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Dienstag, 07.11.2017

Blitze fangen

35 000 Grad heiß und eine Stromstärke von bis zu 400 000 Ampere: Blitze haben es in sich. Die Bundeswehr-Uni in München erforscht ihre Entstehungsweise.

Von Marco Krefting

Jeder Blitz hat seine Eigenheiten.
Jeder Blitz hat seine Eigenheiten.

© dpa/Rene Ruprecht

Christian Paul lässt es krachen. Wenn ein Gewitter aufzieht, geht es bei ihm nicht darum, Schutz zu suchen. Paul hofft, dass der Blitz einschlägt. Dafür wurde eine Fanganlage am 150 Meter hohen Fernsehturm auf dem Hohen Peißenberg rund 60 Kilometer südwestlich von München installiert. Kleine Fangspitzen sollen einen Blitzeinschlag in den Fernmeldeturm provozieren.

Paul arbeitet am Lehrstuhl für Hochspannungstechnik und Blitzforschung der Universität der Bundeswehr München. Die Forscher entwickeln Schutzkonzepte für Schiffe, Flugzeuge und Windräder, aber auch Haushaltselektronik. „Dafür müssen wir wissen, wodurch sich ein Blitz auszeichnet“, erklärt Ingenieur Paul. Das geht auch im Hochstromlabor auf dem Campus, wo die Wissenschaftler Blitzkanäle mit einer Stromstärke von bis zu 400 000 Ampere simulieren. Zum Vergleich: Eine Steckdose liefert maximal 16 Ampere.

Der Vorteil auf dem Hohen Peißenberg: „Sie bekommen Strom, so wie er wirklich ist“, sagt Paul. Der Versuchsaufbau sei so komplex wie im Labor – nur in größerem Maßstab. Messgeräte an der Turmspitze sind mit einem Computer im Turmfuß verbunden. Zudem nimmt eine Hochgeschwindigkeitskamera 5 000 Bilder pro Sekunde auf.

So wollen die Forscher die einzelnen Entwicklungsstadien von Blitzen im Detail mitverfolgen. Denn in der Regel blitzt es zwar von den Wolken aus zur Erde. „Ab einer Gebäudehöhe von 100 Metern entwickeln sich Blitze aber bevorzugt von unten nach oben“, sagt Paul. Das sei beispielsweise für Windräder relevant. Zumal diese Blitze über lange Zeit fließen, nicht leuchten und so durch Blitz-Ortungssysteme nicht erfasst werden. Die Messergebnisse sind wichtig für viele internationale und nationale Normen wie die deutsche DIN-Normung.

„Jeder Blitz ist komplett anders“, hat Ingenieur Paul festgesellt. „Es gibt immer wieder Besonderheiten in einzelnen Komponenten.“ Entgegen dem Volksmund schlage etwa nicht jeder Blitz im höchsten Punkt ein. Auf bis zu 35 000 Grad kann sich ein Blitzkanal aufheizen – und es beginnt zu leuchten. „Dabei wird Luft so schnell wie bei einem Überschallknall weggedrückt“, sagt Paul. „Das ist dann der Donner.“ (dpa)

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