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Samstag, 13.01.2018

Wieviel verdient das Ehrenamt?

Wachau hat die Sätze für Ortschafts- und Gemeinderäte erhöht. Ihre Verantwortung ist groß.

Von Thomas Drendel

Doris Tittel betreut seit mehreren Jahren die Bibliothek in Wachau. Einmal pro Woche ist die Einrichtung geöffnet. Das macht sie freiwillig und ehrenamtlich. Für ihre Arbeit erhält sie nur eine Aufwandsentschädigung.
Doris Tittel betreut seit mehreren Jahren die Bibliothek in Wachau. Einmal pro Woche ist die Einrichtung geöffnet. Das macht sie freiwillig und ehrenamtlich. Für ihre Arbeit erhält sie nur eine Aufwandsentschädigung.

© privat

Wachau. Ohne Doris Tittel keine Bücher. Die ehemalige Kindergärtnerin betreut die Bibliothek in Wachau. Jeden Montag steht sie an der Ausleihe, nimmt Bücher, CDs und Videos entgegen. Sie organisiert Lesungen und regelte auch den Umzug ihrer Bücher in die Container. Alles im Ehrenamt.

Genauso ehrenamtlich kümmern sich Dutzende Ortschafts- und Gemeinderäte um die Geschicke der Gemeinde. Wenn andere in ihrem Garten werkeln oder einen Fernsehabend genießen, lesen sie sich in schwer verständliche Amtstexte ein oder diskutieren über Bebauungspläne. Wieder andere helfen bei Wahlen aus. Sie kontrollieren die Wahlzettel und zählen die Stimmen aus. Kurz: Ohne Ehrenamtliche würde in der Gemeinde nichts funktionieren.

Für sie gibt es jetzt eine Art nachträgliches Weihnachtsgeschenk. Die Gemeinde Wachau hebt die Sätze für sie an. Danach erhalten Gemeinderäte einen monatlichen Grundbetrag in Höhe von 30 Euro. Außerdem werden ihnen für jede Gemeinderatssitzung, an der sie teilnehmen, noch einmal 30 Euro überwiesen. Das gilt auch für Sitzungen des Technischen oder des Verwaltungssausschusses.

In den Genuss einer höheren Aufwandsentschädigung kommen auch alle Ortschaftsräte. Ihnen wird ebenfalls ein monatlicher Grundbetrag von 30 Euro und ein Sitzungsgeld in gleicher Höhe ausgezahlt. Bisher lag die Summe pro Sitzung bei Gemeinde und auch bei Ortschaftsräten bei 15 Euro. Ein monatlicher Grundbetrag wurde bisher nicht gewährt. Die neue Regelung gilt ab dem 1. Januar 2018. Monatlicher Grundbetrag plus eine Gemeinderatssitzung plus eine Ausschusssitzung, ein Gemeinderat kommt damit auf 90 Euro Entschädigung im Monat. Das klingt viel, auf die Stunde umgerechnet dürfte der Satz aber immer noch weit unterhalb des Mindestlohnes liegen. Dabei ist die Verantwortung der ehrenamtlichen Politiker gewaltig. Die Wachauer Gemeinderäte entscheiden über Ausgaben von mehreren Millionen Euro. Solche Großprojekte wie der Neubau des Dorfgemeinschaftshauses in Leppersdorf oder der Sanierung des neuen Verwaltungssitzes haben sie mit zu verantworten. Auch entscheiden sie beispielsweise über Gebühren für die Kinderbetreuung in den vier Kitas der Gemeinde. Um nur einige Beispiele zu nennen.

Wahlhelfer erhalten mehr Geld



Der Wachauer Bürgermeister Veit Künzelmann (CDU) begründet die Anhebung mit dem hohen Aufwand, den Ortschafts- und Gemeinderäte haben. „Außerdem sind in der Gemeinde die Sätze seit 20 Jahren unverändert geblieben. Jetzt heben wir sie erstmals an“, sagt Bürgermeister Veit Künzelmann (CDU). Mit den neuen Sätzen liege man im Vergleich zu anderen Gemeinden im Mittelfeld. Eine Entschädigung für ihre Arbeit erhalten auch die ehrenamtlichen Leiter der Bibliotheken in Wachau, Leppersdorf und Seifersdorf. 75 Euro werden ihnen dafür jeden Monat überwiesen. Spätestens seit der Bundestagswahl ist klar, die Zeiten, in denen die Wahlhelfer Schlange standen, sind vorbei. Händeringend wurde in den Kommunen nach Ehrenamtlichen gesucht. Das ist offenbar der Grund, weshalb jetzt auch bei ihnen die Entschädigungssätze angehoben wurden. Danach erhalten der Wahlvorsteher 50 Euro, der Stellvertreter und Schriftführer 45 Euro und der Beisitzer 40 Euro. Hilfskräfte bekommen für einen Einsatz bis vier Stunden 20 Euro. Bisher war die Entschädigung nach Einsatzzeiten gestaffelt. Selbst für Wahlvorstände gab es maximal 30 Euro.

Damit zieht Wachau teilweise an Dresden vorbei. In der Landeshauptstadt hatten die Helfer bei der Bundestagswahl im September 2017 teils niedrigere Sätze bekommen. Dem Wahlvorsteher wurden 50 Euroüberwiesen, deren Stellvertretern 40 Euro, den Schriftführern 40 Euro und den Beisitzern 30 Euro. Dass es noch besser geht, zeigt das Beispiel Ottendorf-Okrilla. Dort erhielten die Ehrenamtlichen für ihren Einsatz bei der Bundestagswahl eine Vergütung von 50 Euro.