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Mittwoch, 16.05.2018

Wie wird die Ernte?

Die Trockenheit macht den Landwirten im Osterzgebirge zu schaffen. Nicht nur das könnte zum Problem werden.

Von Anja Ehrhartsmann

Raik Bellmann (29), Pflanzenproduktionschef der Liebenauer Agrar GmbH, hat in einem Feld in Liebenau schon Auswirkungen des Wassermangels festgestellt. Der Winterweizen ist durch das fehlende Wasser kleiner, nicht so grün und unten an der Pflanze gelb.
Raik Bellmann (29), Pflanzenproduktionschef der Liebenauer Agrar GmbH, hat in einem Feld in Liebenau schon Auswirkungen des Wassermangels festgestellt. Der Winterweizen ist durch das fehlende Wasser kleiner, nicht so grün und unten an der Pflanze gelb.

© Frank Baldauf

Osterzgebirge. Zu warm, zu sonnig – der April war Vieles, nur nicht zu nass. Es gab lokale Gewitter, allerdings gingen die Niederschläge lokal sehr unterschiedlich nieder, so Norbert Märcz vom Wetterverein Zinnwald-Georgenfeld. Durchschnittlich fielen 39 Millimeter vom Himmel, jedoch hätten Zinnwald 56 Prozent mehr zugestanden, in Bannewitz hingegen fehlten nur vier Prozent. Für Kleingärtner heißt das, fleißig gießen. So einfach haben es die Landwirte in der Region nicht. Sie sind auf das Regenwasser angewiesen, denn ihre Felder werden nicht künstlich bewässert.

Wie ist die Situation in der Landwirtschaft?

„Es sollte im Mai schon mal ordentlich auf die Saat regnen“, sagt Sylvia Konrad, Geschäftsführerin des Regionalbauernverbandes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Auf den Feldern ist bereits alles ausgesät und angepflanzt: Mais, Kartoffeln, Erbsen und Sommergetreide. Und die kleinen Pflänzchen sprießen, denn Sonne und Wärme gab es bisher ja genug. Um aber ordentlich weiter zu wachsen, bräuchte es einen Guss von oben. Gleiches gilt für das Wintergetreide, das vergangenen Herbst ausgebracht wurde. Laut Sylvia Konrad ist die Situation aber noch nicht dramatisch – ein ausgiebiger Landregen würde helfen. Dagegen wäre ein Gewitterregen weniger erfreulich, er könnte die Jungpflanzen einfach fortspülen.

Welche Auswirkungen hat der Wassermangel bereits?

Weil es nicht nur im April, sondern den ganzen Winter über schon zu wenig Niederschlag gab, ist wenig Wasser im Boden gespeichert. Viele Landwirte machen deshalb jetzt schon den ersten Schnitt – dabei wird Gras für Tierfutter zum ersten Mal im Jahr gemäht. „Das ist dieses Jahr bei vielen früher als sonst“, sagt Sylvia Konrad. Gleiches bestätigt Harald Lehradt, Chef der Colmnitzer-Agrar-Genossenschaft. „Es geht sieben bis zehn Tage eher los als sonst.“ Auch auf den Flächen der Liebenauer Agrar GmbH wird schon Gras geschnitten. Laut Pflanzenproduktionschef Raik Bellmann ist es dafür noch etwas zu früh. Das sei aber vor allem dem Umstand geschuldet, dass 800 Hektar gemäht werden müssen. Trotz allem bemerke auch er auf seinen Feldern schon erste Anzeichen des Wasserdefizits: Der Winterweizen ist kleiner, nicht so grün und unten an der Pflanze gelb.

Warum wird das Tierfutter früher gemäht als sonst?

Auch bei Gras gibt es einen richtigen Zeitpunkt, um es zu mähen, vor allem, wenn es als Tierfutter dienen soll. Gerade was den Eiweißgrad und die Nährstoffe betrifft, ist jetzt der richtige Schnittzeitpunkt erreicht, obwohl es noch nicht hoch genug ist. „Die Masse fehlt. Würden wir aber noch warten, gingen Nährstoffe verloren“, sagt Harald Lehradt. Auch die Agrargesellschaft Ruppendorf ist früher dran und schon fertig mit dem ersten Grasschnitt. Das Ergebnis ist laut Pflanzenbeauftragtem Johannes Putz eine Katastrophe. „Wir haben noch nicht einmal die Hälfte der Menge, die wir sonst haben.“ Den Grund sieht er aber nicht nur im fehlenden Wasser, sondern auch in der kurzen Vegetationsperiode. „Vor sechs Wochen lag noch Schnee.“

Wie steht es um das Wintergetreide?

Die Winterkulturen kamen gut aus der kalten Jahreszeit. „Wir hatten Bedenken wegen des sogenannten Barfrosts, der ohne eine dämmende Schneedecke direkt auf die oberste Bodenschicht und die Pflanzen wirkt“, sagt Sylvia Konrad. „Glücklicherweise haben die Pflanzen das gut überstanden.“ Auch in Colmnitz und Ruppendorf halten sich die Frostschäden in Grenzen, auf den Feldern der Colmnitzer-Agrar-Genossenschaft hat die Wintergerste etwas gelitten, sagt Harald Lehradt.

Wie wird die Ernte dieses Jahr ausfallen?

Die Colmnitzer-Agrar-Genossenschaft bewirtschaftet 1 100 Hektar Ackerland, angebaut werden Winterweizen, Winterraps, Wintergerste, Sommergerste, Silomais und Ackerbohnen. Dass es wegen des fehlenden Niederschlags weniger Ertrag gibt, möchte Harald Lehradt zwar nicht ausschließen, abgerechnet wird aber zum Schluss. Das Wintergetreide wird Ende Juni geerntet, in den höheren Lagen erst Mitte Juli. Im Hinblick auf den Ertrag will Sylvia Konrad noch keine Prognose abgeben. „Wie die Ernte wird, kann man noch nicht sagen, das hängt von den kommenden Wochen ab.“ Denn nach der Blüte ist vor allem die Kornfüllungsphase Mitte/Ende Juni entscheidend für den späteren Ertrag.

Ab wann wird die Situation für die Landwirte bedenklich?

„Wenn es den ganzen Mai nicht regnen würde, wäre das schlimm“, sagt Sylvia Konrad. Abzuwarten bleiben auch die Eisheiligen im Mai, die in manchen Jahren noch Bodenfrost bringen. „Der junge Mais verträgt das nicht so gut, auch die Kartoffeln nicht. Das sind beides wärmeliebende Pflanzen.“