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Freitag, 13.10.2017

„Wir dürfen uns nicht verzetteln“

Der neue Nieskyer Waggonbau-Geschäftsführer Stefan Schröder zu großen Serien, dem Fertigungs-Nadelöhr und China.

Von Carla Mattern

Der neue Geschäftsführer des Waggonbaus Niesky, Stefan Schröder, steht vor dem historischen Waggon auf dem Werksgelände. Zuhause ist der 50-jährige Diplomkaufmann in Solingen und wohnt jetzt die Woche über in einer Wohnung in Görlitz.
Der neue Geschäftsführer des Waggonbaus Niesky, Stefan Schröder, steht vor dem historischen Waggon auf dem Werksgelände. Zuhause ist der 50-jährige Diplomkaufmann in Solingen und wohnt jetzt die Woche über in einer Wohnung in Görlitz.

© Jens Trenkler

Niesky. Viele verschiedene berufliche Stationen nennt der neue Geschäftsführer der Waggonbau Niesky GmbH Stefan Schröder. Eine davon hat ihn Anfang der 1990er auch in den deutschen Osten geführt, nach Berlin und Weimar unter anderem, wo er für Coca Cola den Vertrieb mit aufbaute. Zuletzt hatte der 50-jährige Diplom-Kaufmann für die Beteiligungsgesellschaft Quantum Capital Partners aus München eine Satellitenausrüstungsfirma am Bodensee geleitet. Dann schickte ihn Quantum nach Sachsen, wo er seit dem Sommer als Finanzgeschäftsführer Thomas Steiner an die Seite gestellt war. Jetzt hat sich der bisherige operative Geschäftsführer Thomas Steiner, der die meiste Zeit aber alleiniger Geschäftsführer war, nach gut drei Jahren aus Niesky verabschiedet. Bis zum Eintritt eines Nachfolgers für Thomas Steiner führt Stefan Schröder alleine die Geschicke der WBN. Darüber hatte am vergangenen Freitag der Waggonbau informiert.

Bis der Neue in Niesky startet, wird Stefan Schröder die nächsten Schritte angehen. „Wir werden im Management die zukünftige strategische Ausrichtung abstimmen, insbesondere, welche Kundensegmente und Produkte sind für den Waggonbau am aussichtsreichsten, welche Serien wollen wir produzieren?“, nennt der WBN-Geschäftsführer wichtige Fragen, die zuerst zu klären sind. Der Waggonbau müsse sich auf weniger Typen konzentrieren und diese in größeren Mengen ausstoßen, so Schröder und betont nachdrücklich: „Wir dürfen uns nicht verzetteln!“

Eurotunnel-Waggons und auch die Salzwagen seien solche Produkte. Mit der deutschen Bahn werden gegenwärtige Auftragsgespräche geführt wie auch mit der Firma Eurotunnel. Auch Thomas Steiner hatte in seiner Rede bei der Jubiläumsfeier 100 Jahre Schienenfahrzeugbau in Niesky davon gesprochen, dass man optimistisch sei, dass der Folgeauftrag für Transporteinheiten für den Eurotunnel nach Niesky geholt wird. Das bestätigt Stefan Schröder, noch in diesem Jahr, bis Mitte/Ende November wird mit dem Ergebnis gerechnet. Die Produktion soll dann im August nächsten Jahres starten. Andere Projekte werden so getaktet. Der neue laufende Auftrag, der Kali- und Salz-Spezialwagen, wird in den Werkhallen produziert, die extra für den Eurotunnel-Auftrag beispielsweise mit stärkeren Krananlagen ausgestattet worden waren.

Noch nicht definiert sei, wie viel investiert wird in Niesky. Das Nadelöhr ist ganz klar die Farbgebung. Doch die Suche nach Dienstleistern in der Region, in Polen und Tschechien, erweist sich als schwierig. In den nächsten vier Wochen werde sich entscheiden, ob es eine gute Lösung gibt: eine mobile Einrichtung in einem Zelt, aufgestellt auf dem Werksgelände, betrieben im Auftrag des Waggonbaus von einer Fremdfirma.

Ein anderer Lösungsansatz für den Engpass Farbgebung liegt in China. Die im Juli eröffnete Repräsentanz ist mit sechs bis acht Mitarbeitern besetzt, darunter ständig auch mit Nieskyern, die vor allem für die Qualitätssicherung sorgen. Die chinesische Firma liefert große Bauteile wie Rahmen oder auch Behälter für die Salzwagen. Diese Teile kommen mit einer Schutzschicht in Niesky an. Die muss wieder runtergestrahlt werden, danach erfolgt im Waggonbau die komplette Farbgebung. Kämen diese Bauteile aber bereits gestrahlt und mit einem Grundanstrich versehen an, würde das Kapazität und Zeit sparen. Besonderes Augenmerk soll auf die Kooperationspartner in China gelegt werden. Allerdings gestalte sich die Zusammenarbeit schwierig, es gibt Probleme mit der Qualität der Zulieferteile und auch mit verspäteten Lieferungen. „Dann ballt sich in Niesky wieder wie jetzt gerade die Arbeitsbelastung in der Produktion“, so Stefan Schröder.

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