• Einstellungen
Freitag, 29.12.2017

„Wir dürfen die Spreebrücke nicht kaputt reden“

Der neue Weg in Bautzens Zentrum ist nicht nur für Händler ein Gewinn, sagt der Chef des Innenstadtvereins -– und warnt vor zu viel Skepsis.

Bild 1 von 2

Noch ist es nur eine Vision: Die Stadt Bautzen plant eine 120 Meter lange Fußgängerbrücke, die über die Spree zur Ortenburg führt. Gleichzeitig soll der Touristenparkplatz erweitert werden. Der Chef des Innenstadtvereins ist davon begeistert.
Noch ist es nur eine Vision: Die Stadt Bautzen plant eine 120 Meter lange Fußgängerbrücke, die über die Spree zur Ortenburg führt. Gleichzeitig soll der Touristenparkplatz erweitert werden. Der Chef des Innenstadtvereins ist davon begeistert.

© Visualisierung: TU Dresden

Jan Kubasch ist Chef eines Bautzener Schuhgeschäftes und leitet den Innenstadtverein.
Jan Kubasch ist Chef eines Bautzener Schuhgeschäftes und leitet den Innenstadtverein.

© Archivfoto: Robert Michalk

Bautzen. Die Idee polarisiert. Bautzens Verwaltung und die Stadträte befürworten den Bau einer Brücke vom Protschenberg zur Ortenburg, viele Bürger haben hingegen große Bedenken. Auch Jan Kubasch hat schon viele unterschiedliche Meinungen gehört. Nun möchte der Chef des Innenstadtvereins selbst Position beziehen.

Herr Kubasch, wir haben die Leser gefragt, ob die Brücke eine tolle Idee oder ein Schandfleck ist. Was meinen Sie?

Für mich ist die geplante Spreebrücke eine neue Attraktion. Eine Sehenswürdigkeit, vor den Mauern der Stadt Bautzen, die jeder nutzen kann. Das ist doch toll.

Toll, sagen die einen. Die Stadt wird verschandelt, sagen andere. . .

Dass die Brücke ein Schandfleck wird, glaube ich nicht. Wenn ich mir die ersten Entwürfe ansehe, dann finde ich nicht, dass irgendein Blick weg ist. Es hat mich auch ein wenig überrascht, dass sich viele gleich so kritisch äußern. Ich denke, wir dürfen die Spreebrücke nicht gleich kaputt reden. Mal ehrlich, Bautzen wäre doch nicht Bautzen, hätte sich die Stadt nicht im Laufe der Zeit ständig verändert. Wir müssen keine Angst vor Neuem haben. Spätestens in zehn Jahren haben sich alle an die Brücke gewöhnt.

Sie sind Geschäftsinhaber und Chef des Innenstadtvereins. Glauben Sie, dass die Händler von der Brücke profitieren?

Davon bin ich überzeugt. Wenn durch die neue Attraktion mehr Besucher in die Stadt kommen, hilft uns Händlern das sehr. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass kleine Läden in Bautzen ums Überleben kämpfen. Ohne die Touristen hätten sie es noch viel schwerer. Ich sehe das selbst in unserem Geschäft. Viele Besucher der Stadt schauen bei uns vorbei und kaufen Schuhe. Und nicht nur der Handel lebt von den Gästen. Da hängt natürlich auch die Hotellerie und die Gastronomie mit dran. Ich möchte aus Bautzen ja kein Disney-Land machen.

Das nicht. Aber können Sie nicht auch die verstehen, die sagen, dass sich die Stadt um Wichtigeres kümmern sollte?

Natürlich kenne auch ich die Argumente derer, die sagen, dass man lieber in Spielplätze, in die Kitas und Schulen investieren sollte. Und ja, das ist auch sehr wichtig. Ich weiß aber auch, dass die Stadt speziell für die Brücke Fördergelder bekommen könnte. Das heißt, das eine schließt das andere nicht aus. Außerdem nützen uns die schönsten Schulen und Kitas nichts, wenn irgendwann keiner mehr in der Stadt leben möchte, sie nicht mehr lebendig ist.

Nur weil es keine zweite Brücke gibt, werden die Bautzener nicht wegziehen.

Nein, das nicht. Aber wenn die Touristen bald nur noch an Bautzen vorbei nach Dresden oder Görlitz fahren, wenn vielleicht mehr und mehr die Läden in der Innenstadt schließen müssen, dann ist uns doch allen nicht geholfen. Man muss auch an das Parkplatzproblem in Bautzen denken. Die ganze Stadt stöhnt, weil Stellflächen fehlen. Mit dem Bau der Brücke soll bekanntlich auch der Parkplatz an der Schliebenstraße erweitert werden. Da entstehen im großen Rahmen Stellflächen und vielleicht auch Parkbuchten für Busse.

Aber löst das denn wirklich das Parkplatzproblem? Viele Touristen wollen am liebsten direkt im Zentrum parken.

Da muss ich nur von mir selbst ausgehen. Wenn ich zum ersten Mal eine Stadt besuche, dann schaue ich auch, wie weit ich ins Zentrum hineinfahren kann. Wenn die neue Brücke aber bei den Touristen bekannt ist, wenn dort vielleicht auch steht, dass man in zwei Minuten zu Fuß bequem die Altstadt erreichen kann, dann würde mir die Entscheidung leicht fallen. Auch, weil ich dann weiß, dass ich dort einen freien Stellplatz finde. Das ist derzeit noch anders. Manchmal ist der Parkplatz an der Schliebenstraße so voll, dass man dort sein Auto nicht abstellen kann. Und einen schönen Weg ins Zentrum gibt es auch nicht.

Die Touristen können doch den Weg über die Friedensbrücke nutzen.

Ja, aber ein einladender Weg ist das nicht. Jeder, der sich davon überzeugen will, muss doch nur einmal morgens oder nachmittags über die Friedensbrücke laufen. Man geht an einer viel befahrenen Straße vorbei, teilweise stehen die Autos dort Schlange. Dabei möchte man als Tourist in einer ruhigen Atmosphäre in die fremde Stadt gelangen. Mit der neuen Brücke komme ich als Besucher an, genieße gleich einen tollen Blick auf die Stadtkulisse und laufe gemütlich in die Altstadt. Das ist doch nicht nur ein Highlight für Bautzen. Es ist eines für die gesamte Region.

Gespräch: Marleen Hollenbach