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Sonntag, 31.12.2017

„Wir möchten, dass mehr Firmen im Ausland aktiv werden“

Die Exportkraft sagt viel über die Leistungsfähigkeit einer Wirtschaft aus. In Sachsen wird inzwischen jeder dritte Euro mit Ausfuhren erwirtschaftet. Das Land sieht noch Luft nach oben.

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Sachsens Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident Martin Dulig
Sachsens Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident Martin Dulig

© Peter Endig/dpa

Dresden. Sachsen will den Außenhandel forcieren und zugleich auf ein breiteres Fundament stellen. „Wir möchten, dass mehr Firmen im Ausland aktiv werden. Diejenigen, die exportieren, sind in der Regel auch diejenigen mit besonders innovativen Produkten“, sagte Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). Momentan sei Export sehr stark mit der Automobilindustrie verbunden. In anderen Branchen gebe es noch Spielräume. In den ersten neun Monaten dieses Jahres entfielen bei einem Exportvolumen von rund 30 Milliarden Euro allein 11,4 Milliarden auf den Fahrzeugbau.

Derzeit wird etwa jeder dritte Euro (31 Prozent) des sächsischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) im Export erwirtschaftet. Bundesweit lag die Exportquote am BIP 2016 bei 38,4 Prozent. Mit einem Anteil von 50,8 Prozent war der EU-Raum in den ersten drei Quartalen 2017 der größte Auslandsmarkt der Sachsen. Wichtigstes Land ist jedoch auch in diesem Jahr China mit 13,9 Prozent in den ersten drei Quartalen, gefolgt von den USA (10,1), Großbritannien (6,7) und Frankreich (6,0).

Der Anteil Russlands beträgt momentan nur 1,6 Prozent. Vor allem Maschinen- und Anlagenbauer leiden hier unter dem Exportrückgang, der verschiedene Gründe hat - vor allem den niedrigen Ölpreis und den damit einhergehenden Verfall der russischen Währung, hieß es. Die Sanktionen der EU wegen der völkerrechtswidrigen Besetzung der Krim behindern zusätzlich. Dulig will die Beziehungen zu Russland aber wie bisher weiter pflegen.

Partner in Europa wie die niederländische Provinz Brabant stünden vor ähnlichen Herausforderungen beim Umbau ihrer Wirtschaftsstruktur im Zeitalter der Digitalisierung, sagte Dulig. Deshalb wolle man solche Kooperationen stärken. Der Blick richte sich zudem auf Polen und Tschechien. „China bleibt ein entscheidender Markt. Hier gibt es tiefgreifende Veränderungen. Die politische Führung hat den klaren Anspruch formuliert, in den nächsten Jahren in bestimmten Bereichen die Nummer 1 in der Welt zu werden - auch technologisch.“

„Ich kann nur warnen, hochnäsig auf China zu schauen. Im Gegenteil. Wir müssen Augenhöhe herstellen und vom hohen Ross herunterkommen“, sagte Dulig, der für die SPD auf Bundesebene eine der Kontaktpersonen zur Kommunistischen Partei im Reich der Mitte ist. Gerade in Japan und China seien persönlicher Kontakt und Investorenpflege wichtig. „Man muss Gesicht zeigen und ein Gefühl für den anderen entwickeln. Da ist Kontinuität gefragt, mit einem Besuch ist es nicht getan.“ Deshalb sollten Besuche dort keine Eintagsfliege sein. Gerade in China gelte es Nischen wie die Umwelt- und Energietechnik zu besetzen.

„Wir sind weiter dabei, neue Märkte für uns zu entdecken - ob nun in Südamerika oder in Afrika. Dort spielt vor allem die TU Bergakademie Freiberg mit ihren Kompetenzen im Bergbau eine Rolle“, betonte der Minister. Sachsen könne mit seiner Vielseitigkeit auf den Weltmärkten präsent sein. Allerdings sei man dabei auch von geopolitischen Entwicklungen abhängig. Die Kooperation mit dem Iran, die sich 2016 hoffnungsvoll angebahnt habe, sei durch die aktuellen Entwicklungen in den USA und Israel, erschwert worden und könne vorerst nur sehr „niederschwellig“ weiterverfolgt werden.

Dulig will 2018 wie schon in den Vorjahren nach China reisen. Erstmals steht Vietnam auf dem Programm: „Auch das ist mit Blick auf die Historie ein guter Partner. Es gibt viele Menschen in Vietnam, die zu DDR-Zeiten hier gelebt, studiert und gearbeitet haben und nun in verantwortungsvollen Positionen Ansprechpartner sind.“ Weitere Reisen hat der Minister nach Kanada und in die Schweiz geplant. (dpa)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

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  1. Joachim Herrmann

    Ja, Export nützt uns Sachsen und wem noch?! Uns geht es gut, weil wir fleißig sind, viel machen und uns ständig mühen. Und Andere, machen die das nicht, können die das (nicht) oder liegt es an Systemen?! Unser Wohlstand hängt (auch) und unmittelbar an unserer Exportkraft und den Möglichkeiten, die wir nutzen (dürfen). Unser Ländle (wir richten uns ja zunehmend nach dem Westen) ist eingebunden in ein System von Weltoffenheit und gleicherart Einschränkung. Wenn die Großwetterlage es erzwingt, so spielen wir munter mit im System des Katz- und Mausspieles. Da sind wir Anhängsel der USA, der Nato und der EU. Man gönnt sich ja sonst Nichts.Verträge, hm, hatten wir Sachsen nicht viele Jahrzehnte auch mit RU vielfältige Verträge und ging es uns da nicht gut?!Ach, ja, die RU sind ja die Bösen. Die machen doch glatt nicht das, was die Oben festgelegt haben.Die führen ja Kriege in der ganzen Welt. Und intervenieren, wo die USA schon sind. Na, so was aber auch- die halten sich aber auch an NICHTS?

  2. DuligUngeeignet!

    Ich glaube, dass Herr Dulig sich nicht in die Expansionsstrategien des Mittelstands einmischen sollte. Die Unternehmer/Gesellschafter,/Aktionäre sollten ihre eigenen Grenzen selbst definieren, denn sie tragen das Verlustrisiko und kennen ihre eigenen Limitierungen am besten. Sie über die Klippe zu scheuchen, ist keine für Sachsen günstige Strategie. Herr Dulig soll endlich seine avisierten Verkehrsprojekte Richtung Prag zurücknehmen! Herr Dulig soll eine Ost-West-Güterzugstrecke für Huckpackfahrten von Containern, LKWs, PKWs mit Polizei -und Zoll-dauerkontrollen(eigene Kontrollstützpunkt(e)!) einrichten, welche im Diesel-Lok-Betrieb sehr ausfallsicher, unkompliziert, energieeffizient und in den Abmessungen der Waggons flexibel ist. Dafür sollen nach Möglichkeit intakte aber bereits stillgelegte Trassen verwendet werden! Es müssen für die A4 Geschwindigkeitsbeschränkungen her, um die Unfallhäufigkeit, den CO2-Ausstoß und den Fahrbahnverschleiß durch schnelle LKW zu vermindern.

  3. Klaus

    @2: es gibt auf der A4 - wie auf jeder anderen BAB - eine Geschwindigkeitsbeschränkung für LKW. Was soll denn da noch her?

  4. tschle

    Wenn Sachsen mehr Export haben möchte, müsste es sich im Bund mehr gegen das unsinnige Russland-Embargo stemmen!

  5. DuligUngeeignet!

    @3 Überholverbot für alle auf der A4 und konsequent überwachen! Höchstgeschwindigkeit für LKW 80 km/h und aussschließliche Nutzung der Außenspur. Mittelfristig: Alle LKWs deren Zielort bzw. Abfahrtsort nicht Sachsen ist, müssen auf d. Schiene (siehe oben exkl. Ost-West-Güterzuglinie). Höchstgeschwindigkeit für PKW: 120 km/h(Innenspur)! Fahrzeugführer, die sich in einem Jahr mehr als 3mal nicht an die besonderen Auflagen gehalten haben, dürfen die Ausweichbundesstraßen, die Ausweichlandstraßen und die A4 selbst für ein Jahr nicht mehr benutzen. Falls sie dennoch erwischt werden 3000€ Strafe! Die Fahrzeugführer sollen dann über Meckl.-Vorp./ Brandenburg/per Bahn/Flugzeug einreisen! Bei Geschwindigkeitsübertretungen sollen ordentliche Bußgelder her! Die Bußgelder sind für einen Standortinvestitionsfond in die Lausitz zu hinterlegen! Den Flugzeugreisenden des Prag Flughafens wird die Nutzung von Bussen und Zügen nach Prag dringend angeraten! Die bestehenden Zugverbindungen ausreizen!

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