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Donnerstag, 10.08.2017

Ich weiß, wo du letzten Winter warst

Wissenschaftler bestimmen die Wanderrouten von Pinguinen, auch ohne ihnen ein Aufzeichnungsgerät zu verpassen.

Von Valentin Frimmer

Zügelpinguine brüten auf der Antarktischen Halbinsel.
Zügelpinguine brüten auf der Antarktischen Halbinsel.

© M. Polito/LSU

Forscher können anhand der Schwanzfedern von Pinguinen deren Winterquartiere lokalisieren. Genau hingucken allein reicht dabei aber nicht: Die Gruppe um Michael Polito von der US-amerikanischen Louisiana State University untersuchte die chemische Zusammensetzung der Federn, wie sie im Fachblatt Biology Letters schreibt. Daraus konnten die Wissenschaftler schließen, wo sich die Tiere in einem bestimmten Zeitraum aufgehalten haben.

Wollen Forscher Wanderrouten von Vögeln und anderen Meeresbewohnern untersuchen, statten sie die Tiere oftmals mit kleinen Geräten aus, die ihre Bewegungen aufzeichnen. Das hat aber auch Nachteile: Die Technik sei oft teuer, beeinflusse die Tiere und sei schwer wieder zu entfernen, schreiben die Forscher um Polito. Deshalb suchten sie nach einer Alternative.

Für ihre Untersuchung nahmen die Wissenschaftler Zügelpinguine (Pygoscelis antarctica) und Adeliepinguine (Pygoscelis adeliae) unter die Lupe. Die beiden Arten brüten in den Sommermonaten an den Rändern des antarktischen Festlandes. Den Winter verbringen sie draußen im Ozean, gerne in Regionen mit viel Eis.

Zügel- und Adeliepinguine gehören zu den Langschwanzpinguinen. Sie besitzen charakteristische Schwanzfedern, die in der Regel knapp 40 Zentimeter lang werden. Die Pinguine verlieren ihre Federn nach jeder Brutsaison – also bevor sie sich in ihre Überwinterungsgebiete aufmachen. Über den Winter wachsen die Schwanzfedern dann nach. Deshalb kann die chemische Zusammensetzung der Federn Aufschluss über die Lebensweise der Pinguine während dieser Zeit geben. „Für Pinguine gilt: Du bist, wo du isst. Eine Art geochemische Signatur ihres Überwinterungsgebiets ist in ihren Federn abgelegt“, sagt Polito.

Die Forscher statteten 52 erwachsene Pinguine während der Brutsaison mit den kleinen Geräten aus, die die Wanderrouten aufzeichnen – sogenannte Tracker. Als die Tiere in der darauffolgenden Brutsaison wieder ans antarktische Festland zurückgekehrt waren, entfernten die Forscher die Geräte und werteten sie aus. Die Pinguine hatten in drei verschiedenen Regionen überwintert. Zudem entnahmen sie jedem dieser 52 Pinguine und 60 weiteren Tieren eine Schwanzfeder, die über die Wintermonate gewachsen war. Über die Häufigkeit einer bestimmten Kohlenstoffsorte darin konnten die Forscher auch bei den meisten Pinguinen, die keine Tracker trugen, die Winterquartiere nur mithilfe der Federn bestimmen.

„Diese Technik könnte auf verschiedene Gewebe von vielen verschiedenen marinen Tierarten angewandt werden, die über große Distanzen wandern. Beispielsweise Seevögel, Schildkröten, Robben und Wale“, sagte Polito. Wanderrouten von Tieren könnten in größerem Umfang untersucht werden. „Das könnte uns helfen, diese Arten besser zu verstehen und sie schlussendlich besser zu schützen.“ (dpa)

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