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Donnerstag, 28.12.2017

Höher, schneller, weiter?

Die menschliche Leistungsfähigkeit stößt an ihre Grenze, sagen Wissenschaftler.

Von Stefan Parsch

Seit drei Jahrzehnten liegt die Durchschnittsgröße der Spieler der US-Basketball-Liga bei etwa zwei Metern – und nimmt nicht weiter zu.
Seit drei Jahrzehnten liegt die Durchschnittsgröße der Spieler der US-Basketball-Liga bei etwa zwei Metern – und nimmt nicht weiter zu.

© dpa

Der Mensch ist am Ende seiner biologischen Entwicklungsmöglichkeiten angelangt. Die bisherige Tendenz, dass jede Generation die vorhergehende in puncto Körpergröße, Lebensalter und körperliche Leistungsfähigkeit übertrumpft, werde sich in Zukunft nicht fortsetzen. Das schreiben französische Wissenschaftler nach der Analyse zahlreicher Forschungsarbeiten aus den vergangenen 120 Jahren in der Fachzeitschrift Frontiers in Physiology. Neben genetischen Faktoren hatten sie auch den Einfluss von Umweltaspekten in ihrer Zukunftsprognose berücksichtigt.

Die Forscher um Jean-François Toussaint von der Université Paris Descartes in Paris konzentrierten sich auf die Merkmale Körpergröße, Alter und körperliche Leistungsfähigkeit. „Diese Eigenschaften nehmen nicht mehr zu, trotz weiterer kontinuierlicher Fortschritte in Ernährung, Medizin und Wissenschaft“, erklärt Toussaint. Dies lege nahe, dass die menschliche Spezies in der modernen Gesellschaft an ihre Grenzen gelangt sei.

Den Stillstand bei der Entwicklung der Körpergröße belegten zahlreiche Daten. So zeigten Studien, dass Frauen, die 1996 geboren wurden, im Durchschnitt 8,3 Zentimeter größer sind als die Frauen von 1896. Im selben Zeitraum habe die durchschnittliche Körpergröße von Männern um 8,8 Zentimeter zugenommen. Doch in den wohlhabenden Ländern Westeuropas und Nordamerikas stagniere die Größenentwicklung seit etwa 30 Jahren. Die Forscher führen als Beispiel auch die Nationale Basketball-Liga der USA an: Seit 1984 liege die Durchschnittsgröße der Spieler bei etwa zwei Metern und nehme nicht weiter zu. In einigen armen afrikanischen Ländern sei die Entwicklung der durchschnittlichen Körpergröße sogar rückläufig.

Für die Untersuchung der körperlichen Leistungsfähigkeit ziehen die Forscher vor allem Sportrekorde heran: Seit den 1980er-Jahren hätten sich die Jahresweltbestleistungen in vielen Sportarten kaum oder gar nicht verbessert. Auch jenseits des Sports zeigten Langzeitstudien in Westeuropa und Skandinavien, dass die Ausdauer und die Kraftleistung junger Männer über die Jahre abgenommen haben.

Jetzt, da die Grenzen der menschlichen Spezies bekannt seien, sollten alle Nationen sicherstellen, dass die meisten Menschen in einem Land das obere Limit der Leistungsgrenze erreichten, schreiben die Forscher um Toussaint.

Vor einigen Jahren hatte der US-amerikanische Entwicklungsbiologe Gerald Crabtree eine provokante These zur menschlichen Leistungsfähigkeit formuliert: Er hatte behauptet, dass die Menschen bereits vor etwa 3 000 Jahren ihren intellektuellen Zenit erreicht hätten – und seitdem immer dümmer würden. Er begründete dies damit, dass in der modernen Welt die natürliche Auslese hervorragender Gene nicht mehr funktioniere. Vor Tausenden Jahren, als die Menschen noch in kleinen Gruppen durch die Wildnis streiften, seien intellektuelle Fähigkeiten entscheidend zum Überleben eines jeden Menschen gewesen. Doch seit die Menschheit Ackerbau betreibe und in größeren Gemeinschaften zusammenlebe, sei die Intelligenz des Einzelnen weniger wichtig geworden. Heutzutage könnten auch die weniger Schlauen überleben und sich fortpflanzen – was zu einer Abnahme der durchschnittlichen Intelligenz führe. (dpa)

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