• Einstellungen
Donnerstag, 04.01.2018

Wo es bei der Krone klemmt

Bautzen braucht die Stadthalle, sagen Künstler und Veranstalter. Mit der Sanierung sei es aber noch nicht getan.

Von Marleen Hollenbach

Ein Foto aus besseren Tagen: In der Silvesternacht 2008 herrschte Partystimmung in der Krone. Nun steht die Stadthalle an der Steinstraße zum Verkauf. Künstler, wie die Partyband Jolly Jumper, hoffen, dass das Veranstaltungshaus den Bautzenern erhalten bleibt.
Ein Foto aus besseren Tagen: In der Silvesternacht 2008 herrschte Partystimmung in der Krone. Nun steht die Stadthalle an der Steinstraße zum Verkauf. Künstler, wie die Partyband Jolly Jumper, hoffen, dass das Veranstaltungshaus den Bautzenern erhalten bleibt.

© Uwe Soeder

Bautzen. Das Bild ist alt. Fast zehn Jahre sind seit dem Abend vergangen, an dem der Fotograf auf den Auslöser drückte. Eine Lichtershow, ausgelassene Stimmung, viele Gäste in Feierlaune – an solche Momente erinnern sich die Bautzener gern. Auch heute finden in der Stadthalle noch Konzerte und Partys statt. Doch so unbefangen wie damals geht es nicht mehr zu. Seit der Besitzer verkündet hat, dass er die Krone verkaufen will, wird hinter den Kulissen heftig diskutiert – übers Finanzielle, die Sanierung oder gar den Abriss des Gebäudes.

Wenn die Mitglieder der Bautzener Partyband Jolly Jumper von ihrem letzten Auftritt in der Krone sprechen wollen, dann müssen sie gar nicht weit zurückdenken. Erst am 25. Dezember standen sie dort vor ihrem Publikum. Es sei einfach toll, in dem Gebäude die Atmosphäre einer Konzertbühne genießen zu können, sagen sie.

Und dennoch haben sie jedes Mal auch viel Stress, wenn sie dort einen Auftritt vorbereiten. „Es fehlt einfach ein Künstlerzugang mit einem Lastenaufzug vom Parkplatz zur Bühne“, erklärt Bandmitglied René Grocholl. Alle Be- und Entladevorgänge finden derzeit über den Haupteingang statt. Wenn die Künstler also abbauen, während ein DJ die Veranstaltung beendet, dann müssen sich die Musiker mit ihrem Equipment langsam durch das Publikum quetschen. „Das ist für uns sehr unangenehm“, erklärt Grocholl, der sich auch bessere Technik wünschen würde. Vor allem beim Klang gibt es noch viel Platz nach oben. Zudem könnten Frontlichter und eine indirekte Beleuchtung für ein ansehnliches Ambiente sorgen. Und noch etwas steht auf der Wunschliste der Künstler. „Der Ruf müsste verbessert werden. Viele unserer Fans sagen, dass die Krone ungemütlich ist“, erklärt René Grocholl.

Ruf ist verloren gegangen

Dass der Ruf der Krone ein Knackpunkt ist, findet auch Heiner Platner. Der Görlitzer gründete vor vielen Jahren an der Neiße die gleichnamige Veranstaltungsagentur. Seitdem hat er zahlreiche Konzerte, Kabarettauftritte und Musicals auf die Beine gestellt. Seine Agentur ist in ganz Deutschland tätig – auch in Bautzen. Deshalb weiß er auch: „Konzerthallen, die erfolgreich sind, haben einen bestimmten Charakter. Der ist der Krone verloren gegangen.“

Die Bautzener Stadthalle sei einst für niveauvolles Programm bekannt gewesen, so der Veranstalter. Doch dann hätte das Haus zehn Jahre als Diskothek gedient. Platner will nicht falsch verstanden werden. Auch er organisiert Shows für die Jugend – einen Auftritt der Rammstein-Coverband Stahlzeit zum Beispiel. „Aber damit gehen wir in den Alten Schlachthof und nicht in den Dresdner Kulturpalast“, sagt er. Es sei einfach nicht möglich, in einem Veranstaltungsgebäude alle Genre unter einen Hut zu bringen. Weil die Krone in den letzten Jahren gleichzeitig als Konzerthalle, als Discoschuppen und Theaterersatz gedient hat, wüssten die Besucher nicht mehr, was sie von diesem Haus zu erwarten haben.

Zumal nicht nur ein Künstlerzugang in der Stadthalle fehlt. Auch der BackstageBereich sei in einem schlechten Zustand. Zuletzt organisierte Platners Agentur vor sechs Jahren eine Show in der Krone. Die lief gut, doch der Aufwand war zu groß. Andere Städte, wie zum Beispiel Löbau mit seiner Messehalle, können dem Veranstalter ganz andere Möglichkeiten bieten.

In Bautzen mietet sich Platner nur noch ab und an im Theater ein. Gern würde der Veranstalter mehr Events in die Kreisstadt holen. Doch ins Theater kann er nicht so oft, weil das mit eigenen Veranstaltungen ausgebucht ist. Bleibt neben der Krone nur noch die Halle am Schützenplatz. Doch auch die lehnt der Veranstalter ab. In einer Turnhalle fehle einfach der Charme.

Platner hofft, dass die Stadt die Krone kauft, sie saniert, ihr zu neuem Glanz verhilft. Die Region, da ist er sich sicher, hätte das Potenzial für eine solche Veranstaltungshalle. Zumal das gleich angrenzende Hotel mit seiner Gastronomie gute Voraussetzungen für große Events biete.

Nicht der letzte Auftritt in der Krone

Ein Bautzen ohne eine Stadthalle, das können sich auch die Bandmitglieder von Jolly Jumper nicht vorstellen. „Ein Wegfall der Krone wäre für uns ehrlich gesagt ein Schlag ins Gesicht“, so Grocholl. Er hofft, dass die Stadt die Krone übernimmt, für sie ein stimmiges Konzept erstellt und den Bürgern so Platz für zum Beispiel Konzerte, Bälle, Partys und Jugendweihen bietet. „Wir als Künstler finden, dass Bautzen kulturell anderen Städten hinterherhinkt“, so René Grocholl. Görlitz und Löbau würden Bautzen inzwischen den Rang ablaufen. Daran müsse sich schleunigst etwas ändern. Der Auftritt am ersten Weihnachtsfeiertag soll schließlich nicht ihr letzter in der Krone gewesen sein.

Desktopversion des Artikels