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Montag, 16.04.2018

Dresdner Forscher planen Millionenprojekte im Iran

Die Technische Universität Dresden beginnt eine außergewöhnliche Partnerschaft mit einer Einrichtung im iranischen Shiraz. Es geht um kluge Köpfe, anderes Wissen - und um neuen Einfluss.

Von Stephan Schön

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Die Universität in Shiraz im Iran.
Die Universität in Shiraz im Iran.

© Wikimedia/Ahura21 CC-BY-SA3.0

Vorn links Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert und rechts neben ihm Hans Müller-Steinhagen, Rektor der TU Dresden mit einer Forschungsdelegation und ihren Gastgebern an der Universität Shiraz.
Vorn links Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert und rechts neben ihm Hans Müller-Steinhagen, Rektor der TU Dresden mit einer Forschungsdelegation und ihren Gastgebern an der Universität Shiraz.

© Jan J. Weigand

Dresden/Shiraz. Es geht um exotische Pflanzen, um sauberes Wasser, neue Maschinen und um die Medizinforschung. Die TU Dresden baut dazu eine strategische Partnerschaft mit der Universität Shiraz im Iran auf. Dafür werden in den kommenden Jahren mehrere Millionen Euro von deutscher Seite bereitgestellt. In gleicher Höhe kommt nochmals Geld vom Iran dazu.

TU-Rektor Hans Müller-Steinhagen ist noch bis Mittwoch mit einem guten Dutzend Professoren und Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert in Shiraz. Die Forschungsprojekte werden seit teils mehr als einem Jahr schon vorbereitet und sollen nun beschlossen werden. Wie Müller-Steinhagen der SZ mitteilte, seien 21 gemeinsame Forschungsprojekte der TU Dresden und der Universität Shiraz vorgesehen. Fördergeld für fünf Großprojekte sei bereits beim Bundesforschungsministerium beantragt. Bei den Projekten geht es um das Management von Wasserressourcen, die ökologische Abwasserbehandlung und Klärschlamm. Neue technische Verfahren vor allem für eine dezentrale Nutzung will TU-Professor Michael Beckmann mit dem Ingenieurbereich der Universität Shiraz entwickeln. Die Nutzung solcher Technologien wäre dann sowohl in Deutschland als auch im Iran sinnvoll.

Grundlegende neue biologische Verfahren sollen entwickelt werden, die die Folgen von Ölkatastrophen eindämmen, zunächst im Wasser und dann auch im Sand. Biologieprofessor Christoph Neinhuis bringt den Botanischen Garten Dresdens mit dem von Shiraz zusammen. Nicht nur um Pflanzen als solche geht es dabei, sondern die Forscher wollen bis in die genetischen Strukturen hineinschauen. Das wiederum könnte letztlich der Medizinforschung dienen. Es sollen Projekte folgen, von der Stammzellforschung bis zur Krebsmedizin. „Was die Wissenschaft betrifft, kann von Einbahnstraße keine Rede sein“, sagt Müller-Steinhagen der SZ.

Dresdner Forscher im Iran, das klingt sehr ungewöhnlich. Die TU Dresden glaubt aber, dort einen guten strategischen Partner gefunden zu haben, mit dem sie auf Weltniveau zusammenarbeiten kann. So wie mit dem King´s College in London, der Universität Delft oder Breslau. Aus Sicht der bundesweit entscheidenden Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sei das sehr sinnvoll. „Wir reden hier über Kooperationen, nicht über Entwicklungshilfe für den Iran“, sagt Jörg Schneider, bei der DFG für solch internationale Zusammenarbeit zuständig. Und Gelder für deutsch-iranische Projekte würden ohnehin nur in harter Konkurrenz zu Projekten wie denen mit Frankreich, Japan oder den USA vergeben.

Wissenschaft hat sich in politisch schwierigen Zeiten oft als ein Türöffner gezeigt, sagt Jörg Schneider. Es ist eine Art Außen-Wissenschaftsdiplomatie. Und aus Sicht der deutschen Botschaft habe die TU Dresden die derzeit beste deutsch-iranische Wissenschaftskooperation.

