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Freitag, 09.02.2018

Hobbyforscher-Wissen ist begehrt

Sie zählen Vögel im Garten oder suchen nach Sternen am Himmel: Im Dienste der Forschung engagieren sich viele Laien.

Von Johannes Hofmann

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Hobbyastronom Rolf Apitzsch hat sich vor zwanzig Jahren ein Observatorium in den Garten gesetzt. Seitdem hat er mehr als 500 Asteroiden entdeckt.
Hobbyastronom Rolf Apitzsch hat sich vor zwanzig Jahren ein Observatorium in den Garten gesetzt. Seitdem hat er mehr als 500 Asteroiden entdeckt.

© dpa

Sobald es Abend wird, ist Rolf Apitzsch auf himmlischer Jagd. Mit einem Teleskop geht er in seine selbst gebaute Sternwarte, zielt in den Nachthimmel. Hunderte Bilder schießt er dann, und wenn er Glück hat, sind Asteroiden drauf. Das sind kleine Gesteinsbrocken, Millionen von Kilometern entfernt.

Rolf Apitzsch ist Hobbyastronom, sein Geld hat der 74-Jährige als Computertechniker verdient. Seit er im Ruhestand ist, betreibt er jedoch Astronomie auf einem Niveau, das ihn für Außenstehende wie einen Profi wirken lässt. Er ist einer von zahlreichen Hobbyforschern in Deutschland – und manche sind auf ihrem Gebiet sehr erfolgreich.

Für das Geld zweier Mittelklassewagen setzte Apitzsch sich vor zwanzig Jahren ein Observatorium in den Garten. Seitdem hat er 505 Asteroiden entdeckt, 72 sind schon offiziell bei der Internationalen Astronomischen Union (IAU) registriert, 20 davon von ihm persönlich getauft. So kommt es, dass zwischen all den Sternen auch seine Frau und sein Zahnarzt verewigt sind.

Wie viele Hobbyforscher es in Deutschland gibt, lässt sich kaum sagen. Mehrere Hunderttausend dürften es aber sein. Allein bei der Aktion „Stunde der Wintervögel“ des Naturschutzbundes (Nabu) machten Anfang Januar rund 125 000 Menschen mit und zählten mehr als drei Millionen Vögel in Gärten und Parks. „Damit wir auf bundesweit valide Daten kommen können, brauchen wir die Hobbyforscher. Ohne sie würde das nicht gehen“, sagt Nabu-Vogelschutzreferent Eric Neuling.

Projekte wie diese werden oft unter der Bezeichnung „Citizen Science“ gefasst. Wissenschaft ist dabei kein Privileg der Profis mehr. Jeder kann mitmachen, egal ob beim Hasenzählen, Feinstaubmessen oder Transkribieren historischer Dokumente. Besonders seit dem Smartphone-Zeitalter nehmen die Möglichkeiten für Hobbyforscher ständig zu. Allein auf der Internetplattform „Bürger schaffen Wissen“ werden derzeit etwa 70 Forschungsprojekte angeboten. Erfolgreiche Hobbyforscher wie Apitzsch zeichnen sich durch ihr explizites Fachwissen aus, das sie sich meist selbst und aus reiner Neugier angeeignet haben. Nach der Zahl der entdeckten Asteroiden belegt Sternengucker Apitzsch in Deutschland mittlerweile Platz acht in der Rangliste. „Amateure können heute das leisten, was Profis vor zwanzig Jahren machen konnten“, sagt Apitzsch.

„Mit viel Geduld und ein wenig Glück kann man auch als Amateur etwas erreichen“, sagt er und denkt an 2008, als er mit anderen Hobbyforschern US-Profis half, einen Asteroiden aufzuspüren, der in Richtung Erde schoss und letztlich im Sudan einschlug. Nur dank des Engagements von Menschen wie Apitzsch ließ sich der Einschlagsort auf hundert Kilometer genau eingrenzen.

Peter Finke, emeritierter Professor für Wissenschaftstheorie und Experte für „Citizen Science“, plädiert schon seit Jahren für mehr Anerkennung der Amateurforscher. „Das Wissen der Laien wird in der Wissenschaft noch immer unterschätzt.“ Dabei könne die Amateurwissenschaft elementare Basiswissenschaft betreiben, für die die Universitäten und Institute oft kein Geld übrig hätten.

Hobbyastronom Apitzsch wartet schon darauf, dass die Nächte wärmer werden und der Himmel klarer wird. Dann geht er wieder raus in sein Observatorium und zielt mit seinem Teleskop in den Nachthimmel. (dpa)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Sören Göhler, Dresden

    Das geht aber nur solange gut, solange man nicht die offiziellen Lehrmeinungen hinterfragt oder gar belegt, daß diese so nicht stimmen können. Solche Leute werden dann entweder in die Spinnerecke oder in die Ecke der rechtsesotherischen Verschwörungstheoretiker verortet. Ich geb mal ein Beispiel einer Frage: Wie war es möglich, die Cheops-Pyramide innerhalb von 20 Jahren mit einfachsten Mitteln so hinzustellen, die Steine von sonst woher zu holen und exakt zu behauen wie wir dies alles heute noch bestaunen können?

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