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Freitag, 17.03.2017

Durchstarten mit Manitu

Mit dem April beginnt in der Plauener Falknerei die Saison. Dort können die Besucher künftig die Welt auf vom Rücken der Vögel sehen - dank moderner Technik.

Von Katrin Mädler

Hans-Peter Herrmann mit Adler „Manitu“, der zuvor mit einer 360-Grad Kamera ausgestattet wurde. Die Kamera zeichnet den Flug des Greifvogels auf.
Hans-Peter Herrmann mit Adler „Manitu“, der zuvor mit einer 360-Grad Kamera ausgestattet wurde. Die Kamera zeichnet den Flug des Greifvogels auf.

© ZB

Plauen. Einmal mitfliegen auf dem Adlerrücken, kurz Halt machen in den Baumwipfeln und dann immer höher steigen ... Was für Menschen ein Traum ist, soll bald mit High-Tech quasi möglich sein. Daran tüftelt Hans-Peter Herrmann von der Falknerei Herrmann in Plauen. Er hat seinem einjährigen Weißkopf-Seeadler Manitu ein kleines Geschirr gebastelt, mit einer 360-Grad-Kamera auf dem Rücken und Speicherplatz für eine Stunde. Da der junge Adler frei fliegen darf, seien die ersten Aufnahmen vielversprechend, erklärt der Falkner. Bald sollen die Flugvideos auch für die Besucher ein Höhepunkt werden.

Über sogenannte Virtual-Reality-Brillen (VR-Brillen) könnten Gäste mit auf Vogelflug gehen, sagt Herrmann. Damit verwirklichen die Plauener eine Zukunftsidee. Der Falkner hält sie für erforderlich, um mit seinem Geschäft zu bestehen. „Die wichtigste Aufgabe unserer Falknerei besteht darin, den Menschen die unglaublichen Talente der Tiere näher zu bringen“, erklärt der 34-Jährige.

Tatsächlich ist das kein einfaches Unterfangen. Die Falknerei in Sachsen hat es nicht leicht, schon gar nicht die historische Form, sagt Hartwig Gabriel vom Landesverband des Deutschen Falkenordens: „Falknerei bedeutete eigentlich Jagd. Die Hauptbeute der trainierten Greifvögel waren Wildkaninchen, Feldhasen und Fasane, deren Bestand ist stark zurückgegangen.“ Daran seien Krankheiten schuld, aber auch die Monokulturen wie Raps- und Maisfelder. In anderen Bundesländern wie Bayern seien die Felder kleiner und die Fruchtarten vielfältiger - damit seien die Lebensbedingungen für Niederwild besser. Heute spiele die Zucht von Greifvögeln eine größere Rolle, aber auch die Präsentation der Tiere werde immer wichtiger.

Herrmann muss noch Probleme lösen, damit all seine Gäste virtuell mitfliegen können. Die Aufnahmen der 360-Grad-Kamera von Manitus Rücken sind umfangreich. Aber wie kommt die hohe Datenmenge unkompliziert in die VR-Brillen, die dann die Besucher aufsetzen? „Techniker konnten nicht weiterhelfen, das ist Pionierarbeit, aber wir finden eine Lösung. Bisher muss ich die Aufnahmen auf ein Handy überspielen, das dann in die Brille gesteckt werden kann. Für mehrere hundert Besucher kann ich das noch nicht machen.“ Irgendwann hofft er, live von Manitus Rücken senden zu können. Die Bilder seien alle Mühe wert.

Wer zum ersten Mal durch die Brille schaut, sollte sich auf jeden Fall hinsetzen. „Das menschliche Gleichgewicht ist nicht darauf eingestellt, wenn sich der Vogel aus großer Höhe nach unten stürzt - oder für die Revierkämpfe in der Luft mit Krähen oder Bussarden. Das ist komplett anders als die bisherigen Flugshows, wo der Adler nur über die Köpfe der Zuschauer fliegt.“ Die VR-Brille überträgt Daten aus allen Himmelsrichtungen: Vorn ist Manitus Kopf im Flug zu sehen, dreht sich der Brillenträger, sieht er den Schwanz des Vogels im Wind, den Himmel beim Hochschauen und unten den fernen Erdboden.

Die Flüge auf Beuteattrappen, die viele Falkner mittlerweile in Shows vorführen, gibt es auch in der traditionellen Falknerei, sagt Gabriel: „Sie dienen zur Übung, um den Greifvogel fit zu bekommen.“ Der eigentliche Jagdbetrieb lasse sich aber nur live bei einer echten Jagd miterleben. Auch in der Falknerei Herrmann werden bei Flugvorführungen keine Wildkaninchen mehr erlegt. Der Falkner will vielmehr aufklären: „Viele können einen Adler nicht von einem Falken oder Mäusebussard unterscheiden.“

Als gelernter Forstwirt hat Herrmann 2014 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Inzwischen liegen die Besucherzahlen in seiner Falknerei bei mehr als 10 000 im Jahr - Tendenz steigend. Bei seinen 33 Vögeln steht im Moment Muskeltraining auf dem Programm. In den letzten Monaten durften sie wegen der Geflügelpest nicht raus, mittlerweile geht es unter Auflagen wieder „aufwärts“. Normalerweise schafft es ein Adler wie Manitu auf mehr als fünf Kilometer Höhe. Untrainiert bleibt er nur knapp über den Baumwipfeln. (dpa)

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