso erfreulicher, dass es dieses Mal keinen Unfall gegeben hat und die Autofahrer langsam gefahren sind, freut sich der Förster. Er selbst hat das Video von einem Bekannten geschickt bekommen.

Übrigens nicht das erste Mal. Immer wieder werden Stefan Müller Fotos und Videos von Wölfen gezeigt, doch die meisten sind nicht echt oder stammen nicht aus der Region. „Einmal war ein rot geschotterter Weg auf dem Bild, ein anderes Mal ein riesiger Eichenbaum – so was habe ich in meinem Revier gar nicht.“ Den aktuellen Film hält er allerdings für authentisch. „Vor zehn Jahren konnte man sich das noch gar nicht vorstellen: den Wolf in freier Wildbahn in Mitteleuropa zu sehen. Das ist was Herrliches“, findet der Revierförster. Wohl wissend, dass das Thema unter anderem für Jäger oder Schäfer einen bitteren Beigeschmack hat.