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Donnerstag, 11.01.2018

Die stationäre Welle

Die Kälte an der US-Ostküste hat nicht zuletzt mit dem Rückgang des arktischen Meereises zu tun.

Von Simone Humml

© Symbolfoto: David Goldman/AP/dpa

Berlin/Potsdam. Ein extremer Kälteeinbruch zu Jahresbeginn und dann auch noch ein starker Schneesturm in den USA: Solche eisigen Zeiten sind nach Forscherangaben keineswegs ein Zeichen für einen stockenden globalen Klimawandel. Dagegen hatte US-Präsident Donald Trump erst kürzlich wieder per Twitter die Erderwärmung in Abrede gestellt – diesmal unter Hinweis auf den bitterkalten Winter in Teilen der USA. „Es ist zunächst wichtig, daran zu erinnern, dass sich die extreme Kälte fast ausschließlich regional auf die USA beschränkt“, betont Marlene Kretschmer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Global gesehen ist es momentan viel wärmer auf der Erde als normalerweise.“ In Deutschland war es zu Silvester bis zu 16,1 Grad warm.

Klimaforscher registrieren immer häufiger eine Wetterlage, bei der eine hohe Luftströmung, der sogenannte Jetstream, welliger wird. Eine Ursache liege darin, dass sich die Arktis schneller erwärmt als die Tropen, was den Jetstream beeinflusse. In den USA etwa zeigt sich dann ein deutliches Muster, bei dem der Westen in einer warmen Luftströmung aus dem Süden liegt, während in die Osthälfte polare Kaltluft aus dem Norden strömt, wie Kretschmers PIK-Kollege Stefan Rahmstorf erläutert. Die Wellen werden stationär, bewegen sich tagelang nicht mehr vom Fleck.

„Allgemein sind die Winter im Nordosten der USA, aber auch in Europa und im nördlichen Asien im Mittel seit etwa 1990 kälter geworden“, sagt Kretschmer. Dies stehe im starken Kontrast zum allgemeinen globalen Erwärmungstrend, insbesondere in der Arktis. Es gebe Hinweise darauf, dass der Rückgang des arktischen Meereises zu den Kälteausbrüchen in den USA und Eurasien beigetragen hat. „Ein sehr wichtiger Faktor ist in dem Klimageschehen der sogenannte Polarwirbel, ein Band schneller Westwinde, das normalerweise die kalte Luft über der Arktis einschließt“, erklärt Kretschmer. „Wird dieser Polarwirbel geschwächt, kann die kalte Luft aus der Arktis in niedrigere Breiten entweichen, was oftmals mit einem welligen Jetstream zusammenhängt“, fügt die Potsdamer Wissenschaftlerin hinzu.

(dpa)

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