Alireza Afsharifar, Vizepräsident der Universität Shiraz, will zur Wissenschaftskooperation zeitnah auch den Studenten- und Doktorandenaustausch aufbauen. Das passt ins Konzept der TU Dresden und auch zu deren Ausbildungsprofil. Die Universität Shiraz zählt zu den Top drei im Iran von rund 200 staatliche Hochschulen, international ist sie vor allem in Ingenieurwissenschaften vertreten. Im Unterschied zu vielen Ländern dieser Region, sind Frauen im Iran gut ausgebildet. In den Ingenieurwissenschaften sind es anders als in Dresden weit über 50 Prozent Frauen, die dies studieren. Dass der Forschung die Wirtschaft folgt, haben andere Regionen bereits gezeigt, China zum Beispiel. Auch deshalb sind wohl Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert und die Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS) mit in der offiziellen Delegation. Laut WFS mache der Außenhandel des Freistaates mit dem Iran derzeit gerade mal 0,2 Prozent aus, oder knapp 70 Millionen Euro. Vor allem dort dabei stark vertreten sei der Maschinenbau – Tendenz hier: stark steigend.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 11 Kommentare

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  1. Karl

    Ein Beispiel für eine nachhaltige und friedliche Kooperation zwischen verschiedenen Staaten und Kulturen. Viel besser und zeitgemäßer als Krieg.

  2. Joachim Herrmann

    Endlich mal Jemand, der Grütze im Kopf hat. Diese Initiative kann man nur gut heißen, denn wo geredet wird, wo sich intensive Beziehungen herausbilden, wird weniger über, sondern mehr miteinander geredet- besser gehandelt und es fallen weniger (hoffentlich bald keine) Bomben mehr. Wandel durch Annäherung hieß das mal! Heute müsste man sagen- "Wandel durch sinnvolle Kooperation" und das auf allen Gebieten. Noch besser wäre es, solchen Partnern auf Augenhöhe zu begegnen, sie weder ständig auszugrenzen, zu beleidigen oder als minderwertig (RU durch die USA) hinzustellen! Der Hass in der Welt ist groß genug- Sunniten gegen Schiiten; Ost gegen West, überheblich der Westen gegenüber Anderen; Arroganz der Macht; Ausbluten der Welt (materiell, finanziell und strukturell) durch Wenige und das Lauffeuer der schizophren Politiker. Von all dem gibt es, leider, noch viel zu viel.Und,ob Herr Maas mit seinem tölpelhaften Gequatsche manche Karren aus dem Dreck zieht-da ist der Bundespräsident weiter?!

  3. Titania

    Toll! Nicht jede Forschungsarbeit muss von der Wirtschaft vereinnahmt werden. Manchmal geht es um Erkenntnis und das gegenseitige Kennenlernen. Shiraz hat wunderbare Rosengärten!

  4. Michael Ton

    Die Wissenschaftskooperation ist gut. Aber man sollte sich vor Illusionen hüten. Die gegenwärtige politische Führung des Iran ist nicht friedfertig orientiert, wie die Kriegsbeteiligung in Syrien und Jemen, aber auch die Unterstützung der palästinensischen Hamas und der libanesischen Hisbollah belegen. Wertvolle wirtschaftliche Ressourcen des Iran werden in Waffen und Kriegseinsätze investiert, anstatt die zivile Wirtschaft stärker zu modernisieren. Durch den Ölreichtum ist auch das Interesse an klimaschützenden Verkehrstechnologien bisher gering - obwohl iranische Experten schon lange den weitgehend uneingeschränkten Zugang zu neuen Technologien haben. Gesundheitsgefährdender Smog ist in der iranischen Hauptstadt Teheran oft zu erleben. Wissenschaftler können Aufklärung und Offenheit für Neues mitbringen, aber sich auch mit Obrigkeiten arrangieren. Jedenfalls sollten die Diskussionen über Meinungs- und Pressefreiheit im Iran hinter der Wissenschaftskooperation nicht zurückstehen.

  5. so ä dresdner

    Es fällt schwer irgendwie nicht zynisch zu werden derzeit. Da vergießt man konservative Krokodilstränen über den bösen moslemischen Antisemitismus der hierzulande erwächst. Aber Probleme bei der Kooperation mit einem Land das Homosexuelle an deutschen Qualitätsprodukten der Marke Liebherr aufknüpft und dessen erklärtes Ziel ist Israel von der Landkarte zu tilgen und die Juden zurück ins Meer zu treiben hat man dann doch nicht. Seit Bolongna geht die wirtschaftliche Verwertbarkeit von Forschung ja über alles, Drittmittel sind heilig, und der ein- oder andere Auftrag für wohlgesonnene Anlagenbauer dürfte im Anschluss auch mit rausspringen...

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