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Dienstag, 08.08.2017

Hund und Katze treiben CO2-Werte in die Höhe

Immer mehr Menschen geben hohe Summen für ihre Vierbeiner aus - mit problematischen Folgen für die Umwelt und das Klima.

Von Annett Stein

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Von einem Hundeleben hat wohl jeder so seine eigenen Vorstellungen.
Von einem Hundeleben hat wohl jeder so seine eigenen Vorstellungen.

© picture alliance/united archiv

Niedlich, ein Seelentröster – und schlecht für die Umwelt. Hunde und Katzen verursachen vor allem über ihren Fleischkonsum einen beträchtlichen jährlichen Treibhausgas-Ausstoß. Allein in den USA entspreche dieser der Klimawirkung von rund 64 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich und damit der von fast 14 Millionen Autos, ergab eine im Fachmagazin Plos One vorgestellte Hochrechnung. Ein weiterer Vergleich daraus: Die US-Miezen und -Bellos verfuttern jährlich so viele Kalorien wie sämtliche Franzosen.

In den USA sind Haustiere so beliebt wie sonst nirgends auf der Welt. Mehr als 60 Prozent der Haushalte besitzen mindestens eines – in Deutschland sind es etwa 44 Prozent. In Berechnungen zum Umwelteinfluss des Nahrungsmittelkonsums im Land flössen Haustiere aber bisher nicht ein, erklärt Gregory Okin von der University of California in Los Angeles.

Für eine Hochrechnung dazu schloss der Forscher zunächst aus der Zahl der Katzen und Hunde in den USA sowie den Inhaltsstoffen marktdominierender Futtermittel auf den Fleischverbrauch der Vierbeiner. „Wenn die 163 Millionen amerikanischen Fidos und Felixe einen eigenen Staat bekämen, lägen sie beim globalen Fleischkonsum an fünfter Stelle“ – hinter Russland, Brasilien, den USA und China, heißt es von der Universität. In Deutschland gibt es rund 22 Millionen Hunde und Katzen.

Was an Futter hineingehe, müsse natürlich auch wieder hinaus, schreibt Okin weiter: Gut fünf Millionen Tonnen Kot fielen jährlich an, hat er errechnet. Das entspreche der von 90 Millionen US-Amerikanern hinterlassenen Menge. „Ich mag Hunde und Katzen, und ich empfehle definitiv nicht, dass Menschen ihre Haustiere loswerden sollten oder sie vegetarisch ernähren, was ungesund für sie wäre“, sagt Okin. „Aber ich denke, wir sollten uns klar sein über die Auswirkungen, die Haustiere haben, und ehrlich darüber reden.“

Die Umweltfolgen einer fleischbasierten Ernährung sind weitaus größer als die einer pflanzlichen – unter anderem werden mehr Fläche, mehr Energie und mehr Wasser für die Produktion benötigt. Hinzu kommen Faktoren wie Bodenerosion, Pestizideinsatz und Abfallmenge. Auf Hunde und Katzen entfallen Okin zufolge etwa ein Viertel der im Land verbrauchten Kalorien aus der Viehhaltung.

Alternative Proteinquellen

Zwar seien einige Dinge im Futter nichts, was Menschen essen würden oder essen sollten, erklärt Okin. Zunehmend würden Haustiere aber als Familienmitglieder angesehen und erhielten nur das vermeintlich Beste – auch beim Fleisch. „Ein Hund braucht kein Steak zu fressen“, sagt der Forscher. „Ein Hund kann Dinge fressen, die nichts für den Menschen sind.“ Würde nur ein Viertel des derzeit für Futter verwendeten Fleisches wieder dem Menschen zugutekommen, würde das dem Fleischkonsum von 26 Millionen Amerikanern entsprechen, schätzt Okin.

Zunehmend ein Thema werde das Problem auch in anderen Ländern wie Brasilien und China. Dort konsumierten die Menschen im Zuge steigender Einkommen nicht nur selbst immer mehr Fleisch, sondern hielten auch mehr Haustiere, in deren Versorgung mehr investiert werde. „Ich bin selbst kein Vegetarier, aber Fleisch zu essen, hat nun mal seinen Preis“, sagt Okin. Darum müsse der Mensch nicht nur über seine eigene Ernährung, sondern auch die seiner Haustiere nachdenken. Eine mögliche Option wären demnach alternative Proteinquellen für Hunde- und Katzenfutter.

Methan (CH4), etwa aus der Rinderhaltung, und Kohlendioxid (CO2) wirken in der Atmosphäre als Treibhausgase: Sie halten Wärmestrahlung zurück, die Erde heizt sich allmählich auf. Hund und Katze beschleunigen also mit ihrem Dasein den Klimawandel, vor allem in reicheren Ländern, wo sie zumeist nicht mit Resten, sondern extra hergestelltem Futter versorgt werden.

Noch nicht einmal berücksichtigt sind in Okins Rechnung die Folgen für Umwelt und Klima, die auf die Produktion der unzähligen im Handel erhältlichen Produkte speziell für flauschige Lieblinge zurückgehen. Dem Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe zufolge geben allein die deutschen Haustierbesitzer gut vier Milliarden Euro für Fertignahrung sowie Bedarfsartikel und Zubehör aus dem Fach- und Lebensmitteleinzelhandel aus. Hinzu kamen demnach im vergangenen Jahr mehr als 500 Millionen Euro über Online-Vertriebswege.

Selbst ein Meerschweinchen, als Pflanzenfresser ein weit geringerer Treibhausgas-Verursacher als Hund oder Katze, hat eine schlechtere Öko-Bilanz als viele Tierhalter wohl annehmen: Sein Futter wird in Fabriken hergestellt oder zumindest abgefüllt, hinzu kommen die Verpackungen für Heu, Streu und Futter. Okin sagt: „Haustiere mögen viele Vorzüge haben – aber sie haben auch gewaltigen Einfluss auf die Umwelt.“ (dpa)

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 12 Kommentare

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  1. Anmerkung

    Der Artikel unterschlägt aber, dass oft Restprodukte aus der Menschennahrungsproduktion als Tierfutter verwendet werden. Ob bei einem Rückgang der Haustiere tatsächlich weniger Fleisch produziert würde wage ich mal zu bezweifeln. In sofern sind auch die extra hergestellten Futterprodukte zumindest zum großen Teil Reste unserer Überflussgesellschaft.

  2. jk

    Nach einer kanadischen - und nebenbei gesagt menschverachtenden - Studie über die ach so negative CO2-Bilanz ganz allgemein von Kindern, kommt nun der CO2-Angriff auf Hunde und Katzen. Kurze Gegenfrage: wie ist denn die CO2-Bilanz einer Annett Stein? Wäre es nicht besser für die Umwelt, es gäbe die Dame gar nicht? Für den geistigen Umweltschutz wäre es zumindest ein Beitrag.

  3. Silvester

    So weit sind wid schon, dem Überbringer einer unliebsamen Nachricht den Tod zu wünschen? Die redaktionelle Nähe zum populärsten Hetzblatf der Nation zieht entsprechende Gesellschaftsränder an. Widerlich.

  4. C.G.

    Ich finde es schlicht lächerlich, was noch alles für die Klimaerwärmung herhalten muss. Erst wird den Bauern wegen deren Kühe ein schlechtes Gewissen eingeredet und nun sind die Katzen- und Hundehalter an der Reihe. Schlimmer gehts nimmer. An die wirklichen Klimakiller traut sich keiner der Schreiberlinge. Denen zum Trotz: Unser Hund kann so viel f..., wie er mag.

  5. jk

    @Silvester: "So weit sind wid schon...zum populärsten Hetzblatf" An diesen Schreibfehlern erkennt man schon den Schaum vorm Mund beim Schreiben. Im Übrigen: Was war denn der Hintergedanke von Annett Stein, als sie über die ach so schlechte CO2-Bilanz der Hunde und Katzen referierte? Hat sie denen den Tod gewünscht oder ausdrücken wollen, dass es für die Umwelt besser wäre, wenn es sie gar nicht gäbe? Genau das war auch meine Aussage. Nicht mehr und nicht weniger. Im Übrigen ist grün-ideologischer Schmarren, dass der von Menschen verursachte CO2-Ausstoss einen relevanten Anteil am Klimawandel hätte. Die grünen Ideologen verwechseln nur immer zu die Tatsache des Klimawandels an sich mit den Ursachen des Klimawandels. Wobei - sie verwechseln sie nicht, sondern sie nutzen ihre bewusste Lüge, um allen Menschen ihre Vorschriften und Verbote aufzudrücken. Machtpolitik eben. Und um diese Machtpolitik durchzusetzen, gibt es solche Artikel über Hunde, Katzen, Kühe, Menschen...

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