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Freitag, 29.12.2017 Rückblick 2017

Wo Räckelwitz eine Million verbaut hat

Handwerker verpassten der Turnhalle eine Frischekur. Das ließ sich die Gemeinde was kosten. Aus gutem Grund.

Von Manuela Paul

Der Räckelwitzer Bürgermeister Franz Brußk freut sich, dass die Turnhalle nach der Sanierung ein Schmuckstück geworden ist. Rund 1,2 Millionen Euro kostete die Sanierung, fast die Hälfte davon waren Fördermittel.
Der Räckelwitzer Bürgermeister Franz Brußk freut sich, dass die Turnhalle nach der Sanierung ein Schmuckstück geworden ist. Rund 1,2 Millionen Euro kostete die Sanierung, fast die Hälfte davon waren Fördermittel.

© Matthias Schumann

Räckelwitz. Franz Brußk ist zufrieden. Der Räckelwitzer Bürgermeister kann wieder einen Punkt auf der To-do-Liste der Gemeinde abhaken. Die Turnhalle ist saniert. Sie wurde Ende März nach neunmonatiger Bauzeit übergeben. Der Startschuss für das anspruchsvolle Vorhaben fiel im Juli 2016 mit den Abbrucharbeiten im Halleninneren. Auch das Außengelände ist jetzt fertig gestaltet. Inzwischen ist in der Halle auch längst Alltag eingezogen.

Fast jeden Tag sei sie ausgelastet, erzählt der Bürgermeister. Nicht nur durch die Grund- und Oberschüler, sondern auch durch Vereins- und Freizeitsport. Ab Januar wird eine Physiotherapeutin dort beispielsweise einen Bewegungskurs für Senioren anbieten, so Franz Brußk. Die Volleyballer des Sportvereines Viktoria, die ebenfalls dort trainieren, holten dieser Tage sogar den Bezirkspokal, freut er sich.

Die Gemeinde nutzt die Turnhalle aber auch als Veranstaltungsort. So konnten die Senioren zur Adventsfeier jetzt ein ganz tolles Weihnachtskonzert der Grundschule erleben. Außerdem richtete die Gemeinde für sie ein Frühlingsfest aus, „weil voriges Jahr die Weihnachtsfeier wegen der Bauarbeiten ausfallen musste“, so Franz Brußk.

Die Verwaltung der Gemeinde nahm viel Geld in die Hand, um die Bedingungen für Schul- und Freizeitsport zu verbessern. Rund 1,2 Millionen Euro kostete das Projekt insgesamt , fast die Hälfte davon waren Fördermittel. Dafür habe man in Zusammenarbeit mit dem Sportverein Viktoria den Landesfond Sportförderung angezapft, verrät der Bürgermeister. Immerhin nutzen nicht nur etwa 250 Grund- sowie Oberschüler fast täglich die Turnhalle, sondern auch fast 200 Mitglieder des ortsansässigen Sportvereines.

Die restliche Hälfte des Geldes musste die kleine sorbische Gemeinde selbst aufbringen. „Das konnten wir dank solider Finanzen und einer langfristigen Schwerpunktsetzung auch stemmen.“ Der Großteil wurde aus der Rücklagen entnommen. Für den Rest – ganz konkret 180 000 Euro – nahm die Gemeinde einen Kredit auf.

Gefreut hat den Bürgermeister auch, dass sich die Hallennutzer während der Bauzeit mit den eingeschränkten Möglichkeiten arrangierten. Dank des Ideenreichtums und Improvisationsvermögens der Lehrer habe man beispielsweise ganz gute Alternativen zum Unterricht in der Halle gefunden. Trotzdem fieberten natürlich alle der Wiedereröffnung entgegen.

Für den Sport begeistert

In der Halle wurde fast alles erneuert: die Türen und Fenster, die Heizungsanlage, die Entlüftung, der Prallschutz an den Wänden, die Körbe und Tore, die Besucher-Empore und selbstverständlich auch die Sanitäreinrichtungen. Für die Geräte, die beim Schulsport benötigt werden, entstand ein Nebengebäude. 22 verschiede Firmen gaben sich beim „Marathon der Gewerke“, wie Franz Brußk es nennt, auf der Baustelle die Klinke in die Hand. Das erforderte eine funktionierende Logistik. Während der Sanierung wurde auch der Vereinsraum auf Vordermann gebracht – dank der Hilfe der Viktoria-Mitglieder. Und mit noch einer Sache ist Franz Brußk mehr als zufrieden: Sowohl Bauzeit, als auch Kostenrahmen wurden eingehalten. Angesichts vieler Endlos-Baustellen im Land durchaus keine Selbstverständlichkeit.

Aloysius Mikwauschk, seit 1995 Vereinsvorsitzender der „Viktorianer“, erklärte bei der Einweihung, warum die Sanierung dringend notwendig war: „Verschleißerscheinungen am Parkett und im Sanitärbereich waren unübersehbar. Auch den Sicherheitsanforderungen des TÜV konnte nicht mehr entsprochen werden.“ Da das alles abzusehen war, sparte Räckelwitz langfristig für diese Sanierung.

Dass sich das Gemeindeoberhaupt für die Investition stark machte, liegt sicher auch an seiner Sportbegeisterung. Der gebürtige Miltitzer, der seit 1978 mit seiner Familie in Räckelwitz wohnt, war in früher selbst begeisterter Sportler. Hoch zu Roß war er im Dressur- und Springreiten aktiv. Franz Brußk gehörte vor einem Vierteljahrhundert auch zu den Gründungsmitgliedern des Räckelwitzer Sportvereines. Kein Wunder, dass er die Sportstätte als wichtigen Magneten im Ort sieht.

Baustellen hatte der lebenslustige, untersetzte Mit-Sechziger mit der dichten, lockigen, weißen Mähne und dem markanten Vollbart schon etliche in seiner Amtszeit. „Ich baue schon zeitlebens“, erklärt der dienstälteste Bürgermeister im Landkreis Bautzen schmunzelnd. Die Räckelwitzer Turnhalle übrigens bereits zum zweiten Mal. Denn vor einem Vierteljahrhundert weihte er den Hallen-Neubau zum ersten Mal ein. Allerdings wurde das Sportobjekt damals noch mit Material und Bauplänen aus Vorwendezeiten realisiert. Seitdem nagte der Zahn der Zeit kräftig am Gebäude. Doch nun entspricht das Schmuckstück heutigen Standards und Franz Brußk kann das Projekt endlich abhaken.

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