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Freitag, 11.08.2017

Wo das Wasser nicht zu stoppen ist

Erneut wurde ein Hof in Niederuhna überschwemmt. Die Stadt Bautzen ringt um eine Lösung.

Von Marleen Hollenbach

Verwandte, Nachbarn und die Feuerwehr helfen Familie Peschke aus Niederuhna. Zum dritten Mal in diesem Sommer stand ihr Hof unter Wasser. Foto:
Verwandte, Nachbarn und die Feuerwehr helfen Familie Peschke aus Niederuhna. Zum dritten Mal in diesem Sommer stand ihr Hof unter Wasser. Foto:

© Jonny Linke

Bautzen. So einen Sommer hat Familie Peschke noch nicht erlebt. Zum dritten Mal in wenigen Wochen stand ihr Hof in Niederuhna unter Wasser. Zum dritten Mal musste das Ehepaar mit ansehen, wie der Schlamm der höher gelegenen Felder angespült wurde, wie er auf dem Boden der Scheune, auf den hellen Platten im Innenhof und im Garten liegenblieb. Zum dritten Mal waren sie auf die Hilfe von Nachbarn, Verwandten und nicht zuletzt den Kameraden der Feuerwehr angewiesen.

Das Unwetter begann in der Nacht zu Donnerstag. Binnen Minuten kam das Wasser. Die Kameraden der Feuerwehr waren schnell vor Ort. Sie fegten die herbeigespülten Äste weg, kämpfen darum, dass die Abläufe auf dem Hof frei blieben. Bis zum Vormittag waren die Helfer im Einsatz. Margot Peschke ist froh über die viele Hilfe. Doch die 76-Jährige sagt auch: „So kann es doch nicht weitergehen.“

Seit 60 Jahren lebt sie auf dem Hof. Probleme mit dem Regenwasser gibt es erst, seit im höher gelegenen Ort Salzenforst Straßen ausgebaut, Flächen versiegelt wurden, meint sie. Schon in den vergangenen Jahren kämpfte die Familie mit Überflutungen – 2010 und 2016. Vor einem Jahr stand sogar das Erdgeschoss der Peschkes unter Wasser. „Ohne den Hochwasserschutz wäre das wieder so gekommen“, sagt Reiner Peschke. Erst vor ein paar Wochen hat er in Flutschutzwände investiert. So konnte er wenigstens sein Hab und Gut schützen.

Vor sieben Jahren hat er sich erstmals mit seinem Problem an die Stadt gewandt. Doch seither ist nichts passiert. Zwar gibt es Pläne – der Graben soll breiter werden, ein Wall zusätzlichen Schutz bieten – doch die wurden bislang nicht umgesetzt. Reiner Peschke erzählt, dass nach dem Unwetter wieder alle da waren. Mitarbeiter der Stadtverwaltung hätten sich die Lage vor Ort noch einmal angesehen. „Aber das viele Reden bringt doch nichts“, sagt er.

Falko Wendler war einer, der bei Peschke auf dem Hof stand. Der Leiter des Hoch- und Tiefbauamtes erklärt, dass derzeit noch Gespräche mit Grundstückseigentümern geführt werden. Es geht um den Kauf von Flächen, die für den Hochwasserschutz benötigt werden. „Außerdem haben wir ein artenschutzfachliches Gutachten in Auftrag gegeben“, sagt Wendler. Von einem solchen Gutachten sprach schon Baubürgermeisterin Juliane Naumann, als sie Peschkes Ende Juni nach einem Unwetter besuchte. Ergebnisse gebe es dazu aber immer noch nicht. Und dann müssen auch noch Fördermittel beantragt werden. Die Stadtverwaltung will die Formulare schon vorbereiten, damit sie eingereicht werden können, sobald alle Voraussetzungen erfüllt sind. „Wir hoffen, dass wir die Baumaßnahmen im nächsten Jahr einleiten können“, erklärt Wendler. Allerdings sagt er auch: Naturgewalten könne man nie vollständig kontrollieren. Auch seien die Durchlässe wie der kleine Graben nicht dafür ausgelegt, das wild fließende Oberflächenwasser von den Feldern aufzunehmen. „Ohne die Mitwirkung der landwirtschaftlichen Betriebe werden wir das Problem langfristig nicht lösen“, so Wendler.

Gleichzeitig verspricht er, das Gewässer zu kontrollieren, damit sich nicht Äste und Steine vor die Öffnung des Durchlasses legen. Mit einer Kamera will die Stadt zudem den Durchlass untersuchen und so herausbekommen, ob dort vielleicht Steine oder querende Leitungen im Weg sind.

Reiner Peschke ist skeptisch. Bei der ganzen Arbeit, den vielen unruhigen Tagen und der Angst vor dem nächsten Starkregen bleibt keine Zeit für Optimismus. „Wenn mal einer sagen würde, dass nächste Woche die Bauarbeiten beginnen, dann wäre ich froh“, sagt er.

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