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Dienstag, 09.01.2018

Neuer Hightech-OP für das Uniklinikum

Chirurgen können Tumor- und Gefäßoperationen nun noch genauer durchführen. Die Überlebenschancen steigen.

Von Juliane Richter

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Der neue Hybrid-OP beherbergt einen c-förmigen Röntgenarm, der sich sehr schnell und wendig um den Patienten auf dem OP-Tisch bewegen kann. Dadurch entstehen aus fast allen Positionen hochauflösende Bilder.
Der neue Hybrid-OP beherbergt einen c-förmigen Röntgenarm, der sich sehr schnell und wendig um den Patienten auf dem OP-Tisch bewegen kann. Dadurch entstehen aus fast allen Positionen hochauflösende Bilder.

© Sven Ellger

Ein weiterer Hybrid-OP gehört zu den insgesamt 17 OP-Sälen, die im neuen Haus 32 entstehen.
Ein weiterer Hybrid-OP gehört zu den insgesamt 17 OP-Sälen, die im neuen Haus 32 entstehen.

© Sven Ellger

In diesem Raum bleibt den Chirurgen nichts verborgen. Der neue Hybrid-OP im Haus 59 des Uniklinikums ermöglicht den Ärzten uneingeschränkte Einblicke in den menschlichen Körper. Selbst kleine Arterien und Gefäße können hochauflösend und dreidimensional dargestellt werden. Möglich macht das ein Roboter mit besonders wendigem, c-förmigen Bogen, in dem modernste Röntgentechnik steckt.

Deren exakte Bilder sind die Grundlage dafür, dass nun noch mehr komplizierte Operationen minimalinvasiv durchgeführt werden können. Das heißt: Statt wie früher über große Schnitte in den Brustkorb oder Bauchraum zu gelangen, reichen häufig nur noch kleine Schnitte in der Leiste oder der Achselhöhle. Von dort werden die Operationswerkzeuge durch die Gefäße an die entscheidende Stelle geschoben. Mithilfe des neuen Geräts, das aus verschiedensten Positionen Röntgenbilder liefert, können die Ärzte in Echtzeit ihre Arbeit im Körper des Patienten verfolgen. Professor Christian Reeps, Leiter der Gefäßchirurgie sieht mehrere Vorteile: Die Sicherheit und damit die Überlebenschancen für die Patienten steigen, mit dem neuen Gerät muss weniger Kontrastmittel eingesetzt werden und vor allem reduziert sich die Strahlendosis um mindestens die Hälfte – bei besserer Bildqualität. „Damit bleibt kein Wunsch mehr offen“, sagt Reeps. Bisher hatten er und sein Team bei besonders komplizierten Operationen den Hybrid-OP des benachbarten Herzzentrums nutzen müssen. Nun passiert alles im eigenen Haus. Reeps geht davon aus, dass dadurch auch die Zahl der Operationen weiter steigt. Zu seinem Gebiet zählen zum Beispiel Bypassoperationen oder Operationen an der Hauptschlagader. Sind die Gefäßwände ausgebeult und nicht mehr stabil genug, drohen diese zu platzen. Der Patient verblutet in diesem Fall. Um das zu verhindern, setzt Reeps spezielle Prothesen aus gebogenem Edelstahldraht ein.

Die Zahl der Eingriffe an der Hauptschlagader hat sich von 60 im Jahr 2014 auf 140 im vergangenen Jahr erhöht. Und dürfte nun weiter steigen. Mit der neuen Technik spielt Dresden nicht nur im Freistaat, sondern auch bundesweit eine bedeutende Rolle in der Gefäßchirurgie. Der Zustrom nationaler Patienten wird in diesem Jahr wohl noch weiter wachsen, da der Hybrid-OP erst der Anfang ist. Ein baugleicher OP sowie modernste Säle, die mit einem MRT-Raum verbunden sind, entstehen gerade im angrenzenden Haus 32. Dort werden ab Herbst in insgesamt 17 neuen Sälen Operationen aller Disziplinen, außer der Urologie, durchgeführt. Dann können auch noch mehr Tumore durch kleine Schnitte herausoperiert werden.

Professor Jürgen Weitz, Direktor der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, kündigt an, dass in einen der hochmodernen Säle bald auch der OP-Roboter „DaVinci“ eingebaut wird. Diese Kombination gebe es bisher noch an keinem deutschen Klinikum, sagt er. Ausreichend Platz für die viele Technik bieten die rund 80 Quadratmeter großen Räume durchaus. Im neuen Haus 32 kommen außerdem 120 Stationsbetten sowie 30 Betten auf Intensivstationen hinzu. Das ganze Gebäude kostet inklusive der teuren Großgeräte rund 130 Millionen Euro. Auf den Pflegestationen in den oberen beiden Etagen fehlen derzeit lediglich noch die Möbel. In den späteren OP-Sälen oder auch dem künftigen Schwerverletztenbereich im Erdgeschoss dominiert noch der Baustellen-Eindruck. Bis Sommer wird auch hier alles fertig sein. Dann bekommen Haus und Personal rund drei Monate zur Inbetriebnahme Zeit, damit alle Abläufe funktionieren.

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