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Dienstag, 21.03.2017

„Wir werden den Platz nicht räumen“

Der Zschornaer Camper-Verein will die von der Gemeinde verfügte Schließung nicht akzeptieren.

Von Manfred Müller

Roland Helfert ist empört. Der Vorsitzende des Zschornaer Campervereins zeigt hier das Schreiben, mit dem die Gemeinde Thiendorf den Dauercampern den Platz kündigt. Diese Kündigung wollen die Camper – viele davon haben in den 60er Jahren den Platz mit angelegt – nicht akzeptieren und sich mit allen Mitteln dagegen wehren.
Roland Helfert ist empört. Der Vorsitzende des Zschornaer Campervereins zeigt hier das Schreiben, mit dem die Gemeinde Thiendorf den Dauercampern den Platz kündigt. Diese Kündigung wollen die Camper – viele davon haben in den 60er Jahren den Platz mit angelegt – nicht akzeptieren und sich mit allen Mitteln dagegen wehren.

© Klaus-Dieter Brühl

Zschorna. Roland Helfert hat an Sachsens Ministerpräsidenten geschrieben. Der 76-Jährige ist einer von knapp 190 Dauercampern, die seit Jahren, manche schon seit Jahrzehnten, ihre Wochenenden am Zschornaer Brettmühlenteich verbringen. Ein großer Teil von ihnen gehört dem Campingfreunde-Verein an, dessen Chef Helfert ist.

Am vergangenen Sonnabend flatterte den Campern nun ein Schreiben ins Haus, in dem die Gemeinde Thiendorf die Schließung des Platzes bekanntgab. Bis zum 30. April hätten die Nutzer Zeit, ihre Stellplätze zu beräumen. Dagegen will der Vereinsvorstand nun vorgehen. Seine Beschwerde wurde vom Büro Stanislaw Tillichs ans Kommunalamt des Landkreises weitergeleitet, das die Rechtmäßigkeit der Schließung nun prüfen soll. Außerdem wollen die Dauercamper die MDR-Sendung Voss & Team für ihr Problem interessieren. „Wir werden den Platz jedenfalls nicht freiwillig räumen“, sagt Roland Helfert.

Auf einem normalen Campingplatz wäre so viel Widerstand gegen eine Schließung wohl kaum denkbar. Aber das Areal zwischen Dobra und Zschorna hat eine ganz eigene Geschichte. Es wurde schon in den 1960er Jahren angelegt, und viele Erholungssuchende haben ihre Wohnwagen über die Jahre mit stationären Vorbauten versehen. Bei manchen ist der Campinganhänger kaum noch zu sehen, stattdessen wurde ein kleiner Bungalow um ihn herumgebaut. Dazu noch ein Parkplatz fürs Auto, und sogar hübsche Vorgärtchen sieht man hier und da.

Die Nutzer sind meist schon etwas betagte Herrschaften, viele kommen aus den umliegenden Städten, besonders aus Dresden. Oder mittlerweile deren Kinder und Enkel. Kaum einer von ihnen will sich mit der Schließung so einfach abfinden. Zunächst starteten die Opponenten im Januar eine Online-Petition (die SZ berichtete). Die Kommune ließ sich davon nicht beeindrucken und fasste im Februar einen Ratsbeschluss, den Campingplatzbetrieb einzustellen.

Zu DDR-Zeiten hatten die meisten der Zschornaer Camper Pachtverträge. Einige von ihnen ließen die Anbauten offiziell genehmigen, die Mehrheit allerdings nicht. Man betrachtete den Stellplatz quasi als sein Eigentum und verfuhr damit nach eigenem Ermessen. Nach der Wende wechselte der Platz durch Eingemeindungen mehrmals den Besitzer – er gehörte erst zu Dobra, später zu Tauscha, und von da kam er im vorigen Jahr schließlich nach Thiendorf.

Die Gemeinde Thiendorf aber will den Campingplatz nicht kommunal betreiben. Sie versuchte, ihn an private Interessenten zu verkaufen, aber der Deal mit einer Dresdner Betreibergemeinschaft platzte im vergangenen Oktober. Da die Camper mittlerweile nur noch auf ein Jahr befristete Nutzungsverträge haben, ordnete die Kommune nun die Räumung an. Ihr Hauptargument: Durch die sehr eng aneinander liegenden Bauten sei der Brandschutz nicht gewährleistet. Außerdem beruft sie sich auf den Eingemeindungsvertrag zwischen Tauscha und Thiendorf, in dem explizit erwähnt ist, dass die Neu-Gemeinde den Campingplatzbetrieb nicht in eigener Regie führen wird. Vor allem deshalb, weil er kaum kostendeckend betrieben werden könne und mehrere Hunderttausend Euro an Investitionen notwendig seien.

Dieses Argument aber wollen die Camper nicht gelten lassen. Roland Helfert hat akribisch die Einnahmen der vergangenen Jahre den Betriebskosten gegenübergestellt, und nach seiner Rechnung erwirtschaftete die Kommune  – damals noch Tauscha – mit dem Campingplatzbetrieb durchgängig ein Plus. Der Investitionsstau sei also selbst verschuldet. Und warum wurde das Angebot des Campervereins, den Platz selbst zu bewirtschaften, ausgeschlagen?

Der Verein hatte vor anderthalb Jahren bei der Gemeinde ein eigenes Betreiberkonzept eingereicht, das allerdings nicht berücksichtigt wurde. „Wir sind nach wie vor bereit, den Platz zu übernehmen“, sagt Roland Helfert. „Allerdings ohne den Bade- und den Parkplatzbetrieb.“ Den wolle die Kommune ja ohnehin aufrechterhalten. Der Vereinsvorstand ist überzeugt, dass er eine rechtliche Handhabe finden wird, die den Campern ein Bleiben am Brettmühlenteich möglich macht. Oder, dass sie mit öffentlichem Druck, zumindest einen zeitlichen Aufschub erreicht, denn Thiendorf will den Campingplatz nach wie vor privatisieren.

Die Gemeinde stehe aktuell in Kontakt mit vier Interessenten, betätigt Bürgermeister Dirk Mocker. Von der Schließung will die Kommune aber nicht abrücken, weil der Platz im derzeitigen Zustand kaum verkäuflich sein dürfte. Deshalb hat sie in ihrem Schreiben an die Camper durch die Blume schon einmal Zwangsmaßnahmen angedroht. Durch einen pünktlichen Abzug bis zum 30. April würden Räumungsklagen und „Ersatzvornahmekosten“ bei der Räumung durch Dritte vermieden.