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Samstag, 12.08.2017

„Wir haben es geschafft – das zählt“

Das Leben nach der Flut hat die Familie der Bäckerei Siemank viel Kraft gekostet. Jetzt backt sie mehr denn je.

Von Nadja Laske

Teig kneten auf Nummer sicher: In der neuen, 300 Quadratmeter großen Backstube in Dresden-Reick nutzt Geselle Ralf Weisheit modernste Technik. Die erleichtert die Arbeit der Bäcker und Konditoren.
Teig kneten auf Nummer sicher: In der neuen, 300 Quadratmeter großen Backstube in Dresden-Reick nutzt Geselle Ralf Weisheit modernste Technik. Die erleichtert die Arbeit der Bäcker und Konditoren.

© Sven Ellger

Ein bisschen ratlos kramt Christiane Steiner in ihrem Gedächtnis. Tja, wie war das vor 15 Jahren. „Ich habe gar keine richtige Erinnerung mehr daran“, sagt die Konditorin. Das Wasser kam so schnell, und die ganze Belegschaft der Bäckerei Siemank hat einfach funktioniert. Allen voran der Chef Carsten Wiederhold, Christianes Vater.

Der sei es leid, der Flutbäcker zu sein, sagt die Tochter. „Wir wollen doch kein Mitleid, es ist immer weitergegangen, und wir haben es geschafft – das zählt.“ Die
34-Jährige steht im neuen, modernen Backhaus in Dresden-Reick und klopft sich das Mehl vom Shirt. Hierher hat das Familienunternehmen seine Produktionsstätte verlegt, nachdem die Flut 2013 wieder so hoch in Geschäft und Backstube am Laubegaster Ufer stand. Selbst zwischen diesen beiden Katastrophen hatte die Bäckerei keine Ruhe. Denn 2006 trat die Elbe ebenfalls über das Ufer und erreichte am Pegel Dresden eine Höhe von immerhin 7,49 Meter. Für Christiane Steiners Familie bedeutete auch das Land unter.

So konnte es nicht weitergehen. Deshalb entschlossen sich Carsten Wiederhold und seine Frau Bärbel zum Umzug ins Gewerbegebiet Reick. Seit zweieinhalb Jahren kommen Brot, Brötchen und Kuchen der insgesamt fünf Geschäfte von dort. „Wir haben jetzt Platz für Maschinen, die nicht ins Stammhaus Laubegast gepasst hätten“, sagt Christiane Steiner. Dem trauert sie manchmal doch noch hinterher. So klein sei die Backstube gewesen, dass jeder Winkel ausgenutzt wurde und umzufallen förmlich unmöglich war. Vor allem in der Weihnachtszeit kommen Erinnerungen hoch. Die reichen bis in die Kindheit und sind mit Laubegast für immer verbunden. Wo früher gebacken wurde, macht die Familie nun Sport und hat endlich Raum für eine Werkstatt. Wohnen bleiben will sie vis a vis der Elbe auf jeden Fall.

In der Produktion arbeiten heute zehn statt früher fünf bis sechs Mitarbeiter. Schließlich findet auch die neue Reicker Filiale großen Anklang und braucht ordentlich Nachschub. Vor einem großen Display packt Ralf Weisheit Mehl, Wasser, Hefe und andere Zutaten in einen großen Bottich. Die elektronische Anzeige gehört zu einer hochmodernen Waage. „Die hätten wir früher gar nicht aufstellen können“, sagt Christiane Steiner, „jetzt aber ist das kein Problem.“ Zum Glück, denn die Anschaffung erleichtert die Arbeit sehr.

Seit 18 Jahren arbeitet Ralf Weisheit bei Siemank. Der Geselle war dabei, als das Jahrhunderthochwasser die ganze Mannschaft in Alarmbereitschaft versetzte und in größter Eile gerettet wurde, was noch zu retten war. „Einen Plan hatte damals keiner“, erinnert er sich. „Wir haben einfach angepackt“. In den Jahren 2006 und vor allem 2013 war das anders, wenn sich auch nicht jede Sicherungsmaßnahme als sinnvoll herausstellte.

Die Menschen an der Elbe lernen mit den Fluten. Manche zogen fort, die meisten sind geblieben – und haben aus der Katastrophe bewundernswert Kraft geschöpft.

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