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Mittwoch, 13.09.2017

Wieder gestrichene Flüge wegen Krankmeldungen bei Air Berlin

Erneut fallen Flüge aus: Auch am Mittwoch machen Krankmeldungen von Piloten der insolventen Air Berlin zu schaffen. Kurz vor dem Ende der Bieterfrist ist die Angst groß, potenzielle Investoren zu verschrecken. Eine andere Fluglinie ist ebenfalls betroffen.

Noch mehr Piloten von Air Berlin haben sich krank gemeldet und Flugausfälle provoziert.
Noch mehr Piloten von Air Berlin haben sich krank gemeldet und Flugausfälle provoziert.

© dpa

Berlin. Bei der insolventen Air Berlin fallen wegen Krankmeldungen vieler Piloten den zweiten Tag in Folge Flüge aus. Am Mittwoch wurden zunächst mindestens 30 Verbindungen gestrichen. Betroffen seien etwa der Flughafen Berlin-Tegel mit sieben und der Flughafen Düsseldorf mit fünf Ausfällen, sagte eine Sprecherin des Unternehmens am Morgen.

Die weiteren Streichungen verteilten sich auf verschiedene Airports. Köln/Bonn war nach dortigen Angaben mit neun Flügen der Gesellschaft Eurowings betroffen, die bei Air Berlin Maschinen mit Besatzung gemietet hatte. In Düsseldorf fielen fünf Verbindungen aus. In Stuttgart waren es mindestens zwölf Flüge, davon acht bei Eurowings. Es sei nicht ausgeschlossen, dass im Verlauf des Tages noch weitere Strecken gestrichen werden müssten, so die Air-Berlin-Sprecherin.

Bereits am Dienstag hatten sich etwa 200 Piloten von Air Berlin krank gemeldet. Mehr als 100 Flüge fielen aus, Tausende Passagiere waren betroffen.

„Ich wünsche mir, dass alle Beteiligten an den Gesprächen um die Zukunft von Air Berlin die Nerven behalten und versuchen, das Beste für die Beschäftigten zu erreichen“, sagte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) der „Bild“-Zeitung (Mittwoch). Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) forderte, „den Flugbetrieb jetzt bestmöglich aufrechtzuerhalten und nicht die Kunden in Mitleidenschaft zu ziehen“.

In einem internen Brief an die Piloten schrieben Vorstandschef Thomas Winkelmann und seine Kollegen Oliver Iffert und Martina Niemann am Dienstag: Es „liegen uns gegenwärtig 149 Krankmeldungen von Kapitänen und First Officers vor“. Das Schreiben lag der Deutschen Presse-Agentur vor. Dieser Krankenstand habe sich bis zum Mittwochmorgen nicht verändert, sagte die Sprecherin.

Die Kosten für die Airline beliefen sich am Dienstag nach internen Berechnungen auf rund fünf Millionen Euro. Das Management sprach von einer existenzbedrohenden Situation und kritisierte, ein Teil der Belegschaft spiele mit dem Feuer.

Der Vorstand, die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und der Betriebsrat riefen die gesunden Mitarbeiter dazu auf, zur Arbeit zu kommen. Die Unternehmensführung betonte: „Wir laufen massiv Gefahr, den Investorenprozess, den wir mit dem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung begonnen haben, nicht mehr zu einem möglichst positiven Ende zu führen.“ Um Investoren nicht zu verschrecken und möglichst viele Arbeitsplätze retten zu können, sei es „entscheidend, den Flugbetrieb kurzfristig zu stabilisieren“.

Die erneuten Turbulenzen kommen für Air Berlin reichlich ungelegen, schließlich drängt die Zeit für einen Verkauf. Bleibe es bei diesem Krankenstand, drohe vermutlich eine vollständige Liquidation der Fluggesellschaft, warnte der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus im Intranet des Unternehmens. Er soll die Airline sanieren und verhandelt mit der Lufthansa und weiteren Interessenten über einen Verkauf. An diesem Freitag endet die Bieterfrist, eine Entscheidung soll am 21. September fallen.

Die seit Jahren verlustreiche Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, nachdem ihre arabische Großaktionärin Etihad die Zahlungen eingestellt hatte. (dpa)

